Die Suche nach dem richtigen Spital

Wie man sich im Internet über die Qualität von Spitälern informieren kann – und was die Informationen taugen.

Grundsätzlich gilt: Je grösser die Fallzahl für eine bestimmte Operation, desto erfahrener das Spital.

Grundsätzlich gilt: Je grösser die Fallzahl für eine bestimmte Operation, desto erfahrener das Spital. Bild: Gaëtan Bally/Keystone

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Haben Sie sich unlängst einer Operation unterziehen müssen? Wenn ja, dann ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass Sie sich bei der Wahl des geeigneten Spitals auf die Empfehlung Ihres Arztes oder Ihrer Ärztin verlassen haben. Das tun fast 80 Prozent der Bevölkerung, wie aus dem aktuellen Klinikbarometer des Spitalverbands H + hervorgeht, das auf einer repräsentativen Umfrage beruht.

Ausschlaggebend für den Entscheid zugunsten eines bestimmten Spitals ist vor allem die Qualität der Behandlung. Sie ist für Patientinnen viel wichtiger als etwa das Zimmer oder das Essen im Krankenhaus. Auch die Entfernung der Klinik vom Wohnort spielt gemäss Klinikbarometer eine kleinere Rolle: Für mehr Qualität ist mancher bereit, grössere Distanzen in Kauf zu nehmen.

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Seit die freie Spitalwahl 2012 eingeführt wurde, ist es auch allgemein Versicherten möglich, sich ausserhalb des Wohnkantons behandeln zu lassen, sofern die gewählte Klinik auf der Liste eines Kantons steht. Nun zeigen erste Zahlen einer ebenfalls unlängst veröffentlichten Studie des Gesundheitsobservatoriums Obsan, dass diese Möglichkeit auch genutzt wird. Demnach haben die ausserkantonalen Hospitalisierungen in den vergangenen Jahren zugenommen.

Dass Patientinnen und Patienten von der Wahlfreiheit Gebrauch machen, manifestiert sich aber auch darin, dass sie sich nicht mehr allein auf die Empfehlung des Arztes verlassen wollen, sondern selber nach Informationen suchen, um sich abzusichern. Rund 40 Prozent recherchieren im Internet – allerdings mit mässigem Erfolg. Mehr als die Hälfte findet dort nicht, was sie wissen möchte, heisst es im Klinikbarometer.

Therapie beeinflusst die Wahl

Fachleute überrascht dies nicht. «Das Internet eignet sich im Moment noch wenig für eine offene Suche nach einem Spital», sagt Barbara Züst von der Stiftung Patientenschutz (SPO). Margrit Leuthold von der Stiftung für Patientensicherheit bestätigt dies. Die Expertinnen raten deshalb, die Internetrecherche nicht an den Anfang zu stellen.

Welcher Weg aber bewährt sich? Dazu nachfolgend ein paar Tipps, deren Reihenfolge je nach individuellen Bedürfnissen variieren kann.

Therapieziel festlegen: Sobald eine Operation zur Diskussion steht, sollte man zuerst für sich definieren, welches Ziel diese haben soll, betont Barbara Züst von der SPO. Das Therapieziel kann sich nämlich auf die Wahl des Spitals auswirken. Züst illustriert dies anhand des Beispiels Prostatakrebs. Den einen sei es wichtig, die Sexualität zu erhalten und eine Inkontinenz zu verhindern – dies verlange nach einem schonenden Eingriff und entsprechenden Fachleuten. Andere wollen sichergehen, dass mit der Operation der Krebs beseitigt wird, und nehmen dafür Nebenwirkungen wie Inkontinenz in Kauf.

Umfeld konsultieren: « Die Suche nach einem Spital beginnt mit dem Finden eines geeigneten Arztes – und dies meist im Bekanntenkreis», sagt Chris­toph Bosshard vom Ärzteverband FMH. Die Chance sei gross, dass man durch den Austausch von Erfahrungen nützliche Hinweise bekomme. Erste Rat­schläge aus dem persönlichen Umfeld zu holen und diese dann zu prüfen, hält auch Margrit Leuthold von der Stiftung für Patientensicherheit für sinnvoll.

Fachlicher Rat: Mit den eigenen Vorstellungen und ersten Informationen konfrontiert man dann den Arzt. Laut Erika Ziltener, Leiterin der Patientenstelle Zürich, sollte man seine Empfehlungen nicht einfach hinnehmen, sondern nachfragen, warum er sich für ein bestimmtes Spital ausspricht. Erkundigen Sie sich auch nach Kliniken in anderen Regionen, wenn die Distanz nicht so wichtig ist. Bei Unsicherheiten lohnt es sich, eine Zweitmeinung bei einem anderen Arzt einzuholen. Auch die Patientenorganisationen bieten Hilfe bei der Spitalsuche. «Wir verfügen über ein Netz von Ärztinnen und Ärzten, das wir für Informationen anzapfen können, wenn die Versicherten dies wünschen», sagt Ziltener.

Informationssuche im Netz: Eine Internetrecherche kann die Entscheidung für ein bestimmtes Spital unterstützen. Für die Informationssuche bieten sich verschiedene Vergleichsportale an. Diese erfolgreich zu nutzen, ist jedoch anspruchsvoll, wie ein Test des «Tages-Anzeigers» zeigt. Da ist zum einen das Bundesamt für Gesundheit, das regelmässig die Fallzahlen der Spitäler publiziert. Diese sind ein wichtiger Qualitätsindikator. Dabei gilt: Je grösser die Fallzahl für eine bestimmte Operation, desto erfahrener das Spital. Entscheidend ist letztlich zwar die Fallzahl des Operateurs. Doch diese stünde leider nicht zur Verfügung, sagt Züst von der SPO, sondern müsste direkt beim Spital nachgefragt werden.

Beliebt sind bei Patientinnen auch die Urteile anderer über eine bestimmte Klinik, wie sie etwa in Umfragen zur Patientenzufriedenheit zu finden sind. Margrit Leuthold von der Stiftung für Patientensicherheit gibt jedoch zu bedenken, dass es sich bei diesen Angaben um subjektive Wertungen handle. Man könne nicht überprüfen, wie sie zustande gekommen seien.

Die Expertinnen raten, bei der Internetrecherche darauf zu achten, wie die angebotenen Daten erhoben worden sind und aus welchem Zeitraum sie stammen. Gerade die Umfragewerte zur Patientenzufriedenheit sind oft schon ein paar Jahre alt und können sich in der Zwischenzeit geändert haben. Prüfen sollte man vor allem auch, wer hinter einem Vergleichsportal steht und welche Ziele die Anbieter verfolgen. Dass es derzeit noch an unabhängigen Informationsportalen mangele, diese aber einem wachsenden Bedürfnis der Bevölkerung entsprächen, stellen auch die Autoren des Klinikbarometers fest.

Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat die Vergleichsportale für die Spitalsuche getestet.

Erstellt: 08.11.2015, 22:58 Uhr

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