Risiko-Report: Das sind die Gefahren für den Schweizer Finanzplatz

Erstmals gibt die Finma Einblick in ihren Gefahren-Radar. Sieben Risiken, die den Banken schaden können.

Der Immobilienboom in der Schweiz scheint kein Ende zu kennen, ist für die Banken aber ein Risikofaktor: Modell einer Überbauung. Foto: Keystone.

Der Immobilienboom in der Schweiz scheint kein Ende zu kennen, ist für die Banken aber ein Risikofaktor: Modell einer Überbauung. Foto: Keystone.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der heute erstmals publizierte Risikobericht der Finanzmarktaufsicht Finma stellt die kurzfristigen Risiken für den Finanzplatz vor. Der Monitor war bislang ein internes Arbeitsinstrument, das sie in dieser Form seit fünf Jahren verwendet. Nun will ihn die Behörde jährlich veröffentlichen. So will sie für mehr Transparenz sorgen. Laut Finma-Chef Mark Branson ist die Liste aber nicht abschliessend, die vorgestellten Risiken seien aber die drängendsten: «Es ist eine sehr diverse, aber eigentlich eine kurze Liste.»

1. Tiefe Zinsen
Als Erstes nennt die Finma das Niedrigzinsumfeld. Die tiefen Zinsen «erhöhen das Risiko von Preisblasen» und dass diese plötzlich platzen. Sie stellen auch bestimmte Geschäftsmodelle grundsätzlich infrage. Bleiben die Zinsen auf dem aktuell tiefen Niveau hätten bestimmte Geschäftsmodelle kaum noch eine Zukunft. Dies gelte vor allem für Banken mit einem Fokus auf das Zinsdifferenzgeschäft und auf Lebensversicherungen.

Viele Banken sind dazu übergegangen, die Negativzinsen für Bareinlagen an eine grössere Kundengruppe weiterzugeben, das kann laut der Finma zu einem Risiko werden. Die Aufsicht nennt zwar die Gefahr eines Bankruns, also dass viele Kunden ihr Geld abheben, nicht – doch schreibt sie, dass es schwierig abzuschätzen sie, wie die Strafzinsen auf die Kunden wirken.

2. Blase am Hypothekenmarkt
Seit längerer Zeit schon warnen die Finma und die Schweizerische Nationalbank (SNB) vor den Gefahren am Hypothekenmarkt. So auch wieder im neuen Bericht. «Die stark gestiegenen Leerstände bei Wohnrenditeobjekten und die weiterhin rege Bautätigkeit verschärfen die Risiken im Schweizer Immobilien- und Hypothekarmarkt», heisst es da. Doch würde die Investoren wegen des Tiefzinsumfelds weiter händeringend nach Anlagen mit höheren Renditen suchen. «Daher investieren sie trotz zunehmenden Leerständen und sinkenden Mieten verstärkt in Immobilien», so die Finma.

Die Banken haben sich selber strengere Selbstregulierungsmassnahmen auferlegt. Sie sollen ab dem 1. Januar 2020 greifen. Laut Finma-Chef Branson sei aber noch nicht klar, ob sie ausreicht. Denn 25 Prozent der Renditeliegenschaften werden von Privatpersonen gekauft, mit der Absicht sie zu vermieten. Das sogenannte «Buy to let» ist aber kein Teil der Selbstregulierung der Banken. Die Finma will daher, dass die Banken auch in diesem Bereich vorsichtiger agieren.

Die Aufsicht ergreift daher weitere Massnahmen: Sie wird bei jenen Finanzinstituten stärker hinschauen, die im Hypothekargeschäft stark wachsen. Zudem wird sie bei den Versicherungen einen Stresstest durchführen, um so ihre Risiken durch ihre Immobilien- und Hypothekengeschäfte abschätzen zu können.

3. Gefahr durch Hackerangriffe
Auf andere Gefahren geht der Bericht kürzer ein. So etwa auf das Risiko durch Hackerattacken. So könne ein erfolgreicher Cyberangriff schwerwiegende Folgen für den Schweizer Finanzplatz haben. «Beispielsweise könnten im Falle eines Cyberangriffs Finanzdienstleistungen unter Umständen nicht oder nur verzögert erbracht werden.»

