Aussen Swiss, innen oft Germany

Woher Flugbegleiter und Piloten der Schweizer Fluggesellschaft kommen.

Bei Pilotenbewerbungen sind Schweizer in der Minderheit. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Bei Pilotenbewerbungen sind Schweizer in der Minderheit. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

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Der Slogan ist griffig: «Made of Switzerland». Man wolle mit der neuen Werbekampagne zeigen, «wie wir Schweizer sind». Und man wolle das Qualitätsbewusstsein in den Vordergrund stellen; dieses sei «Bestandteil des Erbgutes der Schweizer», umschrieb die Agentur Publicis die Kernbotschaft.

Durchhalten kann die Swiss die zelebrierte Swissness in einem Punkt nicht. An Bord ihrer Flugzeuge arbeiten immer weniger Menschen aus dem eigenen Land. 60 Prozent der Piloten, die in den letzten drei Jahren neu angestellt wurden, stammen aus dem Ausland, bestätigt die Airline. Die meisten kommen aus Deutschland und Österreich. «Gerade beim Pilotenberuf mit höchsten Ansprüchen steht die Qualität der Anwärter im Vordergrund, die Nationalität ist sekundär», sagt eine Swiss-Sprecherin.

Im Bewerbungsprozess haben ausländische Kandidaten häufig bessere Karten. «Wir sehen, dass sie oft sehr gut vorbereitet zum Interview erscheinen und sehr motiviert auftreten», heisst es bei der Swiss. Hinzu kommt, dass es eine Anfragenflut aus dem Ausland gab. Denn die Lufthansa stellte jahrelang keine Piloten ein. Deutsche Interessenten bewarben sich umso häufiger hierzulande.

Harte Arbeit, wenig Lohn

Das sind nicht die einzigen Gründe, weshalb Schweizer unter den jährlich rund 900 Bewerbungen in der Minderzahl sind. «Das Ansehen des Pilotenberufes hat hierzulande seit dem Swissair-Grounding sicher gelitten», sagt Thomas Steffen, selber Flugkapitän und Sprecher des Schweizer Pilotenverbandes Aeropers. Es gebe allerdings auch hausgemachte Gründe. Die Arbeitsbedingungen seien schlechter geworden. «Heute fliegen Piloten doppelt so viel wie noch vor 20 Jahren.»

Hinten im Flugzeug sieht es nicht viel anders aus. 2017 liegt der Ausländeranteil bei neuen Flugbegleitern bei rund 30 Prozent. Im Jahr zuvor betrug er rund 40 Prozent. Auch hier sind es vor allem Frauen und Männer aus dem deutschsprachigen Raum, die zur Swiss kommen. «Der Beruf ist hart, die Tage sind lang. Mit den unregelmässigen Arbeitszeiten ist es zudem sehr schwierig, ein geregeltes Sozialleben zu führen», erklärt Denny Manimanakis, Präsident der Flugbegleiter-Gewerkschaft Kapers, die Zurückhaltung vieler Schweizer. Er sieht noch einen weiteren Grund. «Viele Junge finden den Job zwar spannend, weil er abwechslungsreich ist und man in der Welt herumkommt. Aber sie bewerben sich trotzdem nicht, weil sie am Anfang nur 3400 Franken pro Monat verdienen – mal zwölf notabene», sagt Manimanakis. Das ist für schweizerische Verhältnisse sehr wenig. Deshalb ist es schwierig, inländischen Nachwuchs zu finden.

Zu 70 Prozent schweizerisch

Das könnte zum Problem werden, glaubt Pilotenvertreter Steffen. «Passagiere, die Wert legen auf eine Schweizer Besatzung bei einer Schweizer Fluggesellschaft, könnten sich abwenden», sagt er. Bei der Swiss sieht man diese Gefahr nicht. Der Anteil der schweizerischen Flugbegleiter liege insgesamt bei rund 70 Prozent. «Tendenz steigend», so die Sprecherin. Bei den Piloten seien es trotz den hohen Raten bei der Anstellung von Ausländern in den letzten Jahren noch immer 75 Prozent.

Zudem dürfe man Swissness nicht auf die Nationalität reduzieren. «70 Prozent unseres Bordproduktes stammen aus der Schweiz», so die Sprecherin der Fluggesellschaft. «Wir servieren pro Jahr 2,4 Millionen Flaschen Schweizer Wein, 16 Millionen Tafeln Schweizer Schokolade, 140'000 Kilo Schweizer Käse, 1,6 Millionen Mövenpick-Glaces und 2 Tonnen Bündnerfleisch.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.11.2017, 18:40 Uhr

Crews

Pendeln aus Berlin oder Köln

3900 Franken pro Monat – weniger verdient bei Coop und Migros niemand. Davon können neue Flugbegleiter bei der Swiss nur träumen. Sie arbeiten für 3400 Franken pro Monat und erhalten, anders als die Angestellten im Detailhandel, am Anfang auch keinen 13. Monatslohn. Was für schweizerische Verhältnisse ein absoluter Billiglohn ist, gilt im Ausland als gutes Salär. Nicht wenige Deutsche nehmen deshalb gerne einen Job bei der Swiss an, wohnen aber weiter in Berlin, Frankfurt oder Köln. «Es gibt unter Flugbegleitern viele Pendler, vor allem aus Deutschland und Österreich, aber auch aus Frankreich und Italien», weiss Denny Manimanakis von der Gewerkschaft Kapers. Bei der Swiss will man das nicht kommentieren: «Unsere Mitarbeitenden können frei über ihren Wohnort entscheiden.» (se)

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