Löhne der Konzernchefs steigen weiter

Nicht die ganz grossen Unternehmen erhöhten ihre Chefsaläre, sondern die kleineren. Der Anteil der verzögert ausbezahlten Boni steigt.

Einige Firmen zahlten mehr als die von den Aktionären genehmigt Lohnsumme: Generalversammlung des Solarunternehmen Meyer und Burger. (2.12.2016) Foto: Peter Schneider (Keystone)

Einige Firmen zahlten mehr als die von den Aktionären genehmigt Lohnsumme: Generalversammlung des Solarunternehmen Meyer und Burger. (2.12.2016) Foto: Peter Schneider (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Um 3,2 Prozent sind letztes Jahr bei den 100 grössten börsenkotierten Unternehmen der Schweiz die Löhne und Boni der Chefs gestiegen. Dies ergab eine Analyse der bisher publizierten Vergütungsberichte durch den Strategie- und Vergütungsberater HCM International. Durchschnittlich belief sich die Entlöhnung inklusive Boni und Aktienzuteilungen demnach auf 3,6 Millionen Franken. Das Fixsalär machte dabei im Mittel 39 Prozent der Gesamtvergütung aus und bewegte sich damit auf dem Niveau der Vorjahre. Mit 36 Prozent etwas höher als zuvor fiel der Lohnanteil aus, der den Topmanagern meist in Form von Aktien zwar versprochen wurde, dessen Ausschüttung aber erst nach einigen Jahren erfolgt. Das restliche Viertel des Salärs sind kurzfristige variable Vergütungen, also die Boni in bar sowie sofort ausgehändigte Aktienpakete.

Dass der Anteil der längerfristig aufgeschobenen Vergütungen steigt, wertet HCM-Geschäftsführer Stephan Hostettler als positiv. Solche variablen Entschädigungen seien im Interesse der Aktionäre, da deren Ausschüttung von der Erreichung gewisser langfristigen Ziele und damit von einem weiterhin guten Geschäftsgang abhängig sei.

Bessere Geschäftsergebnisse

Die im Durchschnitt gestiegenen Chef­saläre des letzten Jahres sind indes nicht auf höhere Ausschüttungen der grossen Konzerne zurückzuführen. Deutlich gestiegen sind 2016 nämlich insbesondere die Cheflöhne der kleineren Unternehmen. Bei den 50 kleineren Gesellschaften der Top 100 an der Börse erhielten die obersten Unternehmenslenker laut HCM durchschnittlich eine 10,5 Prozent höhere Vergütung als noch im Vorjahr. Bei den 20 grössten Konzernen, das heisst bei den SMI-Unternehmen, verzeichnete HCM dagegen sogar einen leichten Rückgang der Chefgehälter. Allerdings sind die Zahlen mit Vorsicht zu geniessen, da bis dato noch nicht alle Vergütungsberichte veröffentlicht worden sind. Von HCM nicht in die Berechnungen miteinbezogen werden konnten etwa die Vergütung von CS-Chef Tidjane Thiam sowie die Cheflöhne von 23 weiteren, eher kleineren Gesellschaften.

Infografik: Die bestverdienenden Konzernchefs Grafik vergrössern

Dass insbesondere die kleinen Unternehmen den Chefs mehr zahlten respektive mehr Aktien zuteilten, führt Vergütungsexperte Hostettler unter anderem auf deren Geschäftsergebnisse zurück. Die höheren Vergütungen gingen oft mit überdurchschnittlichen Gewinnzunahmen einher, sagte er gestern an einem Mediengespräch in Zürich.

«Vernünftiger Umgang»

In der Analyse der Vergütungsberichte haben Hostettler und sein Team auch festgestellt, dass mit den von den Generalversammlungen genehmigten Maximalbeträgen zur Vergütung des Top-­Managements «vernünftig» umgegangen wird. Knapp die Hälfte der Unternehmen, bei denen die Aktionäre über eine Maximalsumme abstimmen konnten, hat 80 bis 100 Prozent des genehmigten Betrags tatsächlich ausgeschüttet. Bei etwas mehr als 40 Prozent der Firmen erhielten die Geschäftsleitungsmitglieder zusammen sogar weniger als 80 Prozent der Summe. Fünf Firmen, darunter LafargeHolcim und der Zürcher Flughafen, zahlten indes mehr als den von der GV bewilligten Maximalbetrag. Selbst das ist allerdings kein Verstoss gegen die Regeln: In den Statuten der Unternehmen sind für den Fall, dass es zu Wechseln im obersten Management kommt, nämlich Reserven vorgesehen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.03.2017, 22:05 Uhr

Artikel zum Thema

Malus statt Bonus

2016 wurden Mitarbeitern der Credit Suisse wegen Fehlverhaltens erstmals rückwirkend die Boni zusammengestrichen. Mehr...

Rund 12 Millionen Franken für CS-Chef Thiam

Die Credit Suisse ist tiefer in die roten Zahlen gerutscht und schreibt ein Defizit von 2,71 Milliarden Franken. Den Chef scheint das nicht zu tangieren. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Michèle & Wäis Wie man sich ab 40 (nicht) kleidet

Beruf + Berufung Wie Banker Martino zu innerem Reichtum fand

TA Marktplatz

Die Welt in Bildern

Wandelnder Busch: Ein Model zeigt die Frühling Sommer Kollektion 2018 des chinesischen Designers Viviano Sue an der Fashionweek in Tokio. (19. Oktober 2017)
(Bild: EPA/FRANCK ROBICHON) Mehr...