«Die Triebwerk-Meldungen sind beunruhigend»

Was hat es mit den Pannen der Swiss auf sich? Und was kosten nun die Flugannullationen? Dazu Aviatik-Experte Hansjörg Bürgi.

Sorgt für Probleme: Das Triebwerk der A220-Flugzeuge.

Sorgt für Probleme: Das Triebwerk der A220-Flugzeuge. Bild: Keystone

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Herr Bürgi, drei Zwischenfälle mit dem Triebwerk innert weniger Monate: Ist der Flüsterjet ein Pannenjet?
Die Swiss hat zweifellos ein Problem. Sie ist der erste und grösste Betreiber des Flugzeugs und muss das Problem schnell lösen. Ein Problem hat auch der Triebwerkhersteller Pratt & Whitney. Bei einem Zwischenfall am 25. Juli sind auch Teile eines Triebwerks weggeflogen, die Folge war eine Notlandung in Paris. Solche Meldungen sind beunruhigend. Dass es zu Zwischenfällen kommt, ist bei einem von Grund auf neu entwickelten Flugzeug aber nicht überraschend.

Ist man bei der Entwicklung des Triebwerks zu sehr auf Effizienz gegangen?
Man versucht schon, bezüglich Effizienz an die Grenze zu gehen. Das neue Flugzeug ist sehr sparsam und sehr leise. Dafür ist es offenbar noch nicht sehr zuverlässig.

Was kosten die Flugannullationen die Swiss?
Das ist schwer zu sagen, da die Airlines ihre Erlöse nach Strecken niemals öffentlich machen. Es kommt auch darauf an, wie viele Reserveflugzeuge zur Verfügung stehen. Nach den Herbstferien dürfte sich die Situation entspannen, zudem wird die Swiss Regress auf den Hersteller der Triebwerke nehmen. Das ist in der Regel vertraglich geregelt.

Ist das Management ein zu grosses Risiko eingegangen, indem es als erste Airline weltweit ein komplett neues Flugzeug in Betrieb gestellt hat?
Das Management ist das Risiko bewusst eingegangen. Als Erstbetreiberin hat die Swiss respektive die Lufthansa Group sicher einen guten Preis für die Flugzeuge ausgehandelt. Dafür muss sie jetzt die Kinderkrankheiten ausbaden. Unter dem Strich dürfte die A220 wegen der Effizienz für die Swiss aber rentieren. Abgesehen von den Triebwerkproblemen, ist man bei der Airline mit dem modernen Flugzeug sehr zufrieden.

Jetzt in der Werkstatt: Ein Flieger der Vorzeigeflotte der Swiss. Bild: Keystone

Das Flugzeug wurde wie der Doppelstockzug Dosto, der wiederholt mit Pannen für Schlagzeilen sorgte, von Bombardier entwickelt. Zufall?
Ich kenne mich bei der Bahn nicht aus. Eine Parallele gibt es aber: Beide sind Neuentwicklungen, die erst noch erprobt werden müssen. Dass es denselben Hersteller trifft, ist wohl Zufall. Bombardier kann aber froh sein, dass jetzt Airbus das C-Series-Programm übernommen hat.

Hat Airbus einen Fehler gemacht?
Nein. Seit Airbus die Modellreihe übernommen hat, gibt es neue Bestellungen. Der kleine Jet passt perfekt in die Produktpalette von Airbus.

Neben Airbus hat auch Boeing ein Problem mit der Boeing 737 MAX. Gibts Parallelen?
Nicht direkt: Bei Boeing ist eine jahrzehntealte Modellreihe an ihre Grenze gelangt. Aber beide Entwicklungen haben zum Ziel, möglichst effiziente Flugzeuge zu bauen.

Viele Passagiere dürften nach der Pannenserie ein mulmiges Gefühl haben.
Das ist möglich. Aber die Swiss überprüft jetzt alle Flugzeuge, zudem haben die Luftsicherheitsbehörden schon zuvor Sicherheitsauflagen verhängt. Der Imageschaden für die Swiss wird sich in Grenzen halten, wenn den Passagieren gute Flugalternativen angeboten werden können.

Übernommen von 20 Minuten, bearbeitet von Redaktion Tamedia (red)

Erstellt: 15.10.2019, 20:47 Uhr

Zur Person

Hansjörg Bürgi ist Chefredaktor von Skynews.ch. Er ist einer der bekanntesten Aviatik-Experten der Schweiz. (Bild: SRF)

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