Der Alpenblick, den keiner will

Eine Rekordzahl an Wohnungen steht leer: Zum Beispiel in einer Geistersiedlung in einem Vorort von Zürich.

Noch immer fast zur Hälfte leer: Sunshine Scenery. Foto: Dominique Meienberg

Noch immer fast zur Hälfte leer: Sunshine Scenery. Foto: Dominique Meienberg

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Am Dorfrand von Uitikon bei Zürich drängen sich elf luxuriöse Neubauten. Flachdächer, Sichtbeton, grosse Fenster, Alpenblick. Sunshine Scenery heisst die Siedlung, aber die Rollläden sind nicht wegen der Sonne unten: In 30 der 76 Wohnungen wohnt zwei Jahre nach Verkaufsstart noch immer niemand.

Das Limmattal ist landesweit eine jener Regionen, wo die Anzahl Neubauten am schnellsten steigt. Obwohl für Zürcher Verhältnisse schon jetzt viele leer stehen. Die Gemeinde Uitikon sticht heraus mit einer Leerwohnungsquote von fast 5 Prozent, die zweithöchste im Kanton. Dies, obwohl der Wohnort beliebt ist bei Leuten aus der Finanzbranche. Dank tiefen Steuern, Südhang, und nur 20 Minuten Wegzeit zum Paradeplatz.

Viel gebaut und viel zu teuer

Jene Alteingesessenen, die ihren Kaffee noch im Dorf trinken, überraschen die Leerstände nicht. In Uitikon werde viel gebaut – und viel zu teuer. Vor allem Eigentumswohnungen, die sich kaum einer leisten könne: bis zu zweieinhalb Millionen Franken für 5½ Zimmer.

Aufs Dorfleben habe diese Entwicklung zwar wenig Einfluss, aber ein solches gebe es ohnehin kaum mehr. Es sei verrückt, wie sich die Geschichte wiederhole: Schon vor vierzig Jahren hat sich im Ort ein Investor verspekuliert und hinterliess eine Bauruine. Dann brachte eine Versicherung ihre Häuser jahrelange nicht voll. Jetzt drückt die Sunshine Scenery die Leerstandquote hoch. Schon als diese Parzelle die Hand wechselte, gab es Bedenken. Das halbe Dorf wusste vom Rekordpreis, der im heissgelaufenen Bieterverfahren bezahlt worden war: 4000 Franken pro Quadratmeter, 50 Millionen für eine Wiese.

Rabatte gibt es nicht

«Damals hiess es, in Uitikon werde man fast alles los», sagt Dominique Diacon vom Totalunternehmer HRS, der die Häuser realisiert hat und sie nun vermarktet. Eine Folge der Preistreiberei war, dass man die Parzelle bis ans Limit nutzte: Man baute dicht an die Strasse – zu dicht, wie manche finden. Eine andere Folge ist, dass die Investoren keine Zugeständnisse beim Weiterverkauf machen wollen. Rabatte gibt es nicht.

Das lange Beharren ist laut Experten ungewöhnlich, und es förderte wilde Gerüchte. Die Realität ist: Bauherrin war die Firma Kumaro von HRS-Inhaber Martin Kull und Marcel Séverin, Gründer der Apothekenkette Sun Store, der diese 2009 verkaufte. Die beiden haben ihr Vermögen auch in andere Grossprojekte in Biel und Brunnen SZ investiert.

Ihr Kalkül ist, dass Wohnungen an solchen Toplagen eine attraktive Geldanlage für Private bleiben. Diese Zielgruppe wird laut Diacon schon noch zugreifen; es seien schon Wohnungen weggegangen, die gleich weitervermietet wurden. Bis alle verkauft sind, wäre das Geld der Investoren auf der Bank kaum besser aufgehoben, als wenn es in Beton gegossen in der Landschaft parkiert ist.

Dass es einen Markt gibt, zeigt sich am anderen Dorfrand, wo derzeit ein neues Quartier im urbanen Stil entsteht. Dort sind fast alle Wohnungen schon verkauft. Viel günstiger sind sie nicht.

Grafik in einem neuen Fenster öffnen (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.10.2017, 23:11 Uhr

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