CS-Chef Thiam läuft die Zeit davon

Bereits nach wenigen Monaten muss der Grossbank-CEO seine Strategieumsetzung beschleunigen und verschärfen. Das Problem sind Positionen im globalen Handel, die neue Verluste verursachen.

Tidjane Thiam muss das Messer tiefer ansetzen als nach der ersten Analyse angekündigt.

Tidjane Thiam muss das Messer tiefer ansetzen als nach der ersten Analyse angekündigt. Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Nach nur 5 Monaten muss Credit-Suisse-CEO Tidjane Thiam im Investmentbanking – konkret im weltweiten Handelsgeschäft Global Markets – das Messer viel tiefer ansetzen, als er dies nach einer ersten Analyse letzten Herbst noch geplant hatte.

Heute gab Thiam an einer ausserterminlichen Präsentation bekannt, dass der Schritt zu Verkäufen von «mehr als einer Milliarde Franken» im laufenden Jahr führe. Mit dem beschleunigten Herunterfahren des CS-Handelsgeschäfts gehen deutlich mehr Jobs verloren. Thiam will nun statt wie ursprünglich gut 3000 und später 4000 Stellen neu 6000 Arbeitsplätze abbauen. Diese Jobverluste betreffen die Finanzplätze London und New York.

Kostenabbau ausgeweitet

Für Thiam läuft die jetzige Übung unter dem Namen Accelerating the Restructuring, also den bereits zuvor bekannt gegebenen Umbau rascher umsetzen. Das klingt gut, doch es ist auch ein Eingeständnis, dass der CS-Chef die Lage im letzten Herbst bei der Vorstellung des ersten Plans ziemlich falsch eingeschätzt hatte.

Thiam führte zwar schon damals aus, dass die CS in den nächsten 3 Jahren ihre Kosten spürbar senken müsse. Doch dieser Kostenabbau wird nun nochmals spürbar ausgeweitet. Neu lautet das Ziel, dass die CS von 21 Milliarden Franken Gesamtausgaben im letzten Jahr auf unter 18 Milliarden Franken im Jahr 2018 gelangt. Gut ein Siebtel oder rund 15 Prozent weniger Aufwände heisst das. Ausgehend von dieser «deutlich tieferen Kostenbasis», wie es Thiam bei seinen Ausführungen heute Vormittag nannte, sollten dann nachhaltig stabile Gewinne möglich sein.

Ziel ist eine stabilere Einheit

Die Investoren reagierten zunächst positiv. Die CS-Aktie gewann bei Handelsbeginn an der Börse an Wert, während die Titel von Konkurrentin UBS etwas nachgaben. Das überrascht nicht. Die CS bewegt sich immer stärker in Richtung UBS und stellt gleich wie die Nummer 1 des Finanzplatzes ihre Vermögensverwaltung ins Zentrum des weltweiten Geschäfts.

Die Investmentbank, die Thiam in zwei Bereiche aufgeteilt hat, wird in diesem Set-up zu einer Zulieferin des Geschäfts mit den reichen Privatkunden. Tim O'Hara, der Leiter von Global Markets, wo die CS ihr aus heutiger Optik überdimensioniertes Zinsgeschäft zusammengefasst hat, sprach an der Telefonkonferenz davon, dass die «Risikopositionen nicht dem Risikoappetit angepasst» seien, der heute gelte. Ergo müssten die Positionen verkleinert werden. Ziel sei eine «kleinere und stabilere» Einheit. Zu diesem Zweck würde die CS aus gewissen Geschäften und Märkten aussteigen und so die «Komplexität der Plattform» reduzieren, wie der Investmentbanker meinte.

UBS hat bereits vor 3 Jahren gehandelt

Die CS und ihr CEO Thiam haben somit mit Verspätung jenen Weg eingeschlagen, den die Analysten schon lange forderten – nämlich einen starken Rückbau der als riskant geltenden und durch regulatorische Vorgaben kapitalintensiven Investmentbank. Die Bank folgt damit der UBS, allerdings hat diese ihre «Akzelerierung» der Strategie bereits vor dreieinhalb Jahren beschlossen. Entsprechend besitzt die UBS einen Vorsprung auf die CS, was das Fittrimmen des Unternehmens für die Zukunft im globalen Banking betrifft – eine Zukunft, die geprägt ist von volatilen Märkten, mehr Kapitalbedarf, dem Risikoabbau und der Beschränkung auf das, was man am besten kann.

Bei der CS soll dies die Vermögensverwaltung sein. Das würde vielen Anlegern aus dem Herzen sprechen. Nur stellt sich die Frage, ob die CS überhaupt noch die kritische Grösse dafür hat. Prima vista lautet die Antwort: Selbstverständlich hat sie diese. Der Finanzmulti ist mit rund 1000 Milliarden Franken verwalteten Kundenvermögen weiterhin eine stolze, weltweit operierende Privatbank, und auch zu Beginn des Jahres flossen ihr Milliarden an Neugeldern zu.

Credit Suisse hinkt hinterher

Doch im Vergleich zur weltweit führenden UBS steht die CS schlechter da. Und aus Schweizer Finanzkreisen ist zu hören, dass die CS Kunden derzeit damit zu gewinnen versucht, indem sie ihnen attraktive Kredite anbietet, um deren Gesamtvolumen zum Investieren zu vergrössern. Die UBS marschiert in die umgekehrte Richtung. Sie trennt sich von Kunden im Umfang von zweistelligen Milliardenvolumen, deren Vermögen zu wenig rentieren.

Noch kritischer ist die Frage der Grösse im Investmentbanking, also in jenem Geschäft, das in der alten CS unter Führung des Amerikaners Brady Dougan im Zentrum gestanden war. Mit dem nun verkündeten verschärften Abbau könnte der Bereich Global Markets, wo die CS grosse eigene Handelspositionen betreut, zu klein werden, um die hohen Kosten, die mit diesem anspruchsvollen Business verknüpft sind, zu finanzieren. Die Fixkosten lassen sich nicht unendlich reduzieren, während der forcierte Ausstieg aus gewissen Märkten und Geschäften die Einnahmen schwächt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.03.2016, 13:54 Uhr

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