Bläst die CS ihre Börsenpläne ab?

Kenner raten der Grossbank, das Vorhaben mit ihrer Schweiz-Tochter aufzugeben.

Überraschte 2015 mit seinen Plänen: Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam. Foto: Denis Balibouse (Reuters)

Überraschte 2015 mit seinen Plänen: Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam. Foto: Denis Balibouse (Reuters)

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Im Oktober 2015 stellte der neu angetretene Chef Tidjane Thiam die Pläne für seine Credit Suisse vor. Die Grossbank sollte weniger Leute beschäftigen, mehr Geld einbringen und dafür weniger Kapital benötigen. So weit, so vorhersehbar. Mit einem Vorhaben überraschte Thiam damals jedoch: Ein Teil der Schweizer CS-Einheit soll an die Börse gebracht werden. So würde für Investoren besser erkennbar sein, in welch guter Verfassung sich das Schweizer Geschäft der Grossbank befände. Zudem könne das Institut auf elegante Art und Weise frisches Kapital aufnehmen.

Der Wert der Schweizer Bank wird auf 15 bis 20 Milliarden Franken geschätzt. Der Gesamtkonzern hat derzeit eine Börsenkapitalisierung von rund 30 Milliarden Franken. Sollten wie geplant 20 bis 30 Prozent der Schweizer Tochter verkauft werden, würde das also 3 bis 6 Milliarden Franken einbringen. Seit Monaten laufen bereits die Vorarbeiten. Ende 2017 soll es so weit sein, dann soll die Aktie der CS Schweiz zum ersten Mal gehandelt werden.

Wie attraktiv wäre die Aktie?

Doch mehren sich jüngst die Zweifel, ob der Börsengang der Schweizer Tochter wirklich stattfindet. Dafür gibt es gute Gründe. Der Teilverkauf sei von Beginn an eine überstürzte Idee gewesen, so ein Kenner der Bank. Der Aufwand sei zu hoch und nur zu rechtfertigen, wenn die Schweizer Einheit einmal ganz abgestossen werde. Hochrangige Informatikmanager auf dem Platz Zürich fragen sich, wie die Technologie in einem so komplexen Konstrukt weiterentwickelt werden könne. Andere Branchenkenner bemängeln, dass die CS in der Schweiz kein deutliches Wachstum mehr erzielen könne. Für die Investoren wären ­daher die Aktien der CS Schweiz nicht attraktiv genug.

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Soll die CS ihre Börsenpläne mit der Schweiz-Tochter aufgeben?




Es könnte noch einen weiteren Grund geben, weshalb die Bank auf den Börsengang verzichtet: Die CS ist nicht mehr so dringend auf zusätzliches Kapital angewiesen wie 2015. Sie kann sich den Verkauf des Schweizer Tafelsilbers daher sparen. Die Kritik am Börsengang dürfte ihr daher gerade recht kommen.

Tiefere Strafe in den USA

Die neue Ausgangslage hat mit der höchsten Strafe zu tun, die jemals ein Schweizer Unternehmen kassierte. Kurz vor Weihnachten einigte sich die CS mit den US-Behörden wegen ihrer Verfehlungen im US-Hypothekenmarkt. Das kostet die Bank insgesamt mehr als 5 Milliarden Dollar. So hoch die Summe auch ist, so ist sie doch tiefer als befürchtet. Das bedeutet auch, dass die Kapitaldecke der Bank weniger stark strapaziert wurde. Der Druck auf die Bank,­ ­frisches Kapital aufzunehmen, wird dadurch kleiner.

Für den wichtigen CS-Investor David Herro ist der Teilverkauf daher schlicht unnötig. Von UBS-Analysten werden bereits Alternativen durchgerechnet, wie die Bank ihre Kapitalbasis stärken kann, ohne dass sie ihr Schweizer Tafelsilber verkauft. Die einfachste Lösung wäre es, wenn der Konzern neue Aktien ausgeben würde und sich so neues Kapital beschaffen könnte.

Es gab ursprünglich noch ein weiteres Argument für den Börsengang. Mit den Einnahmen sollte nicht nur Kapital beschafft werden, er sollte auch Mittel liefern, um auf dem Schweizer Bankenplatz kleinere Konkurrenten aufzukaufen.

Absage ein positives Signal

Nun aber hat sich die Situation verändert. Die Konsolidierungswelle in der Finanzbranche ebbt ab. Hiesige Banken heuern derzeit eher Kundenberater samt ihrer Klientel an. Eine ganze Bank zu übernehmen, lohnt sich aber kaum.

In wenigen Tagen wird die CS ihr ­Jahresergebnis vorlegen. Dann besteht die nächste Gelegenheit für CS-Chef Thiam, über seine Pläne mit der Schweizer Tochter Auskunft zu geben. Am ­Investorentag Anfang Dezember in London sprach er sich noch für den Verkauf aus.

Sollte es aber tatsächlich dazu kommen, dass die CS den Börsengang der Schweizer Tochter abbläst, wäre das kein Rückschlag für die Spitze der Bank. Vielmehr wäre es ein Zeichen dafür, dass sie in den vergangenen Monaten Fortschritte erzielt hat.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.02.2017, 23:14 Uhr

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