Der Einzahlungsschein erhält ein Facelifting

In seiner aktuellen Form verschwindet der Einzahlungsschein gänzlich. An seine Stelle tritt ein QR-Code.

Seit 40 Jahren wurde der Einzahlungsschein kaum verändert. Foto: Adrian Moser

Seit 40 Jahren wurde der Einzahlungsschein kaum verändert. Foto: Adrian Moser

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Die Zeit des Einzahlungsscheins läuft ab. Vor kurzem wurde zwar seine Gnadenfrist noch einmal verlängert. Ab 2018 sollte er laut Plan der zuständigen Experten in seinem neuen Design erscheinen. Vor wenigen Wochen gab diese Kommission nun aber bekannt, dass sich das Projekt verzögert. Neu soll der neue Einzahlungsschein 2020 im Umlauf sein. Und auch das Design wird noch einmal angepasst. Statt zusätzlich mit einem QR-Code versehen, soll er komplett von einem solchen Datencode abgelöst werden. Das heisst: Der Einzahlungsschein in seiner aktuellen Form verschwindet gänzlich. An seine Stelle tritt ein QR-Code, zu dem eine Beschreibung der Rechnung in Worten und Zahlen gestellt wird, damit man auch versteht, was der «Käfer», wie Fachleute den QR-Code nennen, bedeutet.

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Noch ist nicht klar, wie gross der «Käfer» dann genau sein wird. Die zuständige Expertengruppe arbeitet derzeit an der Ausgestaltung des neuen Einzahlungsscheins. Im März 2017 soll der neue und diesmal definitive Vorschlag vom Verwaltungsrat von SIX Interbank Clearing abgesegnet werden. Das Gemeinschaftsunternehmen des Zahlungsdienstleisters SIX und Postfinance ist für die Einführung des neuen Einzahlungsscheins verantwortlich.

Federführend sind jedoch die Schweizer Banken. Sie stellen das Gros der Experten in den zuständigen Gremien. Entsprechend gut kommt der bisherige Vorschlag in der Finanzindustrie an. Der neue Einzahlungsschein macht den Banken das Leben leichter, heisst es in der Branche. Auch die Bankiervereinigung unterstützt ihn daher. Anders tönt es bei Konsumentenschützern und IT-Unternehmen. Sie bemängeln, dass sie bislang von der zuständigen Expertengruppe nicht angehört wurden.

800 Millionen Stück pro Jahr

Mehr als 40 Jahre lang wurde am Einzahlungsschein kaum etwas verändert. Laut Branchenschätzungen werden jährlich rund 800 Millionen Stück verarbeitet. Das Unternehmen SIX Interbank Clearing ist nun dafür mitverantwortlich, dass der Einzahlungsschein den Weg in die digitale Welt findet. «Die Nachfolgelösung für den Einzahlungsschein muss wieder sehr langlebig ausgelegt sein», so ein Sprecher. Ab 2018 erfolgt im Hintergrund die Umstellung auf ein neues Schweizer Zahlungsformat. Für die ­Banken und die Rechnungssteller ist das ein riesiges Projekt, doch werden die Schweizer davon wenig bemerken. Für sie dürfte die Umstellung erst gegen 2020 spürbar werden. Dann sollen die ersten Rechnungen mit dem neuen Design und dem QR-Code versandt werden. Dieser lässt sich dann mit dem Smartphone erfassen. Wer das nicht will, der kann auch künftig am Postschalter oder bei seiner Bank bezahlen, so der Sprecher.

Kritik vom Konsumentenschutz

Bislang haben sich vor allem die Banken und wichtige Rechnungssteller mit den Anforderungen an den neuen Einzahlungsschein befasst. Weitere Kreise wurden noch nicht angehört, weil derzeit die technischen Grundlagen gelegt würden. Dass sich bisher vor allem Banken mit dem Thema befassten, dafür gibt es aber noch einen weiteren Grund: Die Banken wollen mit dem neuen Einzahlungsschein möglichst rasch vorwärtsmachen, um der möglichen Konkurrenz durch neue Zahlungsdienstleister zuvorzukommen.

Dieses rasche Vorgehen kritisiert Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz. Die Ausgestaltung des neuen Einzahlungsscheins habe einen Einfluss auf den ­Alltag jedes Einzelnen, so Stalder. «Ich habe den Eindruck, dass die Expertengruppe zu weit weg von der Basis und deren Bedürfnissen agiert», sagt Stalder. Sie bezeichnet das Vorgehen daher als einseitig und damit verantwortungslos. Sie fordert, dass der neue Einzahlungsschein für die Konsumenten möglichst einfach zu handhaben sei und auch ohne weitere technische Anschaffungen funktioniere. «Aber auch das Gewerbe muss in kurzer Zeit nach der Umstellung damit klarkommen, ansonsten ist das Zahlungschaos vorprogrammiert», so Stalder. Denn sollte eine Zahlung nicht rechtzeitig ankommen, würde die Schuld wohl dem schwächsten Glied in der Kette zugeschoben – dem Konsumenten. Sie fordert zudem, dass bei einer mit dem Handy erfassten Zahlung, die Information ausschliesslich an die Zahlungsverarbeiter weitergeht. Dies sei bei vielen Apps heute nicht der Fall, und es komme zu einem unkontrollierten Abfluss der Daten an verschiedene weltweit sammelnde Datenbanken.

