Ausländische Bankkunden legen ihre Konten vermehrt offen

Eigentlich gilt der automatische Informationsaustausch mit der EU erst ab 2018. Doch bereits jetzt zeigt er eine immer stärkere Wirkung.

Geld in der Schweiz wird häufiger deklariert als früher: Ein Audi mit deutschem Kennzeichen vor dem Hauptsitz der Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz. (Symbolbild)

Geld in der Schweiz wird häufiger deklariert als früher: Ein Audi mit deutschem Kennzeichen vor dem Hauptsitz der Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz. (Symbolbild) Bild: Walter Bieri/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Zahl der Meldungen von ausländischen Bankkunden an die Steuerbehörden hat nochmals markant zugenommen. So registrierte die eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) 2015 gemäss einem Bericht der «Zentralschweiz am Sonntag» mehr als doppelt so viele Meldungen wie 2014 und fast siebenmal so viel wie im Jahr 2011.

Konkret hat sich die Zahl der Meldungen in einem Jahr von 149'508 auf 328'860 erhöht, wie eine auf der Internetseite der ESTV kürzlich aufgeschalteten Statistik zeigt.

Auch italienisches Selbstanzeigeprogramm hilft

Der Grund für die massive Zunahme der Meldungen liegt gemäss dem Bericht vor allem im Näherrücken des automatischen Informationsaustauschs (AIA) mit der EU. Anfang 2017 wird das entsprechende Abkommen in Kraft treten. Ein Jahr später sollen die ersten Daten über Bankkonten und Wertschriftendepots zwischen der Schweiz und den EU-Ländern ausgetauscht werden.

Ein weiterer Treiber der Entwicklung sei zudem das italienische Programm für die Selbstanzeige. Dieses habe dazu geführt, dass sich die Meldungen von italienischen Bankkunden von knapp 7500 auf fast 63'000 erhöht habe.

Viel Geld abgezogen

Im Gleichschritt mit den Meldungen haben sich die Überweisungen aus der anonymen Besteuerung der Guthaben von EU-Bankkunden an die EU-Länder zurückgebildet. Im letzten Jahr überwies der Bund im Rahmen des Zinsbesteuerungsabkommen mit der EU noch rund 127 Millionen Franken an die EU-Länder. 2014 betrugen diese Zahlungen noch knapp 238 Millionen Franken.

Die ESTV-Statistik legt jedoch auch nahe, dass deutsche, spanische und österreichische Steuerpflichtige viel Geld von ihren Schweizer Bankkonten abgezogen haben. So reduzierten sich die Zinseinkünfte deutscher Kunden innerhalb eines Jahres um 13 Prozent. Bei den Spanier verringerten sich diese um 23 Prozent, bei den Österreichern sogar um 28 Prozent.

Italiener bleiben

Zugenommen haben dagegen die gemeldeten Zinseinkünfte von Italienern. Diese haben sich von 2014 auf 2015 verdoppelt. Offenbar haben viele italienische Bankkunden ihre Vermögen in der Schweiz zwar offengelegt, jedoch darauf verzichtet, sie auf eine italienische Bank zu transferieren. (mch/sda)

Erstellt: 24.07.2016, 12:04 Uhr

Artikel zum Thema

Schweiz tauscht ab 2018 Bankdaten mit der EU aus

Der Nationalrat hat das Abkommen zum automatischen Informationsaustausch gutgeheissen. EU-Staaten erhalten künftig Einsicht in Personalien und Kontobeträge. Mehr...

Brüssel will Strafverfolgung von Nicht-EU-Bürgern erleichtern

Wenn nationale Behörden in EU-Ländern mehr über Verdächtige aus Nicht-EU-Staaten wissen wollten, war das bisher aufwändig und zeitintensiv. Das soll sich ändern. Mehr...

Informationsaustausch: Grosse Bedenken wegen Datenschutz

Ein bisher geheimes Gutachten zeigt: Die AHV-Nummer für den automatischen Informationsaustausch zu verwenden, führt zu grossen Risiken. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Dreifach bezopftes Pferd: Ein Haflinger wartet auf einer sonnigen Wiese in der Nähe von Döllsädt. (18. Oktober 2017)
(Bild: AP Photo/Jens Meyer) Mehr...