Eine rassistische Tirade vom Schweizer Börsenguru

«Gloom, Boom and Doom Report» heisst Marc Fabers Anlegerbrief, und der hatte es diesmal in sich. CNBC, Fox und Bloomberg reagierten prompt. Und damit nicht genug.

Marc Faber 2015 bei einem Besuch in der Türkei. Foto: Anadolu, Getty Images

Marc Faber 2015 bei einem Besuch in der Türkei. Foto: Anadolu, Getty Images

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Derart schnell sah nicht einmal Marc Faber seinen eigenen Crash kommen. Nur wenige Stunden nach einer rassis­tischen Tirade des Schweizer Börsen­gurus stellten ihn in den USA die grossen Wirtschaftssender vor die Tür, und drei Edelmetallfirmen entliessen ihn aus dem Verwaltungsrat.

«Dank Gott haben die Weissen Amerika bevölkert und nicht die Schwarzen», setzt der 71-Jährige in seinem jüngsten Anlegerbrief «Gloom, Boom and Doom Report» an und startet einen Angriff auf die «liberalen Heuchler». Als die Taliban zwei der grössten Buddhastatuen in Afghanistan in die Luft sprengten, hätten sie das noch verurteilt, aber nun zeigten sich die gleichen Heuchler wegen Denkmälern «von ehrenhaften Leuten verstört, deren einziges Verbrechen darin bestand, das zu verteidigen, was alle Gesellschaften seit mehr 5000 Jahren tun: einen Teil der Bevölkerung zu versklaven». Faber bezieht sich auf die Entfernung der Denkmäler von Südstaaten-Generälen, die im Bürgerkrieg die Sklavenwirtschaft verteidigt hatten.

Zum Glück aber hätten die Weissen die Oberhand behalten. «Wenn nicht, so würden die USA wie Zimbabwe aus­sehen, was sie eines Tages ohnehin tun könnten. Aber wenigstens haben die USA dank der weissen Mehrheit 200 Jahre unter der wirtschaftlichen und politischen Sonne verbracht.» Und als ob er geahnt hätte, was auf ihn zukommen würde: «Ich bin kein Rassist, aber Tatsachen, ob politisch korrekt oder nicht, müssen gesagt sein.» Das Wirtschaftsmagazin «Business Insider» konfrontierte Marc Faber mit seinen Aussagen, worauf dieser nachdoppelte. «Natürlich stehe ich zu meinem Kommentar, da es unwiderlegbare Fakten sind. Wenn das Feststellen historischer Tatsachen mich zum Rassisten macht, dann bin ich vermutlich ein Rassist.»

«Sozialistische Schmarotzer»

Aufschlussreich ist, dass Faber seinem E-Mail eine Meldung zum Entscheid einer Schulkommission in Mississippi anfügte, wonach das Buch «To Kill a Mockingbird» («Wer die Nachtigall stört») von Harper Lee nicht mehr zu verwenden sei. Das Buch ist eine schonungslose Darstellung des Rassismus in den Südstaaten, hat sich weltweit mehr als 40 Millionen Mal verkauft und diente mehreren Schülergenerationen in den USA als Lehrmittel.

Wer es wissen wollte, ahnte aber schon früher, was Faber umtrieb. «Die Welt ist bestimmt nicht verrückt, höchstens die europäischen Politiker, welche bedingungslos sogenannte Flüchtlinge aufnehmen, von denen viele sozialistischen Schmarotzern gleichen», schrieb er im Juli dieses Jahres in der «Weltwoche». «Die verschiedenen Sozialämter, welche von gescheiterten Studenten besetzt werden, sind hilfsbereite Mittäter. Im ersten halben Jahr haben sich die europäischen Börsen trotzdem bestens verhalten?. .?.»

Die Toleranz für rassistisches Verhalten in den USA ist in den letzten Monaten auf null gesunken, nachdem die Entfernung eines Denkmals für den Südstaaten-General Robert E. Lee in Charlottesville schwere Ausschreitungen provoziert hatte und US-Präsident Donald Trump nicht die Neonazis und die weissen Nationalisten dafür verantwortlich machte, sondern den Linken und Afroamerikanern eine Mitschuld gab.

Am Dienstag reagierten die Wirtschaftssender CNBC, Fox Business und Bloomberg TV in Windeseile auf Fabers Tiraden und kündigten jede weitere Zusammenarbeit auf. Die Minenfirmen Novagold und Ivanhoe sowie die auf Edelmetalle spezialisierte Finanzgesellschaft Sprotts entfernten ihn aus dem Verwaltungsrat. Faber gab sich ungerührt: «Kein grosser Verlust», sagte er.

Konträre Weltsicht

Der gebürtige Schweizer lebt in Thailand, ist ein bekennender Lebemann mit einer Vorliebe für Bier und Prostituierte und lebt von seinem Ruf als Dauerpessimist in Sachen Finanzmärkte. 1987 sagte er den Börsencrash voraus und warnte später korrekt vor der Asienkrise. Insgesamt aber ist seine Trefferquote eher schwach. Gemäss einer Analyse lag er zwischen 2005 und 2012 nur bei 47 Prozent seiner Anlagetipps richtig. Seit Jahren sagt er zum Beispiel eine Hyperinflation voraus, und nach der Wiederwahl von Barack Obama 2012 prognostizierte er einen Crash. Daneben liegt er seit langem auch mit seiner erhofften Renaissance des Goldes. Trotzdem fand sich in den Finanzmedien in den USA und in der Schweiz immer wieder Platz für Marc Faber und seine konträre Weltsicht, die er mit seinem Sturz wohl unvermutet selbst bestätigt sieht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.10.2017, 23:04 Uhr

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