Firmenbesteuerung muss fairer werden

Die OECD will von der Sitzlandbesteuerung abkommen – dies entspricht den neuen Gegebenheiten im Digitalzeitalter.

Sie sollen künftig dort besteuert werden, wo ihre Gewinne anfallen. Nicht dort, wo ihr Firmensitz steht: Die vier grössten Internetfirmen. Foto und Montage: Reuters

Sie sollen künftig dort besteuert werden, wo ihre Gewinne anfallen. Nicht dort, wo ihr Firmensitz steht: Die vier grössten Internetfirmen. Foto und Montage: Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Seien wir ehrlich: Der von der OECD vorgelegte Vorschlag zum Umbau der internationalen Firmenbesteuerung lässt den Himmel über der Schweiz nicht zusammenbrechen. Natürlich zählen wir zu den Verlierern, wenn Multis ihre Steuern künftig verstärkt im Absatz- und weniger im Heimatmarkt bezahlen. Das Finanzdepartement geht von jährlichen Steuerausfällen bis zu 5 Milliarden Franken aus. Wenn sich jetzt einzelne Stimmen lautstark darüber empören, seien ihnen die Relationen in Erinnerung gerufen: Die verkorkste Unternehmenssteuerreform II, die Bundesrat Hans-Rudolf Merz 2008 durch die Volksabstimmung gemogelt hatte, dürfte den Fiskus bis heute schon einiges mehr gekostet haben.

Was spricht im Zeitalter der Digitalisierung gegen eine Abkehr vom bisherigen Prinzip der Sitzlandbesteuerung? Eigentlich nichts, ausser dem aus der Schweiz abfliessenden Steuersubstrat. Unternehmen sollen ihre Steuern dort bezahlen, wo sie ihre Geschäfte tätigen. Insbesondere die Betreiber weltumspannender Onlineplattformen wie Amazon, Facebook und Google sind aber vielerorts faktisch steuerbefreit, weil sie zur Abwicklung ihrer Geschäfte eben keine physische Präsenz benötigen. Dass die OECD hier versucht gegenzusteuern – und das in Abstimmung mit über 130 Ländern –, ist nicht nur legitim, sondern zwingend geboten.

Auch die zweite angestrebte Neuerung, die Einführung globaler Mindeststeuersätze für Firmen, ist ein Schritt hin zu mehr Fairness. Vom heutigen zwischenstaatlichen Steuerwettbewerb profitieren in erster Linie hochprofitable Konzerne und einige wenige kleine Länder – alle anderen stehen im Regen. Die in Bundesbern kursierende Kurzschlussformel, ohne Steuerwettbewerb kehre um uns herum der finanzpolitische Schlendrian ein, zeugt von nicht unerheblicher Arroganz. Vielmehr ist es doch so: Gelangen Staaten dank fairerer Besteuerung zu höheren Einnahmen, bietet sich ihnen die Chance zu vermehrten Investitionen in Bildung, Gesundheit und Infrastruktur. Darauf, nicht auf Steuern sollte der internationale Standortwettbewerb abzielen.

Erstellt: 09.10.2019, 20:22 Uhr

Artikel zum Thema

Schweiz soll von grauer Liste gestrichen werden

Nach dem Ja zur AHV-Steuervorlage hat die EU-Expertengruppe nun empfohlen, die Schweiz von der Liste der Steueroasen zu nehmen. Mehr...

IWF, WTO und OECD zeichnen ein düsteres Bild

Die Chefs von globalen Instituten haben sich in Berlin mit der deutschen Kanzlerin getroffen. Sie prognostizieren einen Abschwung der Weltwirtschaft. Mehr...

OECD-Pläne bereiten der Schweiz Sorgen

Die OECD strebt eine Harmonisierung bei der Besteuerung von multinationalen Konzernen an. Nun hat sie einen Vorschlag veröffentlicht. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Bitte lächeln: Frankie die Bordeauxdogge stellt sein Löwenkostüm zur Schau. Er nimmt mit seinem Herrchen an der Tompkins Square Halloween Hundeparade in Manhattan teil (20. Oktober 2019).
(Bild: Andrew Kelly) Mehr...