Neuer Ärger mit dem Swiss Pass

Eigentlich sollten SBB-Kunden Billette nur noch mit Karten-Log-in kaufen können. Doch es gibt Probleme. Die Bahn hat aus diesem Grund die Frist zur Umstellung verlängert.

Der Swiss Pass der SBB sollte das Reisen per Bahn vereinfachen – doch viele Kunden tun sich noch schwer damit. Foto: Thomas Egli

Der Swiss Pass der SBB sollte das Reisen per Bahn vereinfachen – doch viele Kunden tun sich noch schwer damit. Foto: Thomas Egli

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«Damit Sie auch in Zukunft unkompliziert unterwegs sind» – mit diesem Slogan werben die SBB für den Swiss Pass. Für viele Bahnfahrer klingt das wie ein Hohn. Denn die rote Karte ist für viele von ihnen momentan eher der Inbegriff für Kompliziertheit.

Der neueste Grund: Die SBB haben den Ticketkauf per App vollständig auf das Swiss-Pass-Log-in umgestellt. Wer ein Billett kaufen will, kann das inzwischen nicht mehr mit seinen bisherigen Nutzerdaten tun. Doch viele Nutzer haben die Anpassung noch nicht vollzogen. Einige haben es einfach vergessen, andere sind mit der Neuerung überfordert. Oftmals treten auch technische Schwierigkeiten auf. «Ich erhalte immer die Fehlermeldung ‹TUS-3009 / Postleitzahl stimmt nicht›. Ich habe die Postleitzahl geprüft und diese ist korrekt», beklagt sich eine Nutzerin.

Zwang zu Google-Produkt

Zudem funktioniert die Umstellung auf das Swiss-Pass-Log-in nur, wenn der Chrome-Browser installiert ist. Das wussten einige App-Nutzer nicht. Andere wollten sich dem Zwang zum Google-Produkt nicht beugen. Abhilfe wurde ihnen auf Anfang September versprochen. Dann wurden sie auf den 26. September vertröstet. Das hat aber offensichtlich immer noch nicht ausgereicht. Der Bahnkonzern musste seiner eigenen Informatikabteilung nochmals mehr Zeit zur Korrektur zugestehen. Einen neuen Stichtag nennt er nicht mehr. «Das genaue Datum ist noch nicht bekannt», heisst es vom Kundendienst.

Das ähnelt dem Chaos, das SBB-Kunden bei der Umstellung des Webshops auf das Swiss-Pass-Log-in erlebt haben. Sie hätte am 10. August abgeschlossen werden sollen. Auch da waren viele Kunden überfordert, viele scheiterten. Hinzu kamen technische Schwierigkeiten. Er könne sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier «technische Komplexität und Aufwand auf den Nutzer abgewälzt» würden, erklärte damals Usability-Experte Jan Schneider von der Online-Marketingagentur (OMA).

Frist verlängert

Deshalb haben die SBB auch hier die Frist verlängert. Und dies gleich um drei Monate, wie ein SBB-Sprecher bestätigt. Für Billettkäufe auf der Website der SBB benötige man nun «voraussichtlich erst ab Anfang November» das Swiss-Pass-Log-in.

Bitte umstellen! Die SBB-App für Mobilgeräte.

Grund sei, dass man «für die Kunden die bestmögliche Qualität erreichen und die Informatik-Implementierungsrisiken reduzieren» wolle. Das scheint auch nötig zu sein. Beim «Tages-Anzeiger» meldeten sich in den vergangenen Wochen immer wieder frustrierte SBB-Kunden.

Reklamationen sind «stabil»

Von gehäuften Problemen wollen die Schweizerischen Bundesbahnen aber nichts wissen.

«Die Reklamationen bewegen sich bei drei Millionen Swiss-Pass-Nutzern im Mikrobereich und sind stabil.»SBB-Sprecher

Die Herausforderungen seien mit dem bestehenden Personal der hauseigenen Informatik problemlos bewältigbar.

Den Swiss Pass begleiten seit seiner Lancierung im August 2015 Kinderkrankheiten und Kritik. Die Kunden beklagten sich bereits beim Start – und mitunter bis heute – über den mangelnden Nutzen der neuen Karte. So lassen sich häufige Abonnements wie Kinder- und Enkelkarte, Gleis 7, Velo- oder Hunde-GA noch immer nicht darauf laden. Zudem wird die automatische Vertragsverlängerung moniert, auch von den Konsumentenschutzorganisationen.

Frust allenthalben

Seit einigen Monaten kommen die technischen Schwierigkeiten hinzu, was für die SBB umso ärgerlicher ist, als dass ihre neue App von Experten und Publikum als grosser Wurf gelobt worden ist, der das Reisen mit der Eisenbahn noch angenehmer machen werde.

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Wie tief der Frust bei vielen sitzt, zeigt diese Reaktion eines Kunden: «Der Swiss Pass scheint eine Totgeburt von realitätsfremden Marketingleuten zu sein.» Und er fährt fort: «Wie sagten die Indianer? ‹Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest – steig ab!›» Tot ist das Pferd nicht. Aber es hat vielleicht eine Fessel gebrochen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.09.2017, 22:07 Uhr

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