Eine späte Busse für das Bankgeheimnis

Warum die ZKB den USA 100 Millionen zahlen muss, obwohl sie nichts Illegales gemacht hat.

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Die Erleichterung ist Martin Scholl, dem CEO der ZKB, anzusehen. Dank dem Deal mit den US-Justizbehörden ist er das grösste Problem seiner Amtszeit losgeworden. Mit einer Busse von knapp 100 Millionen Dollar und Anwaltskosten im zweistelligen Millionenbereich ist der Frieden zwar nicht gerade günstig erkauft. Aber immerhin ist es deutlich günstiger geworden als in der heissen Phase des Steuerstreits befürchtet.  

Fragt sich noch, wofür die ZKB überhaupt 100 Millionen in die USA überweist. Laut den Gerichtsunterlagen hauptsächlich darum, weil sie 2008 der Versuchung nicht widerstehen konnte, UBS-Kunden bei sich aufzunehmen, welche die gefährlich wankende Grossbank nicht mehr wollte. Dies direkt oder indirekt über eine Zusammenarbeit mit der neuen Zürcher Bank (NZB). Ausgerechnet mit der NZB, mit der die ZKB zuvor schon schlechte Erfahrungen gemacht hatte, als es um die umstrittene Übernahme von Sulzer durch die österreichischen Investoren Ronny Pecik und Georg Stumpf sowie den russischen Oligarchen Viktor Vekselberg ging. Es kam zu Meldepflichtverletzungen und Insiderdeals, die Scholls Vorgänger Hans F. Vögeli den Kopf kosteten. Die neuerliche Kooperation hätte auch Scholl fast den Job gekostet, weil auch er damals zu gierig war.

Es ist nicht ersichtlich, gegen welches Gesetz oder welche Weisung die ZKB verstiess.

Nun, fast zehn Jahre später, mag sich niemand mehr gross über die Sache aufregen, und die ZKB hat gezeigt, dass sie sich gewandelt hat. Ähnliche Skandale gab es keine mehr, und in Bezug auf ihre Mitarbeiter hat sich die Bank anständig verhalten. Scholl selber steht zur Verantwortung, wohltuend anders als die Verantwortlichen von UBS und CS, die behaupteten, es gehe um ein paar schwarze Schafe bei den Angestellten, während das Management eine weisse Weste habe. 

Die Affäre ZKB ist im Rückblick eine Affäre Schweizer Finanzplatz, die von den Bundesräten Rudolf Merz und Eveline Widmer-Schlumpf äusserst lausig gemanagt wurde. Eine Affäre der Finanzmarktaufsicht (Finma), die zusah, wie die UBS-Kunden über den ganzen Finanzplatz verstreut wurden, und keine Warnung aussprach. Es ist nicht ersichtlich, gegen welches Gesetz oder welche Weisung die ZKB verstiess. Die Zürcher Steuerzahler zahlen 100 Millionen nicht nur wegen gieriger Manager, sondern vor allem, weil die Schweiz sich viel zu lange an das Bankgeheimnis klammerte und es dann, als es sich nicht mehr halten liess, völlig kopflos aufgab.  

Erstellt: 14.08.2018, 21:42 Uhr

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