Migros und Coop streichen Gratisplastiksäcke

Ab 2020 verzichten Schweizer Detailhändler auf die Gratisabgabe von Plastiksäcken. Dann kosten auch Taschen im Non-Food-Bereich.

Non-Food-Bereich: In Zukunft kostet der Plastiksack beim Einkauf im Ex-Libris. (Symbolbild) Foto: Gaetan Bally/Keystone

Non-Food-Bereich: In Zukunft kostet der Plastiksack beim Einkauf im Ex-Libris. (Symbolbild) Foto: Gaetan Bally/Keystone

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Im Schweizer Detailhandel soll es ab Ende 2020 keine Gratis-Plastiksäcke mehr geben. Die Detailhändler dehnen ihre Branchenvereinbarung zu Einweg-Plastiksäcken auf Mehrweg-Säcke aus. Der Detailhändler Coop will die Vereinbarung Anfang 2020 umsetzen.

In allen zu Coop gehörenden Geschäften wird es schon vom 1. Januar an keine Plastik-Tragetaschen mehr gratis geben, wie Coop mitteilte. Coop will die neue Branchenvereinbarung von Swiss Retail Federation und IG Detailhandel Schweiz zügig umsetzen, wie er schreibt. Gegen Bezahlung sind Plastiktüten allerdings weiterhin zu haben.

Branchenvereinbarung ausgedehnt

Swiss Retail Federation und IG Detailhandel Schweiz verwiesen im Communiqué vom Mittwoch auf die freiwillige Branchenvereinbarung zu den kostenpflichtigen so genannten Raschelsäckchen. Diese werden in der Regel nur ein Mal benutzt und sind für 5 Rappen zu haben. Die Vereinbarung gilt seit 2016, rund 30 Unternehmen sind beteiligt.

Der Verbrauch der Säckchen habe in den beteiligten Lebensmittelläden um 86 Prozent oder 361'212'000 Säckchen gesenkt werden können, schrieben die Verbände. Coop hält fest, selbst pro Jahr 850 Tonnen Neu-Plastik gespart zu haben, seit die Vereinbarung umgesetzt wird.

Swiss Retail Federation und IG Detailhandel Schweiz haben die Vereinbarung nun auf mehrfach verwendbare Plastik-Tragetaschen sowie auf den Non-Food-Bereich ausgedehnt. Unternehmen, die sich anschliessen, verpflichten sich, Plastiksäcke nicht mehr gratis abzugeben.

Wo die Plastikhülle aus hygienischen Gründen nötig ist und auch für den Offenverkauf von Gemüse und Früchten dürfen die Säcke oder Säckchen weiterhin gratis abgegeben werden. Umgesetzt sein soll die Vereinbarung spätestens am 31. Dezember 2020.

Preis bei Coop noch offen

Was Kunden und Kundinnen für Plastiksäcke - sofern diese noch abgegeben werden - bezahlen sollen, lässt die Vereinbarung offen, wie Dagmar Jenni, Geschäftsführerin des Verbandes Swiss Retail Federation, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Das müssten die Mitglieder entscheiden.

Die Branchenverbände gehen laut Jenni von einem Preis aus, der im Bereich der heutigen 20 bis 30 Rappen liegt. Coop hat die Gebühr für die Plastiksäcke noch nicht festgesetzt, wie eine Sprecherin auf Anfrage sagte. Der Erlös der Gebühr geht an den Fonds für Nachhaltigkeit - Coop unterstützt in eigenen Worten «innovative und nachhaltige Projekte».

Coop verweist zudem auf ökologischere Alternativen zu Plastik. Mehrweg-Beutel für Früchte und Gemüse hätten dazu beigetragen, den Verbrauch an Plastiksäckchen um über 10 Prozent zu senken, schreibt der Detailhändler. Für Non-Food-Läden arbeitet Coop an Alternativen, etwa Tragetaschen aus Zellulose oder Recyclingmaterial.

Weniger Plastikabfälle ist das Ziel der Branchenvereinbarung, wie die Verbände schreiben. Ihre Medienmitteilung veröffentlichten sie genau am Tag, an dem die Umweltorganisation Greenpeace Ergebnisse einer weltweiten freiwilligen Plastikabfall-Sammelaktion in 51 Ländern auf allen Kontinenten veröffentlichte.

«Plastikabfall»-Sünder weltweit

Über 72'500 Einzelpersonen und Organisationen sammelten an einem Stichtag weltweit Plastikabfall und ordneten die Stücke - soweit möglich - einer Herstellermarke zu. Von 476'423 Plastikstücken konnten 43 Prozent einer Marke zugewiesen werden.

In den meisten Fällen war dies einer der weltweit grössten Lebensmittelkonzerne. Nestlé liegt auf dem zweiten Platz der Rangliste der «weltweit grössten Verschmutzer». Dem Schweizer Konzern ordneten die Sammler 4846 Abfallstücke aus 31 Ländern zu. «Sieger» Coca-Cola wurde in 37 Ländern 11'732 Mal gefunden.

Greenpeace rief Lebensmittelproduzenten auf, sich für wiederverwertbare, lange nutzbare und auch für Arme bezahlbare Verpackungen zu engagieren. Damit soll der Verbrauch von Einweg-Plastik reduziert werden. Am häufigsten aufgesammelt wurden Plastiktüten, Portionenbeutel und Getränkeflaschen. (aru/SDA)

Erstellt: 23.10.2019, 09:12 Uhr

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