Hacker können in das System der Banken eindringen und ihnen schaden. Foto: Getty Images

4. Zu langsamer Abschied vom Libor
Der Referenzzinssatz Libor hat ausgedient. Er wurde von mehreren Banken jahrelang manipuliert und soll daher ersetzt werden. Nachfolge-Lösungen wie der Saron sind aufgegleist. Doch ist die Ablösung des Libors für viele Banken offenbar schwerer als gedacht. Laut der Finma drohen drei Gefahren: Rechtsrisiken, Bewertungsrisiken und Risiken im Zusammenhang mit der operationellen Bereitschaft. Das heisst, der neue Referenzzins ist zwar da, doch die Banken sind mit der Einführung in Verzug oder haben noch nicht realisiert, was auf sie zukommt. Zwar hat eine Umfrage der Finma bei den Banken gezeigt, dass sie sich mit dem Problem auseinandersetzen - doch wird bei vielen noch zu wenig unternommen. «Viele Banken wissen nicht, wie viele LIBOR-basierte Verträge sie ausstehend haben, die über 2021 hinaus gültig sind», so Jan Blöchliger, bei der Finma Leiter des Geschäftsbereichs Banken. Auch sei es gefährlich, dass Banken noch immer Libor-Hypotheken vergeben, obwohl sie keine sichere Ablöseregelung dafür hätten.

5. Ewig lockt die Geldwäscherei
Was früher ein Kavaliersdelikt war, könnte durch die schwierige wirtschaftliche Lage einiger Banken wieder zur Gefahr werden: die Geldwäscherei. «Aufgrund sinkender Margen könnten Finanzinstitute den Geschäftsentscheid treffen, rentable Neukunden aus relativ risikoreichen Schwellenländern mit hoher Korruptionsgefahr aufzunehmen», heisst es im Finma-Bericht. Die letzten Skandale, wie etwa der um den malaysischen Staatsfonds 1MDB oder der um den Petrobras-Konzern in Brasilien, würden zeigen, dass die Risiken im grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäft hoch bleiben. Dies, obwohl viele Institute besser aufpassen.

Durch den technischen Fortschritt drohen hier zudem neue Gefahren. Neue Technologien können benutzt werden, um die bisherigen Regeln zu umgehen. «Missstände bei im Fintech-Bereich tätigen Finanzinstituten könnten die Reputation des Finanzplatzes stark beeinträchtigen und die Entwicklungen im Zuge der Digitalisierung bremsen.»

6. Kein Marktzugang
Der Schweizer Finanzplatz ist eine Exportindustrie. Daher ist er darauf angewiesen, dass ihm im Ausland die Türen offenstehen. Das könnte sich laut der Finma aber unter Umständen ändern. Darunter würde dann das Geschäft der Banken leiden.

Die Skyline von Frankfurt ist durch die hohe Konzentration von Unternehmen der Finanzbranche gezeichnet. Foto: Getty Images

7. Das Klima wird zum Risiko
Überraschend kommt die Finma zum Schluss, dass durch den Klimawandel finanzielle Gefahren auf den Finanzplatz zukommen können. Dies weil die Banken zu spät erkennen könnten, wie stark eine Firma unter dem Klimawandel leidet. Dadurch könnten deren Aktien stark an Wert verlieren, oder sie könnte ihre Kredite nicht mehr bedienen. Sollten die Gefahren dann erkannt werden, könnte es schon zu spät sein.

«Es ist nicht auszuschliessen, dass die Märkte die beschriebenen Risiken spät, dann aber mit starken Anpassungen einpreisen würden», schreibt die Finma. Der Preisschock würde sich dann negativ auf die Vermögensverwalter auswirken.

Auch das «Greenwashing» bereitet der Behörde sorgen. Das bedeutet, wenn ein Finanzdienstleiser ein Anlageprodukt als besonders grün verkauft, dieses sich aber später als Mogelpackung erweist. Bei grünen Finanzanlagen sei die Nachfrage derzeit sehr hoch und dieser Hype könne ausgenutzt werden, so Branson.

Erstellt: 10.12.2019, 10:01 Uhr

Artikel zum Thema

Hypothekenmarkt: Stresstest schreckt die Banken auf

Eine Untersuchung des Bundes belegt das Ausmass der Probleme im Immobiliensektor. Nun handeln die Banken – bevor die Finma eingreift. Mehr...

So will die Finma das umstrittene Libra-Projekt angehen

Die Facebook-Währung wird wegen der Risiken hohen Anforderungen unterliegen. Mehr...

Ein Seitenwechsel sorgt für Unruhe

Jörg Gasser zog es vom Bund zur Bankiervereinigung. Kurz davor schrieb er noch einen Gesetzesentwurf. Ist es Zufall, dass dieser so bankenfreundlich ausgefallen ist? Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Ganz schön angeknipst: Ein Mitglied des Bingo Zirkus Theater steht anlässlich des 44. internationalen Zirkusfestivals in Monte Carlo auf der Bühne. (16. Januar 2020)
(Bild: Daniel Cole ) Mehr...