Milch allein ist kein Geschäft mehr

Danone kauft einen Hersteller von Biosojamilch und macht auf gesund. Auch Nestlé und Emmi setzen auf diesen Trend.

Wachsendes Angebot im Kühlregal: Heute sind Soja- und laktosefreie Produkte gefragt.

Wachsendes Angebot im Kühlregal: Heute sind Soja- und laktosefreie Produkte gefragt. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Weniger Zucker, weniger Salz, weniger Fett, mehr Eiweiss, bio, vegan, keine Laktose, ohne Gluten – all das gilt heute bei Konsumenten als gesund. Und für die Nahrungsmittelindustrie ist dieses Prädikat derzeit der Verkaufsbooster.

Davon profitiert beispielsweise der US-Nahrungsmittelhersteller Whitewave. Der Produzent von Biosojamilch, Biojoghurt und Bio-Convenience-Salaten konnte seinen Umsatz, der letztes Jahr bei 4 Milliarden Dollar lag, wegen der wachsenden Gesundheitsnachfrage stark steigern. Whitewave ist in der Schweiz mit der Marke Alpro bekannt – sie steht für Sojamilch und -joghurt.

Rückzieher bei Gesundheitsversprechen

Von diesem Erfolg will nun auch der grösste Joghurthersteller der Welt etwas haben. Der französische Konzern Danone kauft Whitewave für 12,5 Milliarden Dollar. Auch Danone ist in den hiesigen Regalen präsent mit Produkten wie Actimel und Activia. Beides sogenannte Functional-Food-Produkte, die mit Vitaminen beziehungsweise Bifidus angereichert sind und in irgendeiner Form die Gesundheit fördern sollen. Der gesundheitliche Nutzen davon ist allerdings nicht wissenschaftlich erwiesen. Danone musste denn auch vor einigen Jahren seine Gesundheitsversprechen auf den Produkten entfernen.

Nun setzen die Franzosen mit dem Kauf auf Bio und Soja. Dass sich mit normaler Kuhmilch und herkömmlichen Milchprodukten keine fetten Geschäfte mehr machen lassen, haben auch Danone-Konkurrenten in der Schweiz bemerkt.

Ziegen und vegan

Milchverarbeiter Emmi hat in den letzten Jahren Joghurts ohne Zusatzstoffe auf den Markt gebracht oder solche mit hohem Proteinanteil. Auch die Reduktion von Zucker ist in Luzern ein Thema.

Im Ausland übernahm der Konzern kürzlich in den USA eine regionale Biokäserei. Zudem diversifizierte er in den letzten fünf Jahren immer stärker in die Verarbeitung von Ziegenmilch und stieg bei verschiedenen Unternehmen in den USA und den Niederlanden ein. Bekanntestes Beispiel ist Cypress Grove Chevre, ebenfalls in den USA. Das ist einer der wichtigsten Märkte im Geschäft mit der süssen Milch.

Auch vom veganen Milchtrend will Emmi profitieren. Der Verarbeiter produziert deshalb Milchprodukte aus Soja, Mandeln und Lupinen – allerdings nur für Drittkunden und nicht unter der Marke Emmi.

Der medizinische Ansatz von Nestlé

Ebenfalls auf den Gesundheitstrend setzt Nestlé. Der Multi unterzieht die Rezepturen seiner Produkte daher einer Erneuerung. Bis 2018 will er den Zuckergehalt halbieren. «2015 haben wir 18'000 Tonnen Zucker in unseren Produkten eliminiert», sagte Noch-CEO Paul Bulcke kürzlich.

Nestlé geht aber noch einen Schritt weiter. Mit medizinischen Zusätzen in den Lebensmitteln will der Hersteller Krankheiten wie Diabetes, Fettleibigkeit oder Diabetes bekämpfen. Rund 10 Milliarden Franken Umsatz sowie deutlich höhere Margen soll das bringen. Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck hat deshalb mit Ulf Schneider einen Medizintechnikexperten zum neuen Chef gemacht. Er soll den Posten nächstes Jahr übernehmen. Wie erfolgreich das Geschäft mit der Gesundheit wirklich wird, hängt von den Forschungserfolgen ab – und den Gesundheitstrends, welchen die Konsumenten künftig folgen werden.

Erstellt: 07.07.2016, 12:19 Uhr

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