Charles Vögele und Valora kehren Migros und Coop den Rücken

Die Interessengemeinschaft Detailhandel muss mit weniger Mitgliedern auskommen. Kioskkonzern Valora und Textilhändler Vögele treten aus.

Charles Vögele verlässt zusammen mit Valora die Lobbygruppe Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz.

Charles Vögele verlässt zusammen mit Valora die Lobbygruppe Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz. Bild: Keystone

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Zu sechst sind sie angetreten, um in einer Interessengemeinschaft (IG) die Anliegen des Schweizer Detailhandels (DHS) gemeinsam besser zu vertreten. Jetzt bröckelt die gemeinsame Schlagkraft. Die beiden Gründungsmitglieder Valora und Charles Vögele verabschieden sich aus der Lobbygruppe IG DHS, und zwar schon per Anfang April. Jetzt verbleiben noch Coop, Denner, Manor und Migros in der Organisation.

Diskutiert wurde der Austritt schon seit längerem, entschieden wurde er erst letzte Woche. IG-DHS-Sprecher Patrick Marty bestätigt den Abgang der beiden Unternehmen. «Die IG DHS ging mit der Absicht an den Start, die Handelshemmnisse abzubauen, heute ist unserer Tätigkeit viel breiter», sagt er. Die Themen seien vor allem auf den grossflächigen Lebensmitteldetailhandel ausgerichtet. «Diese sind für Charles Vögele und Valora von untergeordnetem Interesse», sagt Marty. So würden Themen wie Littering, Lebensmittelsicherheit und Jugendschutz nicht im Fokus von Charles Vögele liegen, wie Sprecherin Nicole Borel konkretisiert. «Wir sind aber weiterhin in der Swiss Retail Federation aktiv.»

Die Ziele der IG

Die Interessengemeinschaft ist vor neun Jahren mit dem Ziel angetreten, die Politiker endlich dazu zu bringen, die Handelshemmnisse abzubauen. Konkret wollten sie die Zulassung von Parallelimporten, den Agrarfreihandel mit der EU und die Einführung des Cassis-de-Dijon-Prinzips erreichen, wie es bei der Gründung hiess. Die Erfolgsbilanz bis heute sieht eher mager aus. Der Agrarfreihandel ist in weiter Ferne und Cassis de Dijon steht wieder auf der Kippe. Marty sagt dazu, dass sich die IG inzwischen nicht mehr um das Agrardossier kümmere. Dieses sei an die IG Agrarstandort Schweiz überführt worden. Zudem gehöre nicht nur der Abbau von Handelshemmnisse zum Arbeitsspektrum der IG DHS, sondern auch detailhandels- und konsumentenfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen.

Fragt sich trotzdem, ob es die IG DHS in dieser Form überhaupt noch braucht? Die bleibenden Mitglieder verweisen zur Beantwortung der Frage auf den IG-DHS-Sprecher. Marty sagt: «Das Gebilde IG DHS ist durch die Austritte nicht gefährdet.» Fakt ist aber, dass sich Migros und Coop, welche die IG dominieren, bei politischen Handelsfragen längst nicht immer einig sind. In der Diskussion über die Revision des Kartellgesetzes beispielsweise findet Coop, dass das geltende Kartellgesetz reicht, die Migros hingegen sympathisiert mit einer parlamentarischen Initiative gegen überhöhte Importpreise. Marty meint dazu: «Dass die Migros innerhalb der IG DHS eine andere Auffassung zur Kartellrechtsrevision hat, ist ein Zeichen der guten Diskussionskultur.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.03.2015, 14:33 Uhr

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