Der Traum vom E-Franken, der für Jordan ein Albtraum ist

Prominente Vertreter des Finanzplatzes setzen sich für eine virtuelle Währung ein. Was für elektronisches Geld spricht – und was dagegen.

Bargeld ist in der Schweiz als Zahlungsmittel nach wie vor beliebt. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Bargeld ist in der Schweiz als Zahlungsmittel nach wie vor beliebt. Foto: Christian Beutler (Keystone)

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Mit Romeo Lacher macht sich erneut ein Vertreter des Schweizer Finanzplatzes für einen elektronischen Franken stark. Gegenüber der britischen Finanzzeitung «Financial Times» zeigte sich der Verwaltungsratspräsident der SIX gestern überzeugt davon, dass eine solche von der Schweizerischen Nationalbank zu begründende rein virtuelle Währung der Schweizer Wirtschaft Schub verleihen würde. Die den Banken gehörende SIX betreibt in der Schweiz einerseits die Börse, andererseits aber auch den Zahlungsverkehr zwischen den Banken.

Die bisherigen elektronischen Geldtransaktionen beruhen auf Einlagen bei Geschäftsbanken. Geschaffen wird dieses Buchgeld durch die Kreditvergabe der Banken. Nur das Bargeld stammt direkt von der Schweizerischen Nationalbank. Elektronisches Notenbankgeld hätte die gleichen Funktionen wie dieses und könnte es nach und nach ersetzen. Darin sieht Lacher auch einen wichtigen Vorteil des elektronischen Frankens. «Ich mag Bargeld nicht», sagte der SIX-Chef zur britischen Zeitung.

Für elektronisches Notenbankgeld hat sich bereits der Verwaltungsratspräsident der Grossbank UBS, Axel Weber, ausgesprochen, ohne sich allerdings direkt auf die SNB zu beziehen. Er begründete seine Forderung mit der Entwicklung der Zahlungsgewohnheiten. Vor allem die jüngere Generation verwende immer weniger Bargeld und zunehmend digitale Zahlungsmethoden.

Eine Alternative zum Vollgeld

Auch in akademischen Kreisen findet die Forderung Unterstützung. Der Basler Ökonomieprofessor Aleksander Berentsen bringt Buchgeld der SNB als Alternative zur Vollgeldinitiative ins Spiel, die er entschieden ablehnt. Elektronisches SNB-Geld würde seiner Ansicht nach ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis befriedigen, böte eine Alternative zum Bargeld, würde die Stabilität des Finanzsystems erhöhen und die Geldpolitik gerechter und transparenter machen.

Es sind zwei Arten von elektronischem Notenbankgeld möglich. Die eine setzt voraus, dass nicht nur die Geschäftsbanken, sondern auch das breite Publikum Konten bei der Nationalbank unterhalten kann – daran denkt auch Aleksander Berentsen bei seinem Vorschlag. Die Einlagen bei der SNB könnten dann genauso für Zahlungen verwendet werden wie jetzt jene bei den Banken. Die zweite Möglichkeit sieht vor, dass die Notenbank eine von Konten unabhängige transferierbare elektronische Kryptowährung wie Bitcoin schafft.

Bei der SNB selbst stösst die Idee von elektronischem Zentralbankgeld auf wenig Gegenliebe. In einem Vortrag hat deren Präsident Thomas Jordan kürzlich eine Reihe von Argumenten vorgebracht, die gegen elektronisches Geld der Notenbank sprechen, das auf Einlagen des Publikums bei der SNB basiert. Vor allem sieht er im Gegensatz zu den Befürwortern dadurch ein Risiko für die Finanzstabilität. Denn die Nationalbank würde damit zu den Geschäftsbanken in direkte Konkurrenz geraten. In einer Krise bestünde deshalb die Gefahr, dass die Leute ihre Gelder von den Bankkonten aus Angst vor einer Bankenpleite abziehen und bei der Nationalbank parkieren. Ein umfassender Rückzug von Kundengeldern würde die Banken dann massiv gefährden.

Schweden auf dem Vormarsch

Der Skepsis der SNB gegenüber elektronischem Notenbankgeld schliessen sich aber nicht alle Notenbanken an. Besonders positiv dieser Idee gegenüber zeigt sich die Reichsbank, die Notenbank von Schweden. Das Institut ist daran, die Einführung einer elektronischen Form der Landeswährung Krone zu prüfen. Eine Entscheidung dazu ist allerdings noch nicht gefallen; auch nicht dazu, ob dieses elektronische Geld auf allgemein zugänglichen Konten bei der Notenbank oder auf einer von ihr zu schaffenden Kryptowährung beruhen soll.

Der wichtigste Grund für das Vorpreschen der Schweden ist die rasch abnehmende Bedeutung von Bargeld im skandinavischen Land. In der Schweiz hingegen ist die Entwicklung gerade umgekehrt. Während in Schweden der durchschnittliche Bargeldumlauf im laufenden Jahrzehnt rasant zurückgeht, nimmt er in der Schweiz stark zu. Verantwortlich dafür ist zum grössten Teil der Gebrauch der 1000er-Note, für die die Schweiz international kritisiert wird, weil diese Note Verbrechern und Terroristen eine Möglichkeit bietet, viel Geld anonym zu lagern und zu verschieben. Doch bei der Nationalbank will man am Bargeld festhalten. Aktuell lanciert sie eine neue Notenreihe, inklusive 1000er-Note. In der Bevölkerung hat man Freude daran. Die meisten dürften Bargeld weiter mögen – anders als SIX-Präsident Romeo Lacher. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.02.2018, 21:23 Uhr

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