Carlsberg will das Patent auf Gerste

Der Bierbrauer möchte eine neue Pflanzensorte patentieren lassen. Mehrere NGOs aus ganz Europa laufen dagegen Sturm.

Carlsberg forscht seit 130 Jahren an der Bierherstellung: Abfüllanlage der Brauerei Feldschlösschen in Rheinfelden.

Carlsberg forscht seit 130 Jahren an der Bierherstellung: Abfüllanlage der Brauerei Feldschlösschen in Rheinfelden. Bild: Gaetan Bally

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Die Überschrift klingt kryptisch: «Gerste mit reduzierter Lipogenase-Aktivität und ein damit hergestelltes Getränk». Beim Getränk handelt es sich um Bier. Und die komplizierte Bezeichnung beschreibt eine Pflanze, die Carlsberg beim Europäischen Patentamt angemeldet hat. Zusammen mit einer weiteren Gerste und einem energiesparenden Brauverfahren.

Gegen diese Patente laufen nun NGOs aus verschiedenen europäischen Ländern Sturm. In einem Brief fordern sie Carlsberg-Chef Cees ’t Hart auf, die Patente fallen zu lassen. Aus der Schweiz beteiligen sich Public Eye, Pro Specie Rara und Swissaid am Protest.

«Jahrhundertealte Tradition»

Der Vorwurf der NGOs: Die Züchtung von Gerste und das Brauen von Bier seien keine Innovationen, sondern jahrhundertealte Traditionen. Deshalb könne weder Bier noch die dafür notwendige Gerste patentiert werden. «Patente auf Lebensmittel sind für Konsumenten, Bauern und Züchter schädlich», steht im Schreiben. Die Patente seien zudem ein «grober Verstoss» gegen die europäischen Gesetze, die Patente auf Pflanzensorten aus konventioneller Züchtung verbieten.

In einer Stellungnahme sagt Carlsberg, dass es sich bei den patentierten Gerstenpflanzen nicht um genveränderten Pflanzen handle, und verteidigt das eigene Vorgehen. Die Hauptaufgabe des hauseigenen Labors mit über 130-jähriger Tradition sei es, wissenschaftliche Grundlagen für den Herstellungsprozess zu entwickeln. Dabei gehe es auch darum, die Bierherstellung nachhaltiger und energiesparender zu machen. Carlsberg hat den Ehrgeiz, weltweit die Brauerei mit dem kleinsten Wasser- und Energieverbrauch pro Liter produziertes Bier zu sein.»

Patente auf Obst und Gemüse werden seit Jahren kontrovers debattiert. Grosse Saatgutkonzerne wie Monsanto oder Syngenta gerieten mit Peperoni, Broccoli und Tomaten in die Schlagzeilen, weil sie besondere Eigenschaften des Gemüses, etwa die Resistenz gegen Schädlinge, auf diesem Weg schützen und kommerzialisieren wollen.

Pflanzen und Tiere nicht patentierbar

Eine ablehnende Haltung gegenüber Patenten auf Pflanzen und konventionelle Züchtungsverfahren nimmt auch der Schweizer Bauernverband ein: «Weil Patente Züchtern den freien Zugang zu Pflanzenmaterial für die züchterische Weiterverwendung erschweren und einengen können», sagt David Brugger, Leiter Pflanzenbau.

Das Europäische Patentamt (EPA) ist bis jetzt durch eine lockere, aber auch widersprüchliche Handhabung aufgefallen. So hat das EPA im Frühling 2015 Syngenta Patente auf Broccoli und Tomaten zugesprochen, obwohl diese konventionell gezüchtet wurden und eigentlich nicht patentiert werden könnten. Anfang dieses Jahres widerrief das EPA hingegen das Patent für eine virusresistente Melone von Monsanto, die ohne Genmanipulation gezüchtet worden war.

Anfang November hat sich die EU-Kommission eingeschaltet und in einer Mitteilung bekräftigt, dass durch biologische Verfahren gewonnene Pflanzen und Tiere nicht patentierbar sein sollten. Bei den NGOs hofft man nun, dass der Druck auf das Patentamt wirkt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.11.2016, 10:39 Uhr

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