Ikea testet Möbelmiete in der Schweiz

Das Einrichtungshaus will Schweizer KMU dazu bringen, Büromobiliar zu leasen – und dringt in den wachsenden Leih- und Teilmarkt vor.

Ein Ikea-Arbeitsplatz – Tisch, Stuhl, Schrank, Rollcontainer, Beleuchtung – kostet rund 70 Franken pro Monat. Foto: iStock

Ein Ikea-Arbeitsplatz – Tisch, Stuhl, Schrank, Rollcontainer, Beleuchtung – kostet rund 70 Franken pro Monat. Foto: iStock

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In ein paar Wochen wird die Schweiz Schauplatz einer Weltpremiere: Ikea startet ein Angebot, bei dem Kunden Möbel mieten statt kaufen können. Zuerst hatte die Handelszeitung darüber berichtet.

Die Möbelmiete richtet sich vorerst nur an bestimmte Zielgruppen. In der Schweiz sind es Firmenkunden. «Das Ganze ist ein Test», erklärt ein Sprecher. Und so sucht Ikea Schweiz seit wenigen Tagen Tester: «Wir haben gemerkt, dass sich viele Geschäftskunden eine höhere Flexibilität wünschen», heisst es in dem Internet-Aufruf des Unternehmens. «Reduzieren Sie die Investition in Einrichtung auf eine monatliche Nutzungsgebühr.»

Wie lange der Test dauert, ist ungewiss

20 kleinere und mittlere Unternehmen aus der deutschsprachigen Schweiz sollen in der Pilotphase aus insgesamt 24 Produktpaketen auswählen. Sie können Möbel für einzelne Arbeitsplätze oder ganze Sitzgruppen für Meetings mieten. Das billigste Paket (Tisch, Stuhl, Schrank, Rollcontainer, Beleuchtung) kostet rund 70 Franken, das teuerste (ein Konferenztisch mit zehn gepolsterten Bürostühlen) knapp 270 Franken im Monat.

Ein paar Wochen will Ikea sich nach Angaben des Sprechers noch Zeit geben für die Auswahl der Testfirmen, aber im Juli dürften die ersten Kunden wohl ihre Möbel-Abos abschliessen. Mindestlaufzeit: 12 Monate. Lieferung, Montage und Abholung: im Angebot inbegriffen.

Zum ersten Mal hatte Ikea-CEO Jesper Brodin im Herbst 2018 von der Möbelmiete gesprochen. «Wir haben zuerst qualitative Interviews mit Unternehmern geführt, um herauszufinden, welches Modell der Möbelvermietung passen könnte», sagt der Sprecher. Daraus sei das Testangebot entstanden. Technisch erfordere die Vermietung neue Lösungen, zum Beispiel ein Inventar der sich im Umlauf befindenden Möbel. Ikea orientiere sich an den Arbeitsmethoden von Entwicklern: ausprobieren, Austausch mit den Kunden, anpassen, noch einmal ausprobieren. Wie lange der Test dauert, könne man deshalb nicht sagen.

Selbstlos ist das neue Ikea-Angebot nicht. Der Konzern dringt in den wachsenden Leih- und Teilmarkt vor.

Bis 2030 will der Konzern, dessen Produkte zwar als erschwinglich, aber nicht besonders langlebig gelten, sein gesamtes Geschäft auf Kreislaufwirtschaft umstellen: Ikea-Möbel sollen eine längere Lebensdauer erhalten, indem man sie besser reparieren, zurückgeben und eben auch mieten kann. Ausserdem sollen langfristig nur noch erneuerbare und recycelte Materialien zum Einsatz kommen.

Völlig selbstlos dürften die Gründe für das neue Ikea-Angebot allerdings nicht sein. Der Konzern mit fast 40 Milliarden Jahresumsatz dringt damit in den wachsenden Leih- und Teilmarkt vor, auch dürfte er auf neue Kundenschichten hoffen, die das Geld für eine Büroeinrichtung oder eine Küche nicht auf einmal aufbringen und deshalb Leasingmodelle bevorzugen. Dafür müsste Ikea die Preise allerdings noch anpassen: Mit mindestens 70 Franken im Monat liegt die Gebühr für einen Arbeitsplatz relativ hoch.

Und wann können auch normale Kunden Ikea-Möbel mieten? Der Sprecher von Ikea Schweiz will sich nicht festlegen. Aber man wolle die neue Dienstleistung so bald wie möglich allen Kunden zur Verfügung stellen.

Erstellt: 25.06.2019, 11:13 Uhr

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