Polizei durchsucht Schweizer Büros von Bastos

Bundesanwaltschaft und Steuerverwaltung ermitteln wegen Verdachts auf Geldwäsche und Steuerdelikte.

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Gleich an vier Standorten haben Polizisten zusammen mit Ermittlern des Bundes am Mittwoch Büros durchsucht und Dokumente beschlagnahmt. Im Zentrum der Aktionen: Jean-Claude Bastos – der durch die Paradise-Papers-Enthüllungen bekannt gewordene Schweizer Geschäftsmann, der mit seiner Quantum-Global-Gruppe bis vor kurzem den Staatsfonds Angolas verwaltet hat.

Hinter den Hausdurchsuchungen stehen zwei unterschiedliche Behörden. Die Eidgenössische Steuerverwaltung nahm sich gemäss Recherche Bastos’ Family Office an der Stockerstrasse in Zürich vor, die Turtle Management AG, sowie den Hauptsitz der Quantum-Global-Gruppe in Zug. Sie hat laut zwei Quellen ein Steuerstrafverfahren eröffnet, das sich gegen Firmen, aber auch gegen Bastos und den bekannten Zuger Wirtschaftsanwalt und Quantum-Global-Verwaltungsratspräsident Thomas Ladner richten soll. Weder Bastos noch Ladner wollten sich dazu äussern. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Der zweite prominente Verwaltungsrat der Schweizer Quantum-Global-Firmen, Anwalt Martin Neese, gab gestern Abend bekannt, dass er «mit sofortiger Wirkung» aus den Quantum-Global-Verwaltungsräten zurückgetreten sei. Neese ist unter anderem Präsident des Vereins zur Qualitätssicherung von Finanzdienstleistungen (VQF).

Es geht um Angolas Staatsgeld

Die Bundesanwaltschaft ihrerseits führt schon seit April ein Strafverfahren «im Zusammenhang mit möglichen Straftaten gegen das Vermögen des angolanischen Staatsfonds und der angolanischen Nationalbank», wie sie auf Anfrage bekannt gibt. Das Verfahren läuft derzeit gegen Unbekannt wegen Verdachts auf Geldwäscherei. Unterstützt von der Bundespolizei führte die Bundesanwaltschaft am Mittwoch «an mehreren Standorten in der Schweiz» Hausdurchsuchungen durch. Gemäss Recherche fanden diese bei zwei Finanzintermediären in den Kantonen Zürich und Zug statt. Weiter schreibt die Bundesanwaltschaft, sie habe Kenntnis vom Verfahren einer anderen Behörde (Anmerkung: die Steuerverwaltung), und sie habe sich mit dieser koordiniert.

Ebenfalls aktiv geworden ist die Finanzmarktaufsicht Finma. Sie habe Kenntnis von den Untersuchungen der Bundesanwaltschaft und treffe derzeit Abklärungen in deren Kontext, schreibt ein Sprecher auf Anfrage.

Die seit November veröffentlichten Enthüllungen aus den Paradise Papers hatten gezeigt, wie Bastos mit Quantum Global den Staatsfonds von Angola verwaltet und dabei persönlich stark profitiert hat. Einerseits kassierte er sehr hohe Managementgebühren, andererseits liess er den Staatsfonds mehrere Hundert Millionen Dollar in Projekte investieren, die ihm selber gehören.

Dass sich die Bundesanwaltschaft nun nicht nur mit dem Staatsfonds, sondern auch mit der Nationalbank Angolas beschäftigt, lässt vermuten, dass ihr Verfahren im Zusammenhang mit einem Fall steht, der auch in Angola Ermittlungen ausgelöst hat. Der mit Bastos eng vertraute ehemalige Chef des Staatsfonds und Sohn des Ex-Präsidenten Angolas, José Filomeno dos Santos, versuchte letzten Herbst, 500 Millionen Dollar der Nationalbank aus dem Land zu schaffen. Den Geldtransfer fädelte er gemäss übereinstimmenden Medienberichten zusammen mit dem damaligen Präsidenten der Nationalbank ein. Der Transfer wurde aber bei einer Bank in London gestoppt und rief die dortigen Behörden auf den Plan. Inzwischen ermittelt die angolanische Staatsanwaltschaft gegen José Filomeno dos Santos und den ehemaligen Nationalbankchef unter anderem wegen Betrugs, Veruntreuung und Geldwäsche.

Bastos’ Holding in Zypern

Die Eidgenössische Steuerverwaltung beantwortet mit Verweis auf das Steuergeheimnis keine Fragen zu ihrem Verfahren. Es ist gut möglich, dass auch dieses in Zusammenhang mit den Enthüllungen aus den Paradise Papers steht. Dokumente aus dem Datenleck zeigten unter anderem, wie Bastos allein 2014 und 2015 über 70 Millionen Dollar aus der Verwaltung des Staatsfonds via Mauritius zu einer Schweizer Quantum-Global-Firma und auf ein privates Tessiner Bankkonto schleuste. Bastos gehören nach eigenen Angaben 95 Prozent der Aktien der Schweizer Quantum-Global-Firmen. Einem Dokument aus den Paradise Papers zufolge nutzt er dazu eine Holding auf Zypern.

Bastos hält sich laut seinem Sprecher derzeit in Angola auf. Er steckt dort inzwischen in einem grossen Streit mit der neuen Führung des Staatsfonds. Diese hat Bastos als Fondsverwalter abgesetzt und weltweit Sperren von Bastos’ privaten und geschäftlichen Bankkonten erwirkt. Bastos betonte in früheren Stellungnahmen, er habe jederzeit alle Gesetze und Verträge eingehalten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.05.2018, 13:54 Uhr

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