Das Wundermetall, das niemand kennt

Während alle aufs Gold schauen, schiesst der Preis für Palladium durch die Decke. Doch wie lange hält der Höhenflug noch an?

Made in Russia: Die Lieferungen des Metalls erfolgen zu fast gleichen Teilen aus Russland und Südafrika.

Made in Russia: Die Lieferungen des Metalls erfolgen zu fast gleichen Teilen aus Russland und Südafrika. Bild: Ilya Naymushin/Reuters

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Es war ein kurioser Auftritt. Dank des ultraleichten Palladiums könne sie jetzt endlich riesige Ohrringe tragen, schwärmte die amerikanische Sängerin Kelly Osbourne an einer Modenschau in Las Vegas. Ohrringe aus schwereren Metallen zögen immer so an ihren Ohrläppchen. Als Teil einer Werbekampagne sollte Osbourne Schmuckliebhabern die Vorzüge von Palladium aufzeigen. Denn bei ihnen führt das Edelmetall neben Gold, Silber oder Platin ein Schattendasein. Auch Anleger lassen Palladium meist links liegen. Doch innerhalb der vergangenen zwölf Monate legte das Edelmetall um mehr als 50 Prozent zu. Was Anleger jetzt wissen müssen:

Wofür braucht man es?
Ohne Palladium würde in unseren Städten ziemlich dicke Luft herrschen. Rund 80 Prozent der weltweiten Nachfrage kommen von Autoherstellern, die das Edelmetall zur Abgasreinigung einsetzen. Wohlgemerkt: nur bei Benzinern. Die Lieferungen des Metalls erfolgen zu fast gleichen Teilen aus Russland und Südafrika, wo es als Nebenprodukt von Nickel oder Platin anfällt. Kelly Osbournes Ohrringe spielen für das Edelmetall übrigens keine grosse Rolle: «Kaum zwei Prozent der jährlichen Palladiumnachfrage stammen von Schmuckherstellern», sagt Analyst Carsten Fritsch von der Commerzbank.

Warum ist der Preis so gestiegen?
Auslöser des Palladiumrally war eine sechsseitige Notiz der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA. Am 18. September 2015 bezichtigte die Behörde den Volkswagen-Konzern, Abgastests bei Dieselautos manipuliert zu haben. Seitdem kaufen immer weniger Menschen in Europa Dieselautos – nur bei der Abgasreinigung von Benzinern findet Palladium grossflächigen Einsatz. Ausserdem haben sich die Fahrzeugabsätze auf dem weltweit grössten Automarkt China seit Jahresbeginn um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erhöht.

Ist das eine Blase?
Experten erwarten, dass der Preis stabil bleibt. Grundsätzlich sind dem Preisanstieg des Palladiums aber Grenzen gesetzt. Denn neben Palladium können Autobauer auch Platin zur Abgasreinigung einsetzen. Traditionell war Platin zwar immer teurer als Palladium, doch Ende September kehrte sich das Verhältnis erstmals seit 2001 um. Sollte Platin langfristig billiger bleiben, dürften sich die Automobilkonzerne überlegen, ob sie nicht umsteigen – was den Palladiumpreis in die Tiefe schicken würde.

Welche anderen Metalle laufen auch besonders gut?
Vor allem Zink und Kupfer verzeichnen stark steigende Notierungen: Kupfer kletterte innerhalb der vergangenen zwölf Monate um etwa 40 Prozent, Zink um rund 30 Prozent. Die Metalle profitieren von der Konjunktur. Geht es der Weltwirtschaft gut, steigen meist auch ihre Preise. Denn ohne Kupfer geht in der Welt nichts, es steckt in Handys, Kabeln und Computerchips. Zink wird vor allem als Korrosionsschutz für Baustahl verwendet – und gerade in China läuft wegen der massiven Kreditvergabe die Baubranche auf Hochtouren.

Wie sollen sich Anleger nun verhalten?
Kupfer kaufen und unters Kopfkissen legen könnte schwierig werden: Industriemetalle werden üblicherweise in Tonnen gehandelt. Palladium lässt sich zwar in Barrenform kaufen, dennoch ist es für Anleger nicht die ideale Investition. Theoretisch können sie Finanzinstrumente kaufen, die die Preisentwicklung eines Metalls nachbilden, sogenannte Exchange Traded Commodities (ETC). Doch wer sich diese Finanzinstrumente genau ansieht, merkt schnell: Nicht immer spiegeln die ETC-Anbieter den Preis punktgenau. Daher eignen sich die Instrumente nur für erfahrene und risikotolerante Investoren. Kleinanleger sollten nicht auf einen einzelnen Rohstoff setzen, sondern lieber bis zu 10 Prozent ihres Anlagevermögens in einen breiten Rohstoffindex investieren. Das hilft, das Risiko im eigenen Depot zu streuen und sich nicht nur von Aktien oder Anleihen abhängig zu machen.

Erstellt: 01.11.2017, 21:08 Uhr

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