Mehr Betrug bei Onlineshops

Nicht zahlende Kunden, gestohlene Identitäten: Mit welchen Tricks beim Einkauf im Internet betrogen wird.

Kurz vor Weihnachten brummt das Geschäft: Mitarbeiter der Post im Paketzentrum Härkingen SO. Foto: Reto Oeschger

Kurz vor Weihnachten brummt das Geschäft: Mitarbeiter der Post im Paketzentrum Härkingen SO. Foto: Reto Oeschger

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Der Onlinehandel wächst rasant. Um mehr als 8 Prozent hat er in der Schweiz im vergangenen Jahr zugelegt – Tendenz steigend. Es ist ein milliardenschwerer Markt. Bald wird die Anzahl der Be­stellungen wieder zulegen, denn im Weihnachtsgeschäft läuft es bei den Schweizer Onlinehändlern besonders gut. Doch das Ganze bringt auch eine unerwünschte Entwicklung mit sich: Mit dem Wachstum nimmt für die Händler auch das Risiko zu, Opfer von Betrügern zu werden.

Eine neue Umfrage des Schweizer Bonitätsprüfers Crif und des Verbands des Schweizerischen Versandhandels (VSV) unter rund 70 Webshops zeigt, dass ein Drittel der befragten Onlinehändler im letzten Jahr einen Zuwachs von Betrugsfällen festgestellt hat. Bei rund der Hälfte der befragten Shops hat sich die Quote nicht verändert. Besonders oft kommt es offenbar vor, dass Kunden die Waren bestellen, obwohl sie wissen, dass sie sie nicht bezahlen können. Auch machen Kunden oftmals falsche Angaben, um die Produkte zu erhalten, ohne dass sie sie bezahlen müssen. Oft kommt es offenbar auch vor, dass die den Erhalt der Waren einfach abstreiten. Zudem steigt die Zahl der Bestellungen, die mit gestohlenen Identitäten oder Zahlungsdaten aufgegeben wurden.

Kunden wollen nicht bezahlen

Einige Onlineshops sind stärker vom Betrug betroffen als andere. «Elektronik­artikel lassen sich einfach weiterverkaufen, daher kommt es in diesem Segment öfter zu Betrug», so Daniel Gamma, der bei Crif für den Onlinehandel zuständig ist. Besonders die grösseren Onlineshops leisten einen beträchtlichen Aufwand, um sich davor zu schützen. Dabei verwenden sie etwa schwarze Listen oder Filter mit Bestellern, die nicht mehr beliefert werden. Auch benutzen sie bestimmte Software-Produkte, die feststellen, ob die Bestellung tatsächlich vom richtigen Absender stammt.

Nicht jeder Betrug geschehe böswillig, so Gamma. Manche Kunden, die nicht bezahlen können, wären zwar willig, für das bestellte Produkt aufzukommen, könnten es aber nicht. Schuldenberater weisen denn auch seit einiger Zeit darauf hin, dass besonders jüngere Kunden Gefahr laufen, durch den Onlinehandel in die Schuldenfalle zu tappen. Dies, weil der Einkauf so einfach abläuft und die Rechnung auch nicht gleich bezahlt werden muss. Das Shoppen auf Rechnung ist in der Schweiz besonders verbreitet.

«Die Rechnung ist ein Vertrauens­beweis gegenüber dem Kunden», sagt Patrick Kessler vom Versandhandels-Verband. Die Bonitätsprüfung der Käufer durch die Onlineshops sei daher wichtig. Sie sorge dafür, dass die Quote der Betrugsfälle im Onlinehandel tief bleibe. Bei den meisten Schweizer ­Onlineshops liegt der Verlust bei weniger als 1 Prozent des Umsatzes. Mit diesem Wert könne die Branche umgehen, so Kessler.

Die grossen Onlinehändler wie beispielsweise Brack.ch erachten die Situation denn auch nicht als problematisch – auch wenn jeder Verlust schmerze. Zwar steige der Aufwand, um den Betrug zu verhindern, an, doch liege er im ­Rahmen des Umsatzwachstums, so ein Sprecher.

Die Migros-Tochter Digitec Galaxus stellt sogar eine rückläufige Anzahl der Betrugsversuche fest. «Die Betrüger haben offenbar bemerkt, dass es bei uns wenig zu holen gibt», so ein Sprecher. Der Händler setzt technische Filter ein, die potenzielle Betrugsversuche erkennen sollen. Auffällige Bestellungen ­würden dann vom Personal kontrolliert. Digitec Galaxus sei zudem sowohl gegen Rechnungs- als auch gegen Kreditkartenbetrug versichert.

Kleine Shops gefährdet

Es gibt aber laut der jüngsten Umfrage einige wenige Schweizer Shops, bei denen der Betrug zu einer Schadenssumme von bis zu 4 Prozent des Umsatzes führt. «Ein kleiner Shop mit wenigen Bestellungen muss aufpassen, wenn das Volumen rasch ansteigt», so Kessler vom VSV. In der Euphorie sei es oft nicht einfach, darauf zu achten, dass der Händler nicht über den Tisch gezogen werde. Denn es gebe kriminelle Banden, welche die Situation von schlecht geschützten Shops ausnutzen würden. Ein so hoher Schaden könne sogar die Existenz des Shops bedrohen.

Patrick Kessler hofft, dass die Zahl der Betrügereien in der Schweiz nicht weiter ansteigt. Im Ausland liege die Verlustquote der Onlinehändler deutlich höher. Internetshops in Deutschland oder Grossbritannien würden mehr betrügerische Bestellungen feststellen, bestätigt auch Onlinehandelsexperte Gamma von Crif. «Wir erwarten, dass die Anzahl der Betrügereien auch in der Schweiz ansteigen wird», sagt Gamma.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.11.2017, 23:20 Uhr

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