Die Folgen eines geplatzten Casino-Traums

Zwei am Zürichsee domizilierte Firmen werden von der Vergangenheit eingeholt. Ein US-Gericht verpflichtet sie zur Rückzahlung von Geldern an eine Investmentbank.

Das Summerlin-Resort, ein Casinokomplex mit Hotel und Sportanlagen, wurde nach diesem Modell in Las Vegas gebaut – doch sein Betrieb blieb ohne Erfolg. Foto: Keystone

Das Summerlin-Resort, ein Casinokomplex mit Hotel und Sportanlagen, wurde nach diesem Modell in Las Vegas gebaut – doch sein Betrieb blieb ohne Erfolg. Foto: Keystone

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Der Gang ins Casino entpuppt sich nur selten als Jackpot. Und wer ein Casino bauen will, kann Jahre später auch noch juristisch in die Bredouille geraten. Zwei Schweizer Firmen müssen das nun schmerzlich erfahren. Kürzlich hat der Nevada District Court ein Urteil gegen die beiden Unternehmen gefällt. Umgerechnet über 30 Millionen Franken forderten Fonds der US-Investmentbank Morgan Stanley von den Unternehmen zurück.

Der Fall datiert lange zurück. Mit Spielautomaten machte die Tivolino Holding bis Mitte der 1990er-Jahre in der Schweiz ein Vermögen. Später – mit dem Verbot der Automaten – schwenkten die Firma und deren Gründer Hans Jecklin auf Casinos um. Nebst der Schweiz hatte das Unternehmen auch das Ausland im Blick: In Las Vegas bauten die Schweizer das Resort at Summerlin, das im Sommer 1990 eröff­nete. Es handelte sich um einen Casinokomplex mit Hotel und Sportanlagen. Das Projekt erwies sich als Flop, rund 100 Millionen wurden in weniger als einem Jahr in den Sand gesetzt.

Casino-Gruppe verkauft

Die US-Pleite Anfang der 2000er-Jahre hatte auch Folgen in der Schweiz. Um die Geschäfte und den Namen Swiss Casinos nicht zu gefährden, verkaufte ­Jecklin die Mehrheit des Schweizer Astes seiner Gruppe dem Stäfner Hans-Ueli Rihs. Später übernahm Rihs die gesamte Beteiligung – deshalb wird in den grossen Spielhallen unter dem Namen Swiss Casinos gezockt. Mit dem US-Rechtsfall haben die heutigen Besitzer von Swiss ­Casinos nichts zu tun.

Die US-Justiz hat sich auf die beiden in Pfäffikon am Zürichsee beheimateten Unternehmen JPC Holding (früher als Tivolino Holding bekannt) und Swiss Leisure Group (frühere Betreiberin der Swiss Casinos), aber auch deren Verwaltungsratspräsident, den in Wollerau wohnhaften Hans Jecklin, eingeschossen.

Firmen sind haftbar

Die Richter im Zivilprozess am Nevada District Court kommen in ihrem Urteil, das dieser Zeitung vorliegt, zum Schluss, dass die beiden Firmen und Hans ­Jecklin selbst für die ausstehenden Millionensummen ihrer früheren Tochterfirma Seven ­Circle Gaming haftbar gemacht werden können. Nicht verantwortlich gemacht werden können weitere Beklagte, darunter auch Jecklins Ehefrau. Eine Verjährung des Falls lehnte das Gericht ab.

Den Schweizern wird das vertragswidrige Verschieben von Kapital vorgeworfen. Unter diesen Zahlungen ist auch ein 10-Millionen-Transfer vermerkt, der direkt auf das Bankkonto von Jecklin ging. Mit einem Teil dieses Geldes soll er sich laut dem Urteil den Bau eines Hauses in der Schweiz ­finanziert haben. ­Jecklins amerikanische Verteidiger gaben an, die Geldübertragung sei ein Privatkredit gewesen, später bezeichneten sie den Transfer als Darlehensrückzahlung von der Swiss Leisure Group an die UBS.

Dieses Argument lassen die US-Richter nicht gelten. Die Begründungen für die Überweisung seien nicht aus einem Missverständnis heraus entstanden, heisst es im Urteil. Vielmehr handle es sich um eine ­bewusste Bemühung, die Transaktion so zu begründen, dass zukünftige finanzielle Verpflichtungen ge­genüber den Gläubigern vermieden wurden. Nebst den eigentlichen Forderungen von mehr als 30 Millionen Franken sollen die Swiss Leisure Group, die JPC Holding und Hans Jecklin auch die Gerichtskosten und die Anwaltskosten tragen.

Viele Anwälte involviert

Die Anwaltskosten dürften hoch ausfallen, denn der Fall ist komplexes Juristenfutter. Allein die Investmentbank Morgan Stanley listet über ein Dutzend Anwälte auf, die sich in den USA mit dem Fall befasst haben.

Fraglich ist, ob das Urteil in der Schweiz überhaupt vollstreckt werden kann. Die Durchsetzung müsste hierzulande bei einem Gericht beantragt werden. «Dieses würde das Urteil wiederum auf seine Fairness und Verträglichkeit mit der Schweizer Rechtsordnung prüfen», sagt Andreas Kellerhals, Experte für internationales Wirtschaftsrecht an der Universität Zürich.

Samuel Baumgartner, ebenfalls Professor an der Universität Zürich, verweist ganz allgemein darauf, dass die Durchsetzbarkeit des Urteils auch deshalb komplex ist, weil sowohl die ­heute beklagten Firmen als auch Hans Jecklin ihren Geschäfts- und Wohnsitz in der Schweiz ­haben. Denn hierzulande würde auch geprüft werden, ob das Gericht in Nevada aus schweizerischer Sicht überhaupt international zuständig war.

Solange das Urteil wie im vorliegenden Fall in den USA nicht rechtskräftig ist, kann es in der Schweiz ohnehin nicht vollstreckt werden. Ob die Anwälte von Morgan Stanley in der Schweiz vorstellig werden, ist ­offen. Sie liessen eine entsprechende Anfrage dieser Zeitung unbeantwortet.

Auch Hans Jecklin und seine Schweizer Anwälte wollten sich zum Urteil des Nevada District Court nicht äussern.

Erstellt: 29.04.2019, 22:02 Uhr

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