«Die Expertengruppe agiert zu weit weg von der Basis und deren Bedürfnissen. Konsumentenschützerin Sara Stalder

In der IT-Branche ist es ein offenes Geheimnis, dass die Banken mit dem neuen QR-Code dafür sorgen wollen, dass ein möglichst geringer Teil des Zahlungsverkehrs von Fintechs weggeschnappt wird. Damit sind Jungunternehmen aus der Informatikbranche gemeint, die ins Finanzgeschäft drängen. Kürzlich wurden an einer Veranstaltung IT-Unternehmen über das weitere Vorgehen bei der Einführung des neuen Einzahlungsscheins informiert. Die St. Galler Software Abacus, die Finanzsoftware für Schweizer KMU entwickelt, hätte gerne Einfluss auf die Gestaltung des neuen QR-Codes genommen, so Nicolas Guillet. Er ist bei Aba­cus für das E-Business zuständig. Nun hofft er zumindest, dass das Format des neuen QR-­Codes nicht höher wird als dasjenige des aktuellen Einzahlungsscheins. Guillet sieht beim neuen QR-Code aber viele Vorteile gegenüber dem bisherigen Einzahlungsschein. So erlaube der QR-Code es etwa, Programme zu schreiben, welche eine automatische Erfassung des Kreditors ermöglichen. Das werde dafür sorgen, dass sich Rechnungen künftig schneller erfassen lassen. Ausserdem entfällt die Identifikationsnummer des Zahlungsempfängers (ESR-Teilnehmernummer), um die sich bislang jeder Rechnungssteller mühsam selber kümmern musste. Neu reicht dafür die standardisierte Kontonummer IBAN.

Pierre Arnaud, Direktor beim Informatikunternehmen Crésus aus Yverdon-les-Bains, ist mit der jüngsten Entwicklung nicht zufrieden. «Ich kann mich nicht freuen», so Arnaud. Die Taskforce, die den neuen QR-Code definiert, sei zu weit vom Terrain entfernt. So würden Rechnungsempfänger die einheitliche Unternehmensidentifikationsnummer (UID), Zahlungskonditionen wie Rechnungsdatum und Zahlungsfrist sowie den Mehrwertsteuersatz im QR-Code benötigen. Das würde die Erfassung für sie erleichtern, so Arnaud. Doch davon sei bislang keine Rede.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.12.2016, 23:02 Uhr

Der QR-Code

Aus der Autoindustrie in die Finanzbranche

Das Kürzel «QR» steht für «Quick Response». Entwickelt wurde der QR-Code von einem Zulieferer des japanischen Automobilherstellers Toyota. Die Firma Denso führte den Code 1994 ein, um damit Bauteile zu markieren. Denso-Mann Masahiro Hara gilt als der eigentliche Erfinder des Codes. Es gibt heute verschiedenste Ausprägungen – etwa solche mit verschlüsselten Informationen oder andere mit Firmenlogos im Zentrum der Code-Fläche. Der maximale Informationsgehalt des QR-Codes nach dem ursprünglichen Muster beträgt rund 7000 Zeichen. Die Weiterverwendung des QR-Codes ist gratis. Die Lizenz wurde von Denso offengelegt. Sie lässt sich für kommerzielle Projekte kostenlos nutzen. Denso stellt auch Programme zur Herstellung von QR-Codes zur Verfügung.

Das wohl bekannteste Beispiel für den Einsatz von QR-Codes in der Schweiz sind gekaufte Billette bei den SBB. Im «Tages-­Anzeiger» verknüpfen die Codes Print- und Online-Inhalte. Die Eigenschaften des QR-­Codes macht sich nun auch die Finanzbranche zunutze: Mit dem QR-Code soll der Einzahlungsschein ins digitale Zeitalter überführt werden. Er lässt sich so etwa mit einem Smartphone erfassen. Doch das ist nicht der einzige Treiber hinter der Umstellung. Die Banken müssen neue Vorschriften zur Geldwäschereibekämpfung umsetzen. Teil davon ist, dass sie genau wissen, wer hinter einer Geldüberweisung steckt. Der QR-Code enthält deshalb weit mehr Informationen als bisher. So könnte nicht nur vermerkt werden, wer die Rechnung bezahlt, sondern auch, wer der eigentliche Schuldner ist. Sind die Angaben unvollständig oder fehlerhaft, entscheidet die Bank, ob sie den Auftrag durchwinkt oder blockiert. (jb)

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