Bei schlechtem Wetter günstiger auf die Piste

Wer bei Hundewetter am Pizol Ski fährt, bekommt einen Rabatt auf die Tageskarte. Die Neuerung ist europaweit einzigartig.

Rabatte bei Huddelwetter: Zielgelände der Alpinen Schweizermeisterschaften auf Pardiel im Skigebiet Pizol in Bad Ragaz. (Archivbild: Keystone)

Rabatte bei Huddelwetter: Zielgelände der Alpinen Schweizermeisterschaften auf Pardiel im Skigebiet Pizol in Bad Ragaz. (Archivbild: Keystone)

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Das Wetter soll den Preis fürs Skibillett bestimmen. In einem Forschungsprojekt der Fachhochschule St. Gallen (FHS) werden wetterabhängige Tageskarten eingeführt, die ab sofort von den Skigebieten Pizol im Kanton St. Gallen und Belalp im Oberwallis angeboten werden. Sie seien ein europaweites Novum, teilte die FHS am Mittwoch mit. Es handelt sich um ein zweijähriges Projekt, an welchem neben den beiden Bergbahnen auch SRF Meteo und die Firma tipo ticketing beteiligt sind.

Bei Airlines schon länger Praxis

Mit dem dynamischen Preismanagement, das bei Fluggesellschaften längst gängige Praxis sei, könnten die Bergbahnen die Gäste auch bei weniger gutem Wetter auf den Berg locken. «Je nach Wetterlage gibt es bei uns bis zu 50 Prozent Rabatt auf die Tageskarte», sagte Jürg Vollmer, Leiter Kommunikation der Pizolbahnen, gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Am Freitag und Samstag wird es im Ostschweizer Skigebiet zeitweise schneien, die Preise sind an diesen Tagen deshalb um 38 Prozent tiefer. Wer vom neuen Angebot profitieren will, kann auf der Website der Pizolbahnen einen Gutschein ausdrucken und erhält die Vergünstigung an der Kasse. Die Wetterprognosen und Preise sind jeweils für sieben Tage im voraus ersichtlich.

Es gibt keine Wundermittel

Die FHS sei mit der Idee für das Forschungsprojekt auf die Pizolbahnen zugekommen, sagte Projektleiter Dietmar Kremmel vom Kompetenzzentrum Marketing Management der FHS. Das St. Galler Skigebiet nahe an der Grenze zu Österreich leide wegen des starken Frankens an einem markanten Rückgang an Tagesgästen. Statt zu jammern habe sich der Bahnbetreiber zum Handeln entschlossen.

Das neue Preissystem sei ein kleiner von vielen Schritten, welche ein mittelgrosses Skigebiet wie die Pizolbahnen gehen müsse, um überleben zu können, sagte Vollmer. Wundermittel gebe es nicht, die Bahnbetreiber müssten vielseitiger werden.

Hohe Fixkosten

Die Pizolbahnen AG, an welchen auch die Gemeinden der Region beteiligt sind, verkaufen in der Wintersaison durchschnittlich 210'000 Tageskarten. «Diese Saison lief bisher schlecht. Über Weihnachten/Neujahr konnten wir wegen des Schneemangels lediglich drei von 30 Pisten öffnen und dies nur dank Kunstschnee», sagte Vollmer. Entsprechend seien die Gäste ausgeblieben. Die Fixkosten mit 100 Angestellten seien jedoch immer gleich hoch.

Neue Daten gewinnen

Das Forschungsprojekt wird von der Schweizerischen Kommission für Technologie und Innovation unterstützt mit einem Betrag von rund 220'000 Franken, wie Kremmel sagte. Mit den Bundesgeldern werde die FHS-Forschungsarbeit im Umfang von rund 250 Stellenprozenten finanziert.

Das laut Kremmel weltweit einzigartige Forschungsprojekt könnte nicht nur darbenden Skigebieten auf die Beine helfen, sondern auch der Gewinnung neuer objektiver und subjektiver Daten dienen. Wer eine vergünstigte Tageskarte gekauft hat, wird nach dem Skitag zu einer online-Befragung eingeladen. Dabei könne eruiert werden, ob die Wetterprognosen für das Gebiet tatsächlich eingetroffen seien und wie der Gast das Wetter subjektiv empfunden habe. (bee/sda)

Erstellt: 11.01.2017, 17:49 Uhr

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