Le Shop und Coop@home erhalten neue Konkurrenz

Der Onlinehändler Brack vertreibt neu auch Lebensmittel. Bisher kaufen die Schweizer allerdings noch lieber beim Grossverteiler als im Netz.

Nahrung per Klick: 12 500 Artikel können sich die Kunden aus den Le-Shop-Logistikzentren liefern lassen. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Nahrung per Klick: 12 500 Artikel können sich die Kunden aus den Le-Shop-Logistikzentren liefern lassen. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Aus dem beschaulichen Städtchen Willisau beliefert der Onlinehändler Brack die Schweiz: Bücher, Kleider, Handys, Videokameras, Gummibote, Musikinstrumente – ein Angebot, wie man es in einem Einkaufscenter findet, wird aus dem Luzerner Hinterland verschickt. Mehr als 1,5 Millionen Pakete verliessen 2016 das Logistikcenter. Schon bald soll es bei Brack nun auch ein breites Sortiment an Lebensmitteln geben, wie die «Luzerner Zeitung» berichtet.

Bereits heute führt Brack in seinem Sortiment Kaffee, Tee und Babynahrungsmittel (Pulvermilch, Brei, Guetsli und Ähnliches) sowie Non-Food-Artikel wie Duschgel und Kosmetika. «Wir bauen den Nahrungsmittelbereich deutlich aus», sagt Brack-Sprecher Daniel Rei auf Anfrage. Fürs Erste wolle man eine breite Palette an «haltbaren Lebensmitteln ins Sortiment aufnehmen».

Getränke, Teigwaren, Dosengemüse und Schokolade wird es also bald aus Willisau geben. Tiefkühlpizzas und frische Früchte hingegen nicht. Brack geht damit im sich schnell entwickelnden und zunehmend auch von ausländischen Anbietern umkämpften Onlinemarkt in die Offensive.

Der US-Onlinepionier Amazon breitet sich in Europa wie eine Krake aus. Gestartet 1994 als Onlineversandhändler von Büchern, deckt das Unternehmen mittlerweile die gesamte Palette an Waren und Dienstleistungen ab. Heute ist Deutschland mit einem Jahresumsatz von über 13 Milliarden Euro der wichtigste Auslandsmarkt für Amazon.

Keine Landesgrenzen

Laut dem Beratungsunternehmen Carpathia bestellen Schweizerinnen und Schweizer jährlich für über 600 Millionen Franken bei Amazon. Mitarbeitende zählt das US-Unternehmen hierzulande keine, geliefert wird aus den Versandzentren jenseits der Grenze – durch die Post und andere Paketdienste. «Amazon denkt nicht primär in Landesgrenzen, sondern in Opportunitäten», erklärt Thomas Lang, CEO von Carpathia. «Alles, was bestellt wird und geliefert werden kann, gibt es im Angebot.»

Die jüngste Offensive startete der Onlinepionier im nördlichen Nachbarsland diesen Frühling: Amazon Fresh liefert Lebensmittel direkt vor die Haustür. Zur Auswahl stehen rund 85'000 Artikel.

Brack will mit der Sortimentserweiterung dem US-Riesen nun zuvorkommen. Das Projekt hierzu läuft auf Hochtouren. Per 1. November hat der Schweizer Onlinehändler eine Produktmanagerin eingestellt. Diese bringe mehr als zehn Jahre Erfahrung im Nahrungsmittelverkauf mit, wie Brack-Sprecher Daniel Rei verrät. «Derzeit suchen wir eine weitere Person, um das neue Geschäftsfeld aufzubauen», ergänzt er.

Migros und Coop beherrschen Food- und Near-Food-Bereich

Der Food- und Near-Food-Bereich in der Schweiz wird von den beiden Riesen Migros (LeShop.ch) und Coop (Coop@home) beherrscht. Le Shop bietet rund 12'500 Artikel an. Das Unternehmen beschäftigt 350 Mitarbeitende in zwei Logistikcentern (Bremgarten AG, Ecublens VD) und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 182 Millionen Franken. Coop@home bietet eine Auswahl von 13'000 Artikeln und kommt auf einen Umsatz von 129 Millionen Franken. Das Unternehmen beschäftigt 380 Personen und unterhält eine eigene Lieferflotte mit 140 Fahrzeugen. Bei Le Shop übernimmt die Post den Versand.

Während der Verkauf von Büchern, Musik oder Mode durch Onlinehändler stark durchgeschüttelt wurde, blieb der Lebensmittelbereich bisher verschont. Beim Verkauf von Non-Food-Produkten beträgt der Onlineanteil mehr als 15 Prozent, im Food- und Near-Food-Bereich sind es bisher nur 1,9 Prozent. Laut einer Studie der Credit Suisse soll sich dieser Wert bis 2022 jedoch verdoppeln. Andere Prognosen rechnen gar mit einem Anteil von 5 bis 7 Prozent. «Will Amazon hier mitmischen, muss es schneller liefern können», sagt Thomas Lang. Dafür bräuchte es ein Verteilzentrum in der Schweiz oder in unmittelbarer Nähe zur Grenze. Gerüchte über entsprechende Pläne gibt es immer wieder. Amazon selbst lässt sich dazu nicht in die Karten blicken.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.11.2017, 20:49 Uhr

Artikel zum Thema

Schweizer Teenager verschulden sich mit Online-Shopping

Immer mehr Minderjährige bestellen im Internet, bezahlen aber nicht. Es kann zur Betreibung sowie dubiosen Zusatzschulden kommen. Mehr...

Der letzte Schweizer Shopping-Dinosaurier

Video Es ist so weit, in Ebikon geht die Mall of Switzerland auf. Warum Shoppingcenter aber künftig kleinere Brötchen backen müssen. Mehr...

Bestellen Sie online? So gross ist die Päckliflut in der Schweiz

Quiz Shopping bei ausländischen – sogar chinesischen –Onlinehändlern boomt. Wie gut wissen Sie Bescheid über den Versandhandel aus dem Ausland? Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Saisonstart im höchstgelegenen Outlet der Schweiz

Nur eine Stunde von Zürich entfernt finden Städter und Ausflügler in Landquart tolle Outfits für die Wintersaison und hochwertige Outdoor-Bekleidung der bekanntesten Sportmarken.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Polizei in Rosa: Demonstranten bewarfen die Ordnungshüter in Nantes (Frankreich) mit Farbe. (16. November 2017)
(Bild: Stephane Mahe) Mehr...