Der Technopark Schlieren geht nicht unter – trotz Novartis-Abgang

Die Zürcher Gemeinde bleibt ein wichtiger Standort für Forschung und Entwicklung in der Schweiz.

Hauptsitz von Novartis in Basel: Der Standort Schlieren ZH mit seinen 73 Arbeitsplätzen wird geschlossen.

Hauptsitz von Novartis in Basel: Der Standort Schlieren ZH mit seinen 73 Arbeitsplätzen wird geschlossen. Bild: Arnd Wiegmann/Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie galt lange als eine der erfolgreichsten Biotechfirmen im Raum Zürich. Esbatech startete wie viele Jungfirmen in diesem Bereich als Spin-off der Universität Zürich. Esbatech hat sich auf die Entwicklung von Medikamenten auf Basis von Antikörper-Fragmenten spezialisiert. Hier wiederum hat sich eine Ausrichtung auf Augenleiden ergeben. Dies hat das Interesse der heutigen Novartis-Tochter Alcon geweckt, die das Unternehmen 2009 für 150 Millionen Dollar kaufte.

Nun schliesst Novartis den Standort Schlieren ganz. 73 Arbeitsplätze verschwinden. Das klingt zunächst nach wenig. Aber unter den vorwiegend kleinen Jungunternehmen, die sich auf dem ehemaligen Wagi-Areal in Schlieren befinden, ist Esbatech eine der grösseren Firmen.

Vom Universitätslabor in den Technopark

Die beiden Forscher Dominik Escher und Alcide Barberis begannen zunächst in gemieteten Laborräumen in der Universität Zürich, bis sie später auf das Wagi-Areal in Schlieren umzogen. Das Gelände wurde zu einem Technopark für Biotechfirmen umgewandelt, weil die ETH in den 1980er-Jahren Labors benötigte und sich ein privater Eigentümer fand, der seinerseits das Areal von Schindler, der Besitzerin der damaligen Waggon-Fabrik, abkaufte.

Inzwischen befinden sich knapp 40 Firmen auf dem Areal, die vorwiegend Forschung und Entwicklung betreiben. Der Bio-Technopark, wie die Promotoren das Projekt getauft haben, gilt mittlerweile nach der Region Basel und dem Raum um den Genfersee als wichtigster Biotech-Standort. Der Bio-Technopark gilt als Erfolgsgeschichte und ist stetig gewachsen.

Die Promotoren des Areals bedauern den Weggang der Novartis-Tochter denn auch. «Die Firma gehörte zu den grösseren Arbeitgebern auf dem Areal», sagt Harry Welten, Vorstandsmitglied des Technoparks und Finanzchef der Biotechfirma Kuros, die sich ebenfalls auf dem Areal befindet. Bei grossen Konzernen komme es oft vor, dass bei einem Managementwechsel die Forschungsabteilung neu aufgestellt oder Kosten gespart würden. Trotz der langen Entwicklungszyklen von Medikamenten würden öfters neue Forschungsansätze erprobt und angewandt. Welten sieht den Schritt von Novartis deshalb nicht als aussergewöhnlich an.

Ein Aushängeschild der Zürcher Biotechszene

Esbatech war neben Glycart, einer Tochter von Roche, eines der Aushängeschilder in der Zürcher Biotechszene. Dennoch zeigt sich Welten optimistisch, was das Areal in Schlieren anbelangt. Wiederholt würden junge Talente von der ETH und der Universität Zürich den Schritt in die Selbstständigkeit wagen und neue Firmen gründen, die dann teilweise in Schlieren ihre Zelte aufschlagen. Der Erfolg des Parks zeige sich auch daran, dass gar nicht mehr so viel Platz vorhanden sei, sagt Welten. Seine eigene Firma Kuros suche derzeit nach zusätzlichem Raum für Arbeitsplätze, was gar nicht so einfach sei.

Die Roche-Tochter Glycart ist mittlerweile die grösste Firma auf dem Areal. Der Basler Pharmakonzern kaufte das 30-köpfige Unternehmen für 235 Millionen Franken. Mittlerweile verfügt Roche in Schlieren über 175 Vollzeitstellen. Frühestens Ende nächsten Jahres bezieht das Unternehmen ein neues Gebäude auf dem Areal, das Roche mieten wird. Die Laborausrüstung wird jedoch vom Unternehmen selber finanziert.

Roche-Tochter entwickelt Leukämie-Medikament

Erfolg hat die Glycart-Mannschaft mit der Entwicklung eines neuen Medikaments. Der Wirkstoff wird gegen eine Form von Leukämie und Lymphomen eingesetzt. Dem Mittel kommt auch deshalb eine wichtige Bedeutung zu, weil es das derzeit umsatzstärkste Medikament schrittweise ersetzen soll.

Eine weitere Erfolgsgeschichte ist das Biotechunternehmen Molecular Partners. Seit November 2014 befindet sich die Firma an der Schweizer Börse und wurde schon seit längerem als Vorzeigebeispiel angeführt, nachdem die hiesige Biotechszene eine ganze Reihe von Rückschlägen hinnehmen musste. Mit dem Börsengang beendete die Firma eine fünfjährige Durststrecke, während der sich kein Unternehmen der Branche an die Börse wagte. Molecular Partners – ebenfalls aus der Universität Zürich heraus entstanden – entwickelt mehrere Wirkstoffe gegen eine Form der Altersblindheit und beschäftigt mittlerweile 109 Mitarbeiter.

Angesichts der vielen erfolgreichen Firmen am Standort gehen Beobachter davon aus, dass die Novartis-Angestellten verhältnismässig einfach bei einem anderen Unternehmen unterkommen sollten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.10.2016, 18:59 Uhr

Artikel zum Thema

Forschungs-Standort Zürich verliert Novartis-Filiale

73 Jobs des Pharmariesen fallen in Schlieren weg. Grund: Für Novartis sind andere Forschungsstandorte wichtiger. Mehr...

Die ewige Baustelle

Analyse Nach drei Jahren als Novartis-Präsident hat der Deutsche Joerg Reinhardt noch immer mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie sein Vorgänger Daniel Vasella. Mehr...

Novartis darf zweites Biosimilar in den USA vertreiben

Das Nachahmermedikament Erelzi der Novartis-Tochter Sandoz ist in den USA zugelassen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

Mamablog Der wahre Held meiner Geschichten

Sweet Home 10 festliche Köstlichkeiten

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Haben keine Höhenangst: Zwei Fensterputzer haben sich in Tokyo als Hund und Wildschein verkleidet. Die beiden Tiere sind in Japan die Sternzeichen dieses und des nächsten Jahres. (13. Dezember 2018)
(Bild: Kim Kyung-Hoon) Mehr...