Heute entscheidet sich das Schicksal der Post-Chefin

Die Post hat heute in Bern zu einer Medieninformation eingeladen. Erstmals zeigen Dokumente, wie Postauto unerlaubte Gewinne einkalkulierte.

Heute wird bekannt, ob Post-Chefin Susanne Ruoff in den Ausstand treten wird – oder das Unternehmen verlässt. Foto: Peter Schneider (Keystone)

Heute wird bekannt, ob Post-Chefin Susanne Ruoff in den Ausstand treten wird – oder das Unternehmen verlässt. Foto: Peter Schneider (Keystone)

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Einladungen zu Pressekonferenzen sind nur in Ausnahmefällen eine Nachricht wert – und um einen solchen handelt es sich bei der Medienorientierung, zu der die Schweizerische Post am Mittwochabend geladen hat. Der Anlass findet am 15. Februar um 14 Uhr am Hauptsitz der Post in Bern statt. Und dann entscheidet sich auch die Zukunft von Post-Chefin ­Ruoff. Denn: Gestern tagte der neunköpfige Verwaltungsrat der Post. Und diskutierte dabei, wie man angesichts des Postauto-Skandals weiter verfährt.

Für Ruoff gibt es verschiedene Szenarien. Im für sie drastischsten Fall muss die Chefin das Unternehmen verlassen. Doch in dieser Woche wurde plötzlich auch eine andere Möglichkeit ins Spiel gebracht: ein Ausstand der Post-Chefin. Unter anderem der bernische SVP-Nationalrat Albert Rösti brachte diesen Vorschlag im «SonnTalk» von TeleZüri auf. Auch CVP-Nationalrat Gerhard Pfister meinte: «Während der Dauer der Untersuchung wäre es sinnvoll, wenn Susanne Ruoff zumindest in den Ausstand treten würde.» Ein solcher Schritt wäre äusserst ungewöhnlich. Rechtlich wäre er aber eine Option.

Bleibt Ruoff im Amt?

Möglich ist aber auch, dass der Verwaltungsrat der Chefin das Vertrauen ausspricht. Das tat auch Verkehrsministerin Doris Leuthard zuletzt. Zuerst gelte es, zu wissen, was passiert sei. Die Ministerin warnte vor Vorverurteilungen.

Am Abend konnte die «Rundschau» von SRF erstmals anhand von Dokumenten aufzeigen, wie Postauto im öffentlichen Verkehr Gewinne einkalkulierte. In Lyss betrieb die Firma drei Jahre lang einen Ortsbus. Der Kanton Bern und seine Gemeinden zahlten dafür über eine halbe Million Franken.

Zuschlag beim Gewinn

Aus vertraulichen Offertenberechnungen ist ersichtlich, dass Postauto die Kosten höher dargestellt hat, als sie gemäss interner Schätzung wirklich waren. In einer Kostenaufstellung steht, auf die Beträge werde noch ein «Ebit-Zuschlag von 5 Prozent aufgerechnet». «Ebit» ist der englische Fachausdruck für «Gewinn vor Zinsen und Steuern». Den Zuschlag versteckte Postauto in den Kosten. Im Dokument steht weiter: «Die erzielten Gewinne werden nicht ausgewiesen und verbleiben in der Aufwandskalkulation in gleicher Höhe.» Zum ersten Mal bestätigt sich damit auch die Vermutung kantonaler Verkehrsdirektoren, dass nebst dem Regionalverkehr auch der Ortsverkehr betroffen ist.

Der Lysser Gemeindepräsident An­dreas Hegg reagierte in der Sendung ernüchtert: «Das ist nicht richtig. Da muss man hinschauen, das muss man abklären und die nötigen Leute zur Verantwortung ziehen», sagte der FDP-Politiker. Ins gleiche Horn stiess gestern ebenfalls die Partei der Arbeit der Schweiz, die mit einem Sitz im Nationalrat vertreten ist. Sie forderte per Communiqué den «sofortigen Rücktritt» der Post-Chefin, des gesamten Post-Verwaltungsrats und der Postauto-Topmanager.

Im Beitrag äusserte sich auch der Revisor des Bundesamtes für Verkehr, der die Buchhaltungstricks aufdeckte, zur Zusammenarbeit mit Postauto. Beim ­Aktenzugang habe es «Meinungsverschiedenheiten» gegeben, sagte Pascal Stir­ni­mann: «Es war sicher erschwerend, dass wir Mühe hatten, gewisse Unterlagen zu erhalten über einen längeren Zeitraum. Durch das Einschalten der Konzernleiterin haben wir volle Einsicht bekommen.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.02.2018, 23:31 Uhr

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