Aufpasser bei der CS stellt 344 Millionen Franken in Rechnung

US-Staranwalt Neil Barofsky sollte diesen Herbst am Zürcher Paradeplatz seine Zelte abbrechen. Sollte.

Sein Mandat kostete die CS bislang 344 Millionen Franken: Der US-Anwalt Neil Barofsky. Foto: Brad Trent (Intertopics)

Sein Mandat kostete die CS bislang 344 Millionen Franken: Der US-Anwalt Neil Barofsky. Foto: Brad Trent (Intertopics)

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Der US-Steuerstreit wird für die Credit Suisse immer teurer. Zur rekordhohen Strafzahlung von 2,6 Milliarden Dollar, welche die Grossbank im Mai 2014 zusammen mit einem Schuldeingeständnis leisten musste, türmen sich die Kosten für den Aufpasser, der durch die US-Behörden eingesetzt wurde.

Neil Barofsky heisst der Anwalt, der auf dem Höhepunkt der Finanzkrise von 2008 einen 700-Milliarden-Dollar-Rettungsfonds geführt hatte und nun als Anwalt einer New Yorker Starkanzlei ­tätig ist. Sein vielleicht lukrativstes Mandat befindet sich am Zürcher Paradeplatz, am Hauptsitz der CS. Zu diesem kam er, weil die Grossbank nach ihrer strafrechtlichen Verurteilung wegen US-Schwarzgeldkonten auch noch eine zweijährige Prüfzeit durch einen externen Aufpasser akzeptieren musste.

Monatlich 23 Millionen Franken

Barofsky nutzt sein Mandat ganz offensichtlich in vollen Zügen. Bis jetzt hat der US-Anwalt für seine Arbeit und jene seines Teams Honorare von beachtlichen 344 Millionen Franken in Rechnung gestellt, wie eine Auswertung der Finanzberichte der Credit Suisse zeigt. Die Summe verteilt sich auf die zurückliegenden fünf Quartale, angefangen im April 2015 bis Ende Juni dieses Jahres. Die Zeitspanne umfasst insgesamt 15 Monate. Pro Monat ergibt sich damit ein Betrag von 23 Millionen Franken.

Eigentlich hätte Barofskys Mandat in diesen Wochen auslaufen sollen. Er begann im Oktober 2014. Gemäss Gerichtsentscheid war geplant, dass die Überwachungszeit «nicht länger als zwei Jahre» dauern würde. Barofsky und seine Mitarbeiter würden ihre Zelte bald abbrechen und nach Übersee zurückreisen, so der Plan. Doch dem dürfte nicht so sein. Bereits Anfang 2016 hatte das «Wall Street Journal» berichtet, dass der New Yorker Sonderanwalt länger bleiben könnte. Grund sei die Schwierigkeit der CS, alle Wünsche des Aufpassers nach Dokumenten und Informationen rasch und umfassend zu befriedigen.

Kleinere Honorare

Für die Zeit, bis die Bank dieser Bitte nachgekommen ist, wurde die Uhr gestoppt. Im Rückblick fällt auf, dass die CS erst ab April 2015 die Kosten für Barofs­­ky und seine Anwälte in ihrem ­Finanzbericht aufgeführt hatte. Sollte es also so sein, dass die Zeit erst ab Frühling vor einem Jahr zu laufen begonnen hatte, dann könnte Barofsky noch ein weiteres halbes Jahr am Hauptsitz der Grossbank bleiben.

Die Honorare fielen für die Periode von April bis Juni dieses Jahres mit 59 Millionen Franken zwar erstmals deutlich tiefer aus, insbesondere im Vergleich zum Schlussquartal des letzten Jahres, als sie 20 Millionen höher lagen. Doch auch die jüngste Dimension ist beträchtlich. Zudem fragt sich, was Barofsky mit all den Informationen macht, die er dank seinen umfassenden Zutrittsrechten erhält. Irgendein Resultat sollte die Untersuchung bei ­diesen enormen Beträgen ja zutage ­fördern; was aber der CS neuerliche ­Umstände bereiten könnte.

Eine weitere US-Untersuchung

Die Bank wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen zur Frage, ob Barofskys Zeit wie ursprünglich vorgesehen diesen Oktober ausläuft. Ebenso wenig ging die Bank auf eine andere Unter­suchung ein, die rund um den US-Steuerstreit noch hängig ist. Es handelt sich um die Ermittlungen der US-Börsenaufsicht SEC zur Frage, ob die CS gegen Aufsichtsrecht verstossen hat, als sie Kundenvermögen in ihrer globalen Division Private Banking zwischen den beiden Regionen Schweiz und USA hin und her verschob.

Hintergrund dieser Ermittlungen bildet der Verkauf der Schweizer Medtech-Firma Synthes durch deren Schweizer Hauptaktionär Hansjörg Wyss. Einen Teil des Milliardenerlöses brachte Wyss zur CS. Innerhalb der Bank wurde beschlossen, dass die Milliarden des in den USA wohnhaften Wyss je hälftig zwischen den Regionen Amerika und Schweiz aufgeteilt würden. Die Zuteilung auf die beiden Gebiete im Verlauf des Jahres 2012 erfolgte so, dass die Schweiz vom Wyss-Vermögenszufluss dann profitierte, wenn sie es aufgrund von anderweitigen Geldabflüssen am nötigsten hatte, um ein gutes Bild nach aussen abzugeben. Dies zeigten E-Mails, welche der bekannte und streitbare US-Politiker Carl Levin an einem CS-Hearing öffentlich ausbreitete.

Einflussreicher Whistleblower

Die Transfers sorgten für Aufsehen. Die CS-Chefs hatten nicht mit einem solchen Angriff gerechnet. Standen sie doch am Levin-Hearing von Februar 2014 wegen des US-Offshore-Geschäfts der Schweizer Bank unter Eid und nicht wegen ­interner Buchungen von Vermögen reicher Kunden. Doch die CS hatte einen mächtigen Whistleblower gegen sich, ihren Ex-Americas-Chef Anthony DeChellis. Er arbeitete nach seinem Ausscheiden bei der CS im Frühling 2012 mit den US-Ermittlern zusammen. Und so geriet die CS-Spitze an Senator Levins Hearing sichtbar aus der Fassung.

Seither läuft die SEC-Untersuchung gegen die CS und ihre damaligen Verantwortlichen. Laut einer Quelle soll längst klar sein, wozu sich die Grossbank bekennt und wie teuer ihre Busse ausfällt. Doch statt das Ergebnis endlich zu veröffentlichen, hüllen sich die Parteien in Schweigen.

Das wiederum könnte – zumindest indirekt – einen Zusammenhang mit US-Aufpasser Barofsky und dessen Mandat haben. Eine nächste Busse aus Amerika rund um Fehler aus der Schwarzgeld-Ära wäre Wasser auf die Mühlen des teuren New Yorker Anwalts.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.09.2016, 08:04 Uhr

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