Medikamente sollen nach Wirkung bezahlt werden

Die Zahl neuer Therapien gegen schwere Krankheiten wird in den nächsten Jahren steigen. Für sie braucht es ein neues Preismodell. 

Es ist mit einer Welle an Durchbruch-Therapien gegen schwere Krankheiten zu rechnen, bei denen Preise von mehreren Hunderttausend Franken keine Ausnahme mehr bleiben dürften: Patientin bekommt Behandlung. Foto: Getty

Es ist mit einer Welle an Durchbruch-Therapien gegen schwere Krankheiten zu rechnen, bei denen Preise von mehreren Hunderttausend Franken keine Ausnahme mehr bleiben dürften: Patientin bekommt Behandlung. Foto: Getty

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Noch bevor die Zuständigkeiten der neuen Parlamentarier feststehen, hat der Verband der grossen Schweizer Pharmafirmen Interpharma sie nächsten Montag zu seiner Lobbyveranstaltung eingeladen. Viele von ihnen haben trotzdem zugesagt, wie René Buchholzer, Interpharma-Geschäftsführer, dieser Zeitung sagt. Was er den neuen Nationalräten sagen wird: Neue Biotech-Medikamente sollen in der Schweiz schneller zugelassen und erstattet werden. Und ihr Preis soll flexibler werden. Denn es ist mit einer Welle an Durchbruch-Therapien gegen Krebs und andere schwere Krankheiten zu rechnen, bei denen Preise von mehreren Hunderttausend Franken keine Ausnahme mehr bleiben dürften.

«Die Dynamik ist gewaltig, Daten und medizinisches Wissen multiplizieren die Forschungserfolge», erklärt Jörg-Michael Rupp. Er ist Pharma-Chef von Roche sowie zurzeit Präsident von Interpharma. Für Patienten heisst das: Die Zahl der Diagnosemöglichkeiten und damit auch der medizinischen Therapiemöglichkeiten wird exponentiell wachsen. Allerdings kann die rasche Behandlung durch die Zeitdauer für die Zulassung gehemmt werden. Ein anderes Hemmnis sind die hohen Preise, bei denen die Krankenkassen an ihr Limit geraten. 

Möglichst schnell zu den Patienten

«Wir sprechen die Preisfrage ganz offen an, denn wir sind uns der Verantwortung gegenüber den Patienten, der Gesellschaft, aber auch gegenüber den Shareholdern der Unternehmen bewusst», betont Rupp. Im bisherigen Schweizer Preismodell, das den Preis mit Blick aufs Ausland sowie auf vergleichbare Medikamente festsetzt, sieht er ein Problem. Es passe nicht mehr für die neuartigen Therapien. 

Die neuen Mittel werden meist erst nach der Zulassung in ihrer Wirkung über einen längeren Zeitraum hinweg untersucht. 

Die Biotech-Therapien bringen zusätzliche Herausforderungen: Sie sollen möglichst schnell auf den Markt, weil sie unter Umständen Leben retten können. Die Datenlage aus den klinischen Studien ist aber meist dürftig, denn für die spezialisierten Therapien gibt es viele Ausschlusskriterien und deshalb nur wenige Probanden. Die Wirksamkeit in der realen Anwendung, bei der die Therapie bei mehr Patienten zur Anwendung kommt, könne daher anders sein, so Interpharma. Auch werden die neuen Mittel meist erst nach der Zulassung in ihrer Wirkung über einen längeren Zeitraum hinweg untersucht. 

Bezahlen nach Wirkung

Interpharma setzt deshalb auf flexible Preise: Eine Therapie soll nach Wirkung bezahlt werden. Ist diese gering, kostet sie weniger. Pay for Performance heisst dieses Modell, das schon in einigen Ländern angewendet wird. Auch soll es eine Rolle spielen, wie viele Patienten mit einem neuen Medikament behandelt werden: Je mehr dies sind, desto geringer könne der Preis für den einzelnen Kranken werden. 

«Es muss darum gehen, ob ein Patient nach einer gewissen Zeitspanne eine bessere Gesundheit und Lebensqualität hat.»Santésuisse-Sprecher

Die Krankenkassenverbände Santésuisse wie auch Curafutura zeigen sich offen für die Diskussion. Auch sie sind einem Pay-for-Performance-Modell nicht abgeneigt. Allerdings macht Santésuisse  klar, dass bei der Messung der Wirksamkeit das gesamte Befinden des Patienten berücksichtigt werden müsse. «Es muss darum gehen, ob ein Patient nach einer gewissen Zeitspanne eine bessere Gesundheit und Lebensqualität hat», so der Sprecher.

Erstellt: 06.12.2019, 20:07 Uhr

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