Dreckige Dieselmotoren – Was tut sich in der Schweiz?

Ein temporäres Importverbot oder nur noch E-Autos? In Bern sind vier Vorstösse hängig.

Deutschland hat sich am Mittwoch in der Causa Diesel zu einer Lösung durchgerungen.
Video: Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Dieselmotoren müssen sauberer werden. Gestern versprach der Verband der deutschen Automobilindustrie auf dem Dieselgipfel in Berlin, die Software von über 5 Millionen Fahrzeugen nachzurüsten. Damit sollen die Stickoxid-Emissionen verringert werden. Dies werde «zügig» geschehen, den Haltern würden dabei keine Kosten entstehen. Ausserdem garantiere man, dass die Nachrüstung «keinen Einfluss auf Motorleistung, Verbrauch oder Lebensdauer» haben werde.

Im Süden Deutschlands will man noch weiter gehen. Letzte Woche hat das Verwaltungsgericht Stuttgart das Verbot gewisser Dieselmotoren in der Innenstadt für rechtens befunden – ein Update der Software reiche nicht aus. Verschiedene Parteien fordern nun auch eine Trendwende in der Schweiz – mit vier Vorstössen:

Grenzwerte einhalten: Der Verkehrs-Club der Schweiz und seine Präsidentin Evi Allemann (SP) forderten mit einer Motion bereits vor einem knappen Jahr: Dieselautos sollen schon heute nur zugelassen werden, wenn sie die Grenzwerte auch im normalen Strassenverkehr nicht überschreiten. Anlass für den Vorstoss war auch der Dieselskandal: Hersteller manipulierten ihre Autos so, dass sie zwar die Tests bestanden, auf der Strasse aber Stickoxid-Grenzwerte nicht einhielten. Die entsprechenden Tests wurden mittlerweile zwar angepasst. Verbindlich für sämtliche Neuwagen sollen sie aber erst im August 2019 sein.

Temporäres Importverbot: Nicht nur auf der linken Ratshälfte ist die Empörung über den Umgang des Bundesrats mit dem Dieselskandal gross. Eine ähnliche Stossrichtung verfolgt Karl Vogler (CSP, Obwalden). Zusammen mit fünf Nationalräten aus CVP, EVP und GLP fordert er in einer Interpellation ein temporäres Importverbot für dreckige Dieselfahrzeuge. Davon will die Landesregierung aber nichts wissen. «Der Bundesrat versteckt sich mit dieser Haltung hinter der EU», findet Vogler.

Umfrage

Was würden Sie gegen dreckige Dieselmotoren unternehmen?





Umweltzonen: VCS-Präsidentin Allemann hat einen zweiten Pfeil im Köcher: Mit einer weiteren Motion will sie den Kantonen erlauben, Fahrzeuge, die Grenzwerte überschreiten, in gewissen Gebieten zu verbieten. Bekannt sind die sogenannten Umweltzonen insbesondere aus Deutschland, wo in den Zentren grösserer Städte nur Autos mit der erforderlichen Umweltvignette fahren dürfen. In der Stadt Stuttgart sollen ab nächstem Jahr etwa nur noch rund 30 Prozent der Dieselfahrzeuge zugelassen werden. Und auch Paris hat ein solches System eingeführt. Ein Verbot in Schweizer Städten dürfte viele der knapp 1,3 Millionen Dieselfahrzeuge betreffen – und auch einen Teil der über 3,1 Millionen Benzinautos.

Vogler steht dieser Massnahme kritisch gegenüber. «Erstens wäre ein Importverbot effektiver», sagt der CSP-Politiker. «Und zweitens trifft diese Massnahme die von den Herstellern betrogenen Konsumenten.» Auch Nationalrat Bastien Girod (Grüne) findet, dass die Konsumenten nicht bestraft werden dürften. «Für Nachrüstungen und nötigenfalls auch Neuwagen müssten die schuldigen Firmen aufkommen», sagt er.

Nur noch Elektroautos: Der jüngste und radikalste Vorschlag stammt aus der Feder des Zürcher Nationalrats Balthasar Glättli (Grüne). Er fordert in einer Motion ein Zulassungsverbot von Autos mit Verbrennungsmotoren ab 2025. Davon wären Diesel-, Benzin- und Hybridmotoren betroffen. Zugelassen werden könnten nur noch emissionsfreie Autos. Diese Massnahme soll einen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leisten sowie Abgas- und Lärmemissionen reduzieren. Der Bundesrat empfiehlt auch diesen Vorstoss zur Ablehnung. Auch im bürgerlichen Parlament dürfte er einen schweren Stand haben.

Schwindendes Interesse

Auch ohne politische Massnahmen werden Autos mit Dieselmotor in der Schweiz unbeliebter. Im Juni gingen die Neuzulassungen um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück – Benzinautos legten dagegen um 4,9 Prozent zu. Der Vergleichsdienst Comparis verzeichnete zudem einen Rückgang der Suchanfragen für gebrauchte Dieselfahrzeuge um ein Viertel seit Bekanntwerden der Manipulationen im September 2015.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.08.2017, 06:16 Uhr

Artikel zum Thema

Autokonzerne sind die Sieger des Diesel-Gipfels

Die Autohersteller kommen glimpflich davon, teure Massnahmen können sie abwenden. Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Krisentreffen in Berlin. Mehr...

Autohersteller müssen Millionen Fahrzeuge nachbessern

Die Konzerne sollen die Kosten für die Nachbesserungen selbst tragen. Dennoch ist das Ergebnis des Diesel-Gipfels ein Erfolg für die deutsche Autoindustrie. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Nichts für Gfrörlis: Ausserhalb der sibirischen Stadt Krasnoyarsk wurden Minus 17 Grad gemessen. (10. Dezember 2017)
(Bild: Ilya Naymushin) Mehr...