Das Schweizer Facebook für Vermögende will an die Börse

Das Onlinenetzwerk A Small World des Schweizer Investors Patrick Liotard-Vogt hat es auf reiche Globetrotter abgesehen.

Er will sein Netzwerk versilbern: Investor Patrick Liotard-Vogt, hier beim Zurich Film Festival 2010. Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

Er will sein Netzwerk versilbern: Investor Patrick Liotard-Vogt, hier beim Zurich Film Festival 2010. Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

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Er gilt als schillernder Partylöwe, aber ob seine Firmen erfolgreich sind, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Die «LA Times» lobte den 33-jährigen Internetinvestor Patrick Liotard-Vogt einst als «Swiss Mogul». Das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» bezeichnete ihn kritischer als «Mister Exit». Nun soll eines seiner wichtigsten Investments an die Börse: A Small World ist ein soziales Netzwerk für Besserverdienende.

Liotard-Vogt ist der Enkel des einstigen Nestlé-Chefs Pierre Liotard-Vogt. Die «Bilanz» schrieb, dass er im Alter von 17 Jahren mit einem Startkapital von 40'000 Franken den Grundstein für seine Investments legte. Später sollen Nestlé-Aktien im Wert von rund 10 Millionen Franken dazugekommen sein. Damit investierte er in mehrere Jung­firmen. Lohnenswert sollen die Beteiligungen an den Portalen Students.ch und Usgang.ch gewesen sein. Diese verkaufte er vor bald zehn Jahren an Axel Springer Schweiz.

Geschäfte mit Harvey Weinstein

Das nächste Abenteuer lockte. Wenig später stieg Liotard-Vogt beim sozialen Netzwerk A Small World ein. Für einen mehrstelligen Millionenbetrag, wie es damals hiess. Verkäufer war niemand Geringerer als der Hollywoodproduzent Harvey Weinstein.

Damals schon gab es Gerüchte, dass es der Filmfirma von Weinstein nicht lief und er deshalb das Start-up verkaufen wollte. Letzten Herbst wurde Weinstein aus der eigenen Firma entlassen. Mehrere Frauen warfen ihm sexuelle Übergriffe vor. Die Behörden ermitteln, seine Filmfirma hat Insolvenz angemeldet.

A Small World wurde seit dem Verkauf neu aufgestellt. Einst wollte sich das Netzwerk vor allem über Werbung finanzieren – so wie das Facebook erfolgreich tut. Heute verlangt A Small World jedoch eine Jahresgebühr von 100 Franken. Viele Mitglieder haben zwar den Schritt ins Bezahlmodell nicht mitgemacht, laut eigenen Angaben zählt A Small World heute doch 28 000 Nutzer. Wer Mitglied werden will, muss eine Einladung haben oder einen Antrag stellen. Ob das Unternehmen derzeit einen Gewinn erzielt oder Verluste schreibt, legt die Firma nicht offen.

Bekannt ist, dass das soziale Netzwerk knapp 40 Mitarbeiter beschäftigt, den Grossteil in Zürich. Hinzu kommen Botschafter in grossen Städten, wo sie Events für die Mitglieder organisieren.

A-Small-World-Kunden haben Zugang zur Onlineplattform und können von Vergünstigungen bei Partnerfirmen oder VIP-Services in Hotels profitieren. Zudem können sie Events wie Luxus­ferien oder Safaris buchen. Ebenfalls angeboten wird eine Mitgliedschaft in einem weltweiten Netzwerk von Nachtclubs – zum Preis von 2400 Franken.

Der Start von A Small World verlief nicht ohne Rückschläge. Unter anderem wurde Liotard-Vogt von einem Mitinvestor betrieben. Die Sache sei erledigt, heisst es aus dem Umfeld des Unternehmens. Von dem Börsengang erhofft sich A Small World eine grössere Bekanntheit, es werde aber kein frisches Geld aufgenommen. Zudem soll die Kontrolle nicht verloren gehen. Denn die Mehrheitsaktionäre wollen bis mindestens 2020 die Mehrheit am Netzwerk halten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.02.2018, 23:02 Uhr

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