Die Schweiz im Rabatt-Fieber

Heute ist Singles’ Day, der erste von drei Rabatttagen in vier Wochen. Doch: Zieht das überhaupt?

Was soll ich mir kaufen heute? Werbeplakat für den Ausverkauf. Foto: Keystone

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Bis zu 40 Prozent Rabatt auf ausgewählte Produkte, 60 Prozent Preisnachlass auf bestimmte Handy-Abos von Billigmarken: Der Schweizer Handel überbietet sich heute in seinen Onlineläden mit Schnäppchen. Es ist Singles' Day, der erste von drei Rabatttagen in den kommenden vier Wochen. Der Black Friday und Cyber Monday folgen noch.

Viele Anbieter haben den Black Friday in den vergangenen Jahren auf eine ganze Rabattwoche ausgedehnt. Aus dem Schwarzen Freitag wurde die Cyber Week, also eine ganze Woche mit immer wieder wechselnden Angeboten. Da fast jeder Händler während dieser Woche spezielle Angebote hat, wird es für die Shops von Jahr zu Jahr aber schwieriger, aus der Fülle an Aktionen herauszustechen. Deswegen setzen die Läden zusehends auf den Singles' Day.

«Die Entwicklung des Singles’ Day in der Schweiz dürfte ähnlich verlaufen wie beim Black Friday: Jedes Jahr machen ungefähr doppelt so viele Händler mit als noch im Vorjahr», sagt Julian Zrotz von blackfridaydeals.ch. Das Start-up aus Luzern hat sich zum Ziel gesetzt, auf seiner Website einen Überblick in den unübersichtlichen Rabattdschungel zu bringen.

Umsatz bei 35 Millionen Franken

Der Umsatz des Schweizer Onlinehandels am heutigen Tag dürfte 35 Millionen Franken betragen. Der Trend zeigt nach oben. Im Vergleich dazu werde der Detailhandel dieses Jahr am Black Friday schätzungsweise 95 Millionen Franken in Schweizer Onlineshops umsetzen, sagt Zrotz.

Doch nehmen die Schweizer Konsumenten die Rabatttage des Detailhandels überhaupt wahr? Eine Umfrage der Vergleichsplattform singlesdayschweiz.ch vom vergangenen August zeigt, dass der Singles’ Day in der Schweiz weniger bekannt ist als der Black Friday. Dazu wurden über 1000 Schweizerinnen und Schweizer gefragt, ob sie schon einmal von diesem Aktionstag gehört haben. Nur rund 17,5 Prozent haben diese Frage mit Ja beantwortet. Den übrigen 82,5 Prozent war der Singles’ Day zum Zeitpunkt der Umfrage noch nicht bekannt.

Deutschschweizer bevorzugen Elektronik

Bei den Ausgaben zeigt sich, dass die Konsumenten kaum bereit sind, viel Geld zu überweisen. 54 Prozent der Befragten wollen weniger als 100 Franken am Singles’ Day ausgeben. 39 Prozent der Leute werden voraussichtlich zwischen 100 und 300 Franken aufwerfen. Nur 7 Prozent können sich vorstellen, über 300 Franken hinzublättern.

Ganz oben auf der Einkaufsliste stehen in der Deutschschweiz Elektronikartikel, gefolgt von Kleidung und Schuhen sowie Haushaltsgeräten. In der Romandie sind dagegen allen voran Kleidung und Schuhe gefragt, wie eine aktuelle Umfrage der Strategieberatung Oliver Wyman zeigt.


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Kenner des Detailhandels kritisieren die Rabattschlacht. «Mit zu hohen Rabatten kannibalisiert der Detailhandel sein Tagesgeschäft und verliert margenstarke Umsätze», sagt Nordal Cavadini, Handelsexperte der Schweizer Ländergesellschaft von Oliver Wyman.

Laut Marco Fuhrer von der Zuger Beratungsfirma Fuhrer & Hotz steigt der Umsatz mit Einkaufsaktionen zwar kurzfristig, doch die Profitabilität sinke auf lange Sicht. Der Grund: Die Händler erziehen die Konsumenten zu Schnäppchenjägern. Letztere ändern ihr Verhalten. Sie warten bis zum nächsten Rabatttag, um dann zu hamstern und auf Vorrat zu kaufen.

Alibaba macht 12,9 Milliarden in der ersten Stunde

Der Singles’ Day stammt im Gegensatz zum Black Friday und Cyber Monday nicht aus den USA, sondern ausgerechnet aus dem kommunistischen China. Dort wurde der Tag der Junggesellen an der Nanjing-Universität ins Leben gerufen und verbreitete sich schnell im Land.

Ursprünglich wollten vier junge Chinesen am 11. November 1993 ihr Single-Dasein feiern und führten eine Art Anti-Valentinstag durch. Das sprach sich nicht nur auf dem Nanjing-Campus herum, sondern in ganz China. Der Singles’ Day wurde in den nächsten Jahren zu einer wichtigen Tradition. Alleinstehende aus dem ganzen Land nutzen den Tag für Kennenlernpartys.

Alibaba-Gründer Jack Ma sprang im Jahr 2009 auf diesen Trend auf und lancierte den Singles-Day-Ausverkauf. Seine Idee war es, dass Singles für sich selbst Geschenke kaufen sollen. Inzwischen beschert der Tag dem grössten Internethändler Chinas und Amazon-Rivalen Milliardenumsätze in nur kurzer Zeit.

In der ersten Stunde des diesjährigen Singles’ Day setzte Alibaba umgerechnet 12,9 Milliarden Franken um. Die Summe lag 22 Prozent höher als vor Jahresfrist.

Erstellt: 11.11.2019, 11:41 Uhr

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