Die Uhrenindustrie ist in Investitionslaune

Die Schaffhauser Luxusuhrenmarke IWC hat gestern eine der modernsten Manufakturen in der Schweiz eröffnet. Seit 2016 haben bereits zwei andere Prestigehersteller ihre Produktion ausgebaut.

IWC-Chef Christoph Grainger (r.), Uhrmacher-Legende Kurt Klaus und Lehrling Philipp Schlatter (l.) eröffnen die neue Manufaktur. Foto: Keystone

IWC-Chef Christoph Grainger (r.), Uhrmacher-Legende Kurt Klaus und Lehrling Philipp Schlatter (l.) eröffnen die neue Manufaktur. Foto: Keystone

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Nach fast zwei Jahren Bauzeit hat IWC am Stadtrand von Schaffhausen die neue Manufaktur fertiggestellt. Gestern erfolgte die Eröffnung im Beisein der Firmenleitung um Markenchef Christoph Grainger-Herr. Ein Rundgang vor Ort offenbart das Wesen des Neubaus: Wandverglasungen mit schwarzen Profilen und weisse, überhängende Vordächer ergeben ein kontrastreiches Bild.

Das neue Gebäude weist eine Länge von 139 Metern, eine Breite von 62 Metern und an der höchsten Stelle eine Höhe von 12 Metern auf. Die Investitionen beliefen sich auf 42 Millionen Franken. Es ist ein schönes Geschenk zum 150-Jahr-Jubiläum, das die Marke in diesem Jahr feiert. IWC gehört zum Genfer Luxusgüterkonzern Richemont.

Unter einem Dach

In der lang gezogenen Manufaktur führt die Luxusuhrenmarke die Fertigung von Werkteilen, Uhrwerken und Gehäusen an einem Ort zusammen. «Der Neubau hat uns die Möglichkeit gegeben, unsere Produktionsprozesse genau so zu gestalten, wie es für einen optimalen Ablauf und eine perfekte Qualität ideal ist», sagt der fürs operative Geschäft zuständige Chief Operating Officer Andreas Voll. So sei jetzt die gesamte Wertschöpfung vom Rohmaterial über die einzelne Uhrenkomponente bis zum fertigen Manufakturwerk auf einem Stockwerk in einer logischen Reihenfolge angeordnet.

Während bei der Herstellung der Teile der Automatisierungsgrad hoch ist, erfolgt die Montage der Uhrwerke in aufwendiger Handarbeit. «Keine Maschine wäre in der Lage, den komplexen Mechanismus zusammenzusetzen und zum Leben zu erwecken», sagt Voll. In der neuen Produktionsstätte von IWC arbeiten über 230 Mitarbeiter. Platz hat es für 400.

Bereits winzige Mengen Staub oder Schmutz können die Funktion eines Uhrwerks beeinträchtigen. Die Montage findet deshalb in einer Sauberraumumgebung statt, wo ähnliche Bedingungen wie bei der Herstellung von Computerchips herrschen. Pro Stunde werden 50'000 Kubikmeter Luft umgewälzt. Ein Überdruck erschwert den Eintritt von Staubpartikeln zusätzlich.

Automatisiertes Lagersystem

Die neue Manufaktur ist auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Bis zu 10'000 Besucher jährlich will IWC im Neubau empfangen. Sie können sich so ein Bild über die einzelnen Produktionsschritte machen. Keine Zahlen gibt IWC hingegen zur Stückzahl an Zeitmessern bekannt, die jährlich die neue Produktionsstätte verlassen werden – das ist Betriebsgeheimnis.

Trotz der Krisenjahre 2015 und 2016 ist die Schweizer Uhrenindustrie ausgabefreudig, da sie sich auf Wachstum einstellt. Die Marke Omega weihte im Herbst 2017 am Hauptsitz in Biel eine neue Manufaktur ein. Sie ist 30 Meter breit, 70 Meter lang und 30 Meter hoch. Unter einem Dach im fünfstöckigen Neubau hat die Marke Arbeitsschritte wie Uhrenmontage und Herstellung von Armbändern sowie Versand, Lager und Logistik zusammengefasst. Omega ist eine Marke des weltgrössten Schweizer Uhrenkonzerns Swatch Group.

Kernstück der neuen Fabrik von Omega ist ein voll automatisiertes Lagersystem, das sich über drei Stockwerke erstreckt. Das Zentrallager enthält mehr als 30'000 Kisten mit allen notwendigen Teilen, die für die Uhrenproduktion benötigt werden. Lagerroboter bringen die Elemente dorthin, wo sie gebraucht werden. Früher mussten die Uhrmacher ins Lager gehen, um die nötigen Teile zu holen.

Die Swatch Group investiert am Hauptsitz in Biel um die 150 Millionen Franken in neue Industriegebäude. Der Ausbau umfasst nicht nur die neue Fabrik von Omega, sondern auch ein neues Hauptquartier samt Museum für die Marke Swatch.

Suche nach Personal

Still und unauffällig konzentrierte Carl F. Bucherer vor zwei Jahren im Kanton Bern die Produktion von Luxusuhren und Uhrwerken. Der Uhrenhersteller gab dazu die Manufaktur in Sainte-Croix VD auf und verlegte die Mitarbeiter an seinen zweiten Standort in Lengnau BE. Gleichzeitig entstanden dort im Firmengebäude neue Ateliers. Die Investitionen beliefen sich auf einen Frankenbetrag in zweistelliger Millionenhöhe. Die erweiterte Manufaktur hatte Carl F. Bucherer im Sommer 2016 eröffnet. Die Uhrenmarke gehört zur Luxusgütergruppe Bucherer mit Sitz in Luzern.

Diese Zeitung hat sich bei Herstellern umgehört, inwiefern sie Bedarf für zusätzliche Produktionskapazitäten haben. Der IWC-Mutterkonzern Richemont teilt mit, dass der Konzern in den vergangenen Jahren laufend in den Ausbau seiner Uhrenmarken investiert habe. Dazu gehört etwa Jaeger-LeCoultre in Genf. In Schaffhausen sei jetzt die neueste Manufaktur aller Uhrenmarken von Richemont entstanden, heisst es weiter.

Breitling mit Sitz in Grenchen SO plant keinen Ausbau der Manufaktur, die im Jahr 2009 eingeweiht worden war. Jedoch habe die auf Fliegeruhren spezialisierte Marke in den vergangenen Monaten etwa 50 neue Stellen geschaffen, sagt Firmensprecher Uwe Liebminger. Breitling suche weiterhin qualifizierte Mitarbeiter – auch in der Schweiz.

Erstellt: 27.08.2018, 23:57 Uhr

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