Neuer ABB-Chef: Ölmanager mit Krisenerfahrung

Peter Voser war einst Chef des Ölgiganten Shell. Nun übernimmt er bei ABB interimistisch den CEO-Posten.

Peter Voser kurz nach seiner Wahl als Verwaltungsratspräsident von ABB im Jahr 2015. Bild: Ennio Leanza/Keystone

Peter Voser kurz nach seiner Wahl als Verwaltungsratspräsident von ABB im Jahr 2015. Bild: Ennio Leanza/Keystone Bild: Ennio Leanza/Keystone/Keystone

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Ulrich Spiesshofer und Peter Voser waren gut drauf an der 125-Jahr-Feier von ABB. Sie führten durch den Abend, scherzten, lieferten ihre Show ab. Auch als zwei Drohnen mitten auf dem Tisch des CEOs zu Bruch gingen, trübte dies die Stimmung am Abend nicht. Johann Schneider-Ammann übergab Spiesshofer den Schweizer Pass, die gesamte eidgenössische Prominenz applaudierte. Spiesshofer und Voser mimten damals 2016 das eingespielte Team. Heute ist alles anders.

Spiesshofer ist abgesetzt, Verwaltungsratspräsident Voser übernimmt seinen Post beim Technologiekonzern. Zumindest interimistisch und zusätzlich zu seinem Mandat als Verwaltungsratspräsident.

Karriere bei Shell

Voser wurde 1958 im Aargau geboren, machte das KV, absolvierte die Fachhochschule für Wirtschaft in Zürich. 1982 ging er dann zu Shell. Beim Erdölkonzern stieg er nach Stationen in der Schweiz, London, Argentinien und Chile nach und nach auf. 1999 übernahm er als Finanzchef der europäischen Gesellschaften einer Shell-Geschäftssparte.

Im Jahr 2002 holte ihn die ABB in die Schweiz zurück. Er kam zu einem maroden Konzern. Als Finanzchef überzeugte er Banken, Milliardendarlehen zu sprechen. Nach zwei Jahren schien die logische Konsequenz, dass er den Chefposten übernimmt. Doch er wollte nicht, wie die «NZZ am Sonntag» später schrieb. Voser selbst sagte dazu: «Krisenmanager sind nicht die richtigen, um ein Unternehmen in die nächste Phase zu führen.»

Voser ging 2004 zurück zu Shell und wurde CFO des ganzen Konzerns. Er kam zu einer turbulenten Zeit für Shell: Das Unternehmen musste zugeben, dass es weniger Öl in Reserve hat als angegeben. Doch Voser schaffte zusammen mit dem damaligen CEO den Turnaround. 2009 wurde er selbst Chef des damals drittgrössten Konzerns der Welt. Voser war oben angekommen. Als CEO führte er das Unternehmen bis Anfang 2014. Voser trat zurück und kam in die Schweiz, im April 2015 folgte dann der Wiedereinstieg bei ABB.

Bei ABB im Hintergrund

Vosers Karriere klingt wie aus dem Bilderbuch, als Krisenmanager war er erfolgreich tätig. Doch er sass auch im Verwaltungsrat der UBS, als der Staat die Bank retten musste. Und ihm wurde ein Prestige-Amt verwehrt, das seine Karriere gekrönt hätte. Das Verwaltungsratspräsidium beim Pharmakonzern Roche. Die Familie hinter Roche war nicht einverstanden damit, dass ein Ölmanager gewählt wird. Voser landete 2015 bei ABB.

Bei ABB blieb er als Verwaltungsratspräsident im Hintergrund, Spiesshofer war der Mann für die öffentlichen Auftritte. Als der aktivistische Investmentfonds Cevian bei ABB einstieg und die Aufspaltung der Firma forderte, sprach Voser sich öffentlich nie dafür oder dagegen aus.

Mit 61 übernimmt Voser nun noch einmal eine Unternehmensleitung, bis er und der Verwaltungsrat einen Nachfolger für Spiesshofer präsentieren können. Und danach? «Ich bin glücklich, wenn ich wieder nur Präsident bin», sagte Voser bei einer Telefonkonferenz. Er wird die Umgestaltung der Firma weiter begleiten. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 17.04.2019, 17:08 Uhr

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