Roaming-Vergleich: «Völlig überrissene Preise»

Wer im Ausland übers Handynetz im Internet surft, löst besser ein Datenpaket. Die Standardtarife sind bis zu 975-mal höher, zeigt eine aktuelle Analyse.

Mobilfunknutzer, die sich vor dem Aufenthalt im Ausland nicht mit dem Thema Roaming befassen, können böse Überraschungen erleben. Foto: Tobias Schwarz (AFP)

Mobilfunknutzer, die sich vor dem Aufenthalt im Ausland nicht mit dem Thema Roaming befassen, können böse Überraschungen erleben. Foto: Tobias Schwarz (AFP)

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Wer ausländische Mobilfunknetze für den Internetzugang nutzt, sollte wenn nötig Datenpakete lösen, um am Ende des Monats hohe Rechnungen zu vermeiden. Warum sich diese Empfehlung lohnt, zeigt eine aktuelle Analyse der Stiftung für Konsumentenschutz zu Roamingtarifen in beliebten Ferienländern. Diese Zeitung hat exklusiven Einblick in die Resultate erhalten.

Die Konsumentenschützer haben bei den grossen Mobilfunkbetreibern die Standardgebühren für Datenroaming mit den Preisen für die kostengünstigeren Pakete vergleichen lassen. Dabei stechen Salt und UPC ins Auge. Bei Salt kann der Standardtarif je nach Preismodell bis zu 975-mal höher ausfallen als die Gebühr fürs Datenpaket, bei UPC bis zu 263-mal. Beim Marktführer Swisscom ist der Standardtarif bis zu 33-mal teurer als der Paketpreis.

Auf eine andere Branche wie die Gastronomie übertragen, hiesse das: Löst der Kunde im Restaurant eine Kaffee-Option, erhält er das Getränk zum Preis von 4.20 Franken. Vergisst der Konsument aber, diesen Sondertarif zu buchen, oder ist er sich dieser Regelung nicht bewusst, kostet der Kaffee – analog dem Beispiel von Salt – bis zu 4095 Franken.

Für den Konsumentenschutz ist das ein klarer Hinweis, dass die Anbieter beim Roaming hohe Margen erwirtschaften: «Der Vergleich zeigt, dass die Telecomanbieter teilweise völlig überrissene Preise für die Handynutzung im Ausland verlangen», sagt André Bähler, Leiter Politik und Wirtschaft. Die Organisation fordert, dass der Bundesrat in der Fernmeldeverordnung Preisobergrenzen für Roamingtarife festlegt.

Preisüberwacher schaut hin

Auch der Preisüberwacher behält das Roaming im Auge. Er nehme regelmässig Stellung dazu und werde «alle Gelegenheiten nutzen, um gegen überhöhte Preise zu kämpfen», sagt Stefan Meierhans.

Spätestens seit dem Juni 2017 ist das Thema auch bei der hiesigen Politik endgültig angekommen. Seit diesem Zeitpunkt untersagt die Europäische Union den Mobilfunkanbietern im EU-Raum, Zuschläge fürRoaming zu verrechnen. Die Schweiz zementiert ihre Position als Hochpreisinsel.

Zwar zeigen repräsentative Umfragen, dass die Schweizerinnen und Schweizer die Roaminggebühren am liebsten abschaffen möchten. Doch der Nationalrat hat im vergangenen Frühling einen solchen Vorstoss abgelehnt. Die Gegner argumentierten, dass in vielen neuen Abonnements das Roaming bereits inbegriffen sei oder vergünstigte Roamingoptionen zur Verfügung stünden.

Die Handhabung von Optionen sei nicht in jedem Fall kundenfreundlich, sagt Oliver Zadori vom Vergleichsportal Dschungelkompass. Nicht nur müsse der Kunde vor der Abreise ins Ausland in etwa abschätzen, wie hoch sein Datenverbrauch sein werde. «Denn je grösser das Paket ist, desto tiefer fällt der Preis pro Megabyte aus», so Zadori.

Ein Ärgernis sei auch, dass die meisten Datenpakete nach 30 Tagen verfallen und wieder eine neue Option bezahlt werden müsse. Dschungelkompass hat für den Konsumentenschutz die Analyse erstellt. Ein fairer Vergleich von Roaminggebühren für Sprachtelefonie ist aufgrund der uneinheitlichen Preismodelle nicht möglich.

Der Bundesrat wiederum verzichtet darauf, in seinen überarbeiteten Ausführungsbestimmungen zum Fernmeldegesetz die Roamingtarife zu deckeln. Stattdessen sollen die Telecomanbieter bei den Anrufen sekundengenau abrechnen und nicht mehr auf eine ganze Minute aufrunden dürfen. Dasselbe Prinzip gilt beim Datenverbrauch: Hier soll neu per Kilobyte abgerechnet und nicht mehr auf das Megabyte aufgerundet werden. Aktuell läuft die Vernehmlassung zu diesen Vorschlägen.

500 Millionen Franken Roaming-Umsatz

Roaminggebühren fallen an, damit der Kunde eines Schweizer Mobilfunkanbieters über ein ausländisches Netz Gespräche führen kann und mit dem Internet verbunden ist. Im Jahr 2017 setzten die hiesigen Anbieter mit Roaming knapp eine halbe Milliarde Franken um.

Seit acht Jahren sind diese Einnahmen jedoch rückläufig. Gründe sind der steigende Preisdruck und die Möglichkeit, übers drahtlose Internet anstatt über die ausländischen Mobilfunknetze zu telefonieren.

Salt bestätigt auf Anfrage, dass bei gewissen Prepaid-Angeboten die Standardtarife für Datenroaming in der EU höher sind als die Preise mit einer Roamingoption. Das Unternehmen sei daran, insbesondere beim Vorbezahlmodell die Tarife zu prüfen und zu überarbeiten.

UPC weist darauf hin, dass die Kunden im Ausland den Standardtarif umgehen können – etwa mit der Möglichkeit, sich weltweit kostenlos mit 10 Millionen Zugangspunkten für drahtloses Internet zu verbinden.

Eine UPC-Sprecherin sagt: «Sollten unsere Kunden dennoch den Standardtarif nutzen, ist bei der Standardeinstellung des Abonnements die monatliche Kostenlimite auf 200 Franken begrenzt.» Diese Sperre solle die Kunden vor zu hohen Gebühren schützen. Diese Kostengrenze könne individuell angepasst werden.

Erstellt: 17.01.2020, 09:49 Uhr

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