Alibaba-Chef: «Nutzt Handel nicht als Waffe»

Jack Ma spricht am WEF über das Risiko des Protektionismus und gibt Tipps zu Karriere und Frauenförderung.

Sein Unternehmen Alibaba gehört zu den grössten Unternehmen der Welt: Chef Jack Ma.

Sein Unternehmen Alibaba gehört zu den grössten Unternehmen der Welt: Chef Jack Ma. Bild: Laurent Gillieron/Keystone

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In Michael-Jackson-Outfit und Glitzermaske rollt er auf einem Motorrad auf die Bühne. Die ersten Takte von Michael Jacksons «Billie Jean» ertönen. Er steigt ab und fängt an zu tanzen. Jack Ma ist nicht der übliche grauhaarige, anzugtragende Manager: Am Alibaba-Firmenfest bot der Gründer des Onlinehandelsgiganten letztes Jahr vor 40’000 Angestellten eine eher ungewöhnliche Show.

Ungewöhnlicher Auftritt: Jack Ma tanzt zu Michael Jacksons «Billie Jean». Video: Tamedia/AFP

Jack Ma ist aber nicht nur Spassvogel, sondern auch knallharter Geschäftsmann. Seine Plattform Alibaba ist mittlerweile eine der zehn grössten Firmen weltweit. In der Schweiz steht die Plattform Aliexpress auf Platz acht der beliebtesten Onlineshops. Anfang letzten Jahres traf Ma den damals frisch gekürten US-Präsidenten Donald Trump und versprach, eine Million Arbeitsplätze in den USA zu schaffen.

«Es wird kein ‹Made in America› mehr geben»

Am WEF letztes Jahr erklärte er, wie er diese Jobs schaffen wolle: Indem er kleinen Firmen im Mittleren Westen der USA ermögliche, nach China zu exportieren. Trump sei aufgeschlossen und höre zu, so Ma damals. Am diesjährigen WEF tönt das etwas anders. Protektionismus und Globalisierungskritik seien weit verbreitet, so Ma. Er warnt: «Nutzt Handel nicht als Waffe.» Und: «Wenn der Handel stoppt, startet der Krieg.» Wer andere Länder sanktioniere, sanktioniere kleine Unternehmen und die Menschen in den Ländern.

E-Commerce werde seiner Meinung nach auf dem ganzen Globus die traditionellen Formen des Handels ersetzen. Er sagt: «Künftig wird es kein ‹Made in China› oder ‹Made in America› mehr geben. Es wird nur noch ‹Made on the Internet› geben.» Wie er das genau meint, führt er nicht aus. Klar ist: Der Handel werde künftig global sein – ob man es wolle oder nicht, und Handelsbarrieren, wie sie die USA aufstellten, brächten nichts. Das liege auch daran, dass die nächsten Generationen sich nicht an Grenzen halten, so Ma: «Junge Menschen verbinden sich im Internet, sie kaufen global, verkaufen global und zahlen global.»

Um den globalen Handel für junge Leute, KMU und Entwicklungsländer weiter zu öffnen, hat Ma zusammen mit dem WEF, der Welthandelsorganisation (WTO) und der Electronic World Trade Plattform (eWTP), der er vorsteht, die Initiative «Enabling E-Commerce» lanciert. Diese soll KMU den Einstieg in den weltweiten Onlinehandel erleichtern.

Männer kaufen nur für sich ein

Am WEF gibt Ma auch Ratschläge zur Frauenförderung. Alibaba habe eine Quote von 49 Prozent Frauen und 37 Prozent Frauen im oberen Management. Frauen seien grossartig, um als Firma zu wachsen, so Ma. Alibaba sei als E-Commerce-Unternehmen eine Service-Firma und man müsse ein Herz für Service haben. Frauen seien darin viel besser. Das zeige sich auch beim Konsumverhalten: Frauen kauften auch für andere ein, etwa ihre Familien und Freunde, während Männer ausschliesslich für sich selbst shoppten. «Im letzten Jahrhundert mass man sich mit Muskeln, heute mit Weisheit.»

Damit eine Person Erfolg habe, muss sie Ma zufolge Intelligenz in drei Bereichen vorweisen: EQ, IQ und LQ, also emotionale Intelligenz, Intellekt und den Quotienten der Liebe, wie ihn Ma nennt. Während viele Männer zwar einen hohen IQ hätten, einen niedrigen EQ und kaum LQ, hätten Frauen eine bessere Balance der drei Qualitäten. «Wenn Sie wollen, dass ihre Firma Erfolg hat und mit Weisheit und Sorgfalt funktioniert, sind Frauen die Besten.» Er fügt hinzu: «Eine Firma, in der nur Männer arbeiten, kann nicht nachhaltig wachsen.» Frauenquoten lehnt er aber ab. «Das ist ein Desaster für beide Seiten.»

Ma gibt Karriere-Ratschläge

Der Alibaba-Chef hat auch Karriere-Ratschläge für jedes Alter: Im Alter zwischen 20 und 30 Jahren sollten sich Menschen einen Job mit einem guten Chef suchen, von dem sie möglichst viel lernen könnten. Zwischen 30 und 40 sollte man Wünsche und Ziele umsetzen. «Wenn man etwas will, mach es einfach.»

Zwischen 40 und 50 sollte man Dinge tun, in denen man gut sei. 50- bis 60-Jährige sollten ihre Zeit damit verbringen, die jüngere Generation auszubilden und zu entwickeln. Und was sollen die über 60-Jährigen tun? «Verbringen Sie Zeit mit Ihren Enkeln», rät Ma.

Bei KFC abgelehnt

Selbst war Ma nicht immer so erfolgreich. Dreimal bestand er die Eintrittsprüfung für die Universität in China nicht. Auch in Harvard bewarb er sich zehnmal, wie er vor drei Jahren am WEF sagte. Schliesslich machte Ma an einer Fachhochschule die Ausbildung zum Englischlehrer. Er bewarb sich bei 30 Jobs und wurde abgelehnt – sogar bei der Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken. Seine Karriere startete Ma also als Englischlehrer und verdiente 15 Dollar im Monat.

1995 reiste er in die USA und surfte in Seattle das erste Mal im Internet. Damals suchte Ma nach «China» und «Bier». Die Suche ergab bei beiden Begriffen null Treffer. Er sah Potenzial. Zurück in China gründete Ma sein erstes Onlineunternehmen, eine Art gelbe Seiten für China. Der grosse Erfolg blieb aus. Bis Ma 1999 Alibaba.com in seiner Wohnung in Hangzhou südwestlich von Shanghai gründete.

Der Auftritt als Michael Jackson war übrigens nicht Mas erste Einlage. Beim 10-Jahres-Fest von Alibaba sang Jack Ma den «Lion King»-Song «Can you feel the love tonight» – mit einer Perücke mit langem, blonden Haar.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.01.2018, 16:07 Uhr

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