Luanda Leaks erreichen das WEF

Seine Firma arbeitete für Isabel dos Santos, nun spricht PWC-Chef Bob Moritz in Davos über den Fall. In Portugal ist derweil ein Banker tot aufgefunden worden.

Robert E. Moritz, Global Chairman, PwC, USA, am Weltwirtschaftsforum in Davos (22. Januar 2020). Foto: Faruk Pinjo/Weltwirtschaftsforum

Robert E. Moritz, Global Chairman, PwC, USA, am Weltwirtschaftsforum in Davos (22. Januar 2020). Foto: Faruk Pinjo/Weltwirtschaftsforum

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Es ist selten, dass sich ein Spitzenmanager einer der mächtigsten Firmen der Welt so deutlich selbstkritisch äussert. Am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos sagte Bob Moritz, Chef des Wirtschaftsprüfers und -beraters PWC, er sei «schockiert und enttäuscht», was er in den letzten Tagen über die Arbeit seines Unternehmens für die Ex-Präsidenten-Tochter Angolas, Isabel dos Santos, erfahren habe. Moritz kündigte im Gespräch mit der britischen Zeitung «Guardian» eine interne Untersuchung an. Danach werde man über personelle Konsequenzen entscheiden. Es könne Versetzungen, Boni-Kürzungen oder sogar Entlassungen geben.

PWC-Chef Moritz nahm Bezug auf die weltweite Berichterstattung über das Datenleck Luanda Leaks. Medien zeigten auf, wie Isabel dos Santos und ihr Ehemann von Hunderten Millionen aus der angolanischen Staatskasse profitiert haben. An den Enthüllungen beteiligt war auch das Tamedia-Recherchedesk.

Das Schlimmste für PWC

PWC gehört zu den sogenannten Big Four, den vier grössten und einflussreichsten Beratern und Wirtschaftsprüfern der Welt. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in London und beschäftigt rund eine Viertelmillion Mitarbeiter weltweit. Es war für rund 20 Firmen aus dem Imperium von Isabel dos Santos tätig, machte Audits, beriet sie und entwickelte Steuerstrategien. PWC hatte bereits angekündigt, sich von diesen Tätigkeiten zurückzuziehen, «als Folge der schwerwiegenden und beunruhigenden Anschuldigungen».

In Davos sagte Bob Moritz nun, für die Reputation sei die Dos-Santos-Geschichte das Schlimmste, was PWC unter seiner Führung je geschehen sei. Er sei enttäuscht, dass PWC Warnsignale nicht früher ernst genommen habe. «Das war unser Fehler», sagte Moritz.

Bei PWC Portugal führten die Luanda Leaks schon zu einem prominenten Abgang. Gemäss der portugiesischen Zeitung «Observador» ist der dortige Chef der Steuerabteilung abgetreten, auch wegen der «Schwere der Anschuldigungen aus den Luanda Leaks», wie er selbst erklärte.

Angola will dos Santos zurückholen

In Angolas Hauptstadt Luanda hat sich derweil Generalstaatsanwalt Hélder Pita Grós zu Wort gemeldet. Im Radio sagte er, Angola werde «alle möglichen Mittel und internationale Mechanismen» nutzen, um Isabel dos Santos ins Land zurückzubringen. Seit der Eröffnung einer Strafuntersuchung 2018 ist die Ex-Präsidenten-Tochter nicht mehr in ihre Heimat zurückgekehrt.

In einer Medienkonferenz am Mittwoch präzisierte Pita Grós, Isabel dos Santos und vier weitere Personen seien formell beschuldigt, verschiedene Wirtschaftsdelikte begangen zu haben, darunter Veruntreuung, Geldwäscherei und Dokumentenfälschung. Dies im Zusammenhang mit Transfers von mehreren Dutzend Millionen Dollar der staatlichen Ölgesellschaft Sonangol zu einer Firma aus dem Dos-Santos-Imperium in Dubai.

Lügen und Verleumdungsversuche

Isabel dos Santos bestreitet jegliches Fehlverhalten und sieht sich als Opfer einer politischen Kampagne. Ihr Vermögen entspringe ihrem Charakter, ihrer Intelligenz, ihrer Ausbildung, ihrem Arbeitsethos und ihrer Ausdauer, twitterte sie beispielsweise. Alles andere seien Lügen und Verleumdungsversuche.

Doch die Luanda-Leaks-Enthüllungen haben weitere Folgen: Die portugiesische Bank Eurobic kündigte an, sämtliche Geschäftsbeziehungen zu Isabel dos Santos und ihrem Umfeld aufzulösen. Dos Santos hält 42,5 Prozent an Eurobic. Die Bank diente ihr als eine der wichtigsten Gelddrehscheiben. Die Millionenzahlungen nach Dubai, die im Zentrum der Strafuntersuchung in Angola stehen, liefen über ein Konto der portugiesischen Bank. Eurobic teilte zudem mit, dass sich Isabel dos Santos aus dem Aktionariat der Bank zurückziehen werde.

Am Donnerstag wurde weiter bekannt, dass ein Eurobic-Direktor tot in seinem Haus in Lissabon aufgefunden wurde. Es ist der Banker, der die Zahlungsaufträge für die dubiosen Dubai-Transfers entgegennahm. Die Nachrichtenagentur Lusa zitierte eine nicht genannte Polizeiquelle, wonach alles auf einen Suizid hindeute. In seiner Pressekonferenz vom Mittwoch hatte der angolanische Generalstaatsanwalt auch den nun toten Banker zu den formell Beschuldigten gezählt.

Politische Reaktionen in der Schweiz

In der Schweiz hat sich die NGO Alliance Sud zur Affäre geäussert. Die Luanda Leaks zeigten «umfassend wie selten zuvor», wie Gesetzeslücken im Schweizer Abwehrdispositiv gegen Steuervermeidung, Geldwäscherei und Korruption ausgenützt werden könnten, schreibt die Organisation in einem Communiqué. Alliance Sud fordert unter anderem ein öffentliches Register mit den Namen der Inhaber von Firmen.

In Zug, wo ein Anwalt eine wichtige Holding aus dem Dos-Santos-Imperium betreut hat, reichte die Fraktion Alternative – die Grünen im Kantonsrat eine Interpellation ein. Sie will den Regierungsrat unter anderem dazu bringen, mit den Selbstregulierungsorganisationen der Finanzdienstleister das Gespräch zu suchen und gemeinsame Schlüsse zu ziehen.

Erstellt: 24.01.2020, 12:34 Uhr

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