Mit dem Klimawandel rechnen

Der Klimavertrag verändert die Wirtschaft.

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Jetzt also auch die EU: Diese Woche hat das EU-Parlament dem Pariser UNO-Klimaabkommen zugestimmt. Der Schritt erfolgte nur wenige Tage, nachdem die USA, China und Indien den Vertrag von Paris zur globalen Erwärmung formal unterzeichnet und sich an der UNO-Generalversammlung in New York 31 weitere Staaten angeschlossen hatten. Der Vertrag sieht vor, den Kohlenstoffausstoss bis 2020 so weit zu reduzieren, dass der weltweite Temperaturanstieg bei unter zwei Grad Celsius bleibt.

Dass die Regierungen diesmal wirklich handeln wollen, ist ein starkes Signal. Jetzt müssen sie mit den richtigen politischen Entscheiden einen reibungslosen Übergang zu einer Wirtschaft mit geringem Kohlenstoffausstoss ermöglichen. Dazu sollten sie Klarheit darüber schaffen, mit welchen Mitteln sie die Ziele des Vertrags von Paris erreichen wollen. Dabei muss meiner Meinung nach der Fokus auf Massnahmen liegen, die nur Regierungen ergreifen können, etwa die Pflicht zur Energieeffizienz und Emissionsstandards. Ein weiteres Erfordernis sind Standards für konsistente Messungen von Klimafaktoren und für die entsprechenden Berichte. Besonders wichtig ist dafür ein politischer Rahmen, der zu höheren und einheitlicheren Kohlenstoffpreisen führt.

Klimarisiken managen

Neben den Regierungen können aber auch Firmen und Investoren den Klimawandel nicht mehr länger ignorieren. Unternehmen sind gefragt, Klimarisiken zu managen und die Chancen zu nutzen, die sich daraus eben auch ergeben. Die Manager müssen Klimafaktoren in die strategische Planung einbeziehen, und sie müssen den Investoren besser erklären, wie sie mit Klimarisiken und -chancen umgehen – und wie dies den langfristigen Wert der Unternehmen beeinflusst. Schliesslich müssen die klimabezogenen Risiken der Unternehmen in präziser und standardisierter Form veröffentlicht werden.

Für Investoren sehe ich Risiken – aber auch Möglichkeiten! – in vier Bereichen, auf die hin ein klug verwaltetes Portfolio analysiert werden muss: Erstens vermehrt regelmässig vorkommende extreme Wetterereignisse wie Überschwemmungen, Stürme und Hitzeperioden. Zweitens Fortschritte bei der Energiespeicherung, bei elektrisch betriebenen Fahrzeugen, und die Folgen für bestehende Geschäftsmodelle durch mehr Energieeffizienz. Drittens staatliche Emissionsbegrenzung und Standards zur Energieeffizienz, aber auch veränderte Förderprogramme und Steuermodelle. Viertens die Folgen eines veränderten Konsumverhaltens und der Druck von Gruppierungen, die den Ausstieg aus Investments in fossilen Brennstoffen fordern. Diese Faktoren können schon kurzfristig orientierten Anlegern grosse Schwierigkeiten bereiten. Aber je länger der Anlagehorizont eines Investors ist, desto grösser wird das Risiko, das der Klimawandel mit sich bringt.

Die gute Nachricht

Dafür müssen die Anleger aber verstehen, inwiefern sie dem Klimawandel ausgesetzt sind. So können sie die Anlagen in ihrem Portfolio richtig gewichten, um Klimarisiken zu reduzieren. Die Kohlenstoffbilanz eines globalen Aktienportfolios lässt sich um 70 Prozent reduzieren, wenn die Anleger bei der Zusammensetzung um nur 0,3 Prozent vom Index abweichen. Ein Portfolio mit Schwerpunkt auf besonders energieeffizienten Unternehmen kann sogar seinen Vergleichsindex übertreffen. Daraus ergibt sich aber auch die wirklich gute Nachricht für Investoren: Es ist möglich, klimabewusst zu investieren, ohne bei klassischen Zielen der Renditemaximierung Kompromisse eingehen zu müssen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.10.2016, 19:06 Uhr

Der Autor

Philipp Hildebrand

Der ehemalige Präsident der Schweizerischen Nationalbank ist heute Vice Chairman des weltweit grössten Vermögensverwalters BlackRock.

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