Roche setzt Milliarden auf die neue Gentherapie

Roche folgt Novartis und kauft mit Spark einen Anbieter der zukunftsträchtigen Behandlungsmethode.

Roche-Hauptquartier in Basel: Der Pharmakonzern will das Feld in der Gentherapie nicht den anderen überlassen. Foto: Reuters

Roche-Hauptquartier in Basel: Der Pharmakonzern will das Feld in der Gentherapie nicht den anderen überlassen. Foto: Reuters

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Roche-Chef Severin Schwan scheut keine Risiken: Der Pharmariese will für 4,3 Milliarden Dollar das Biotech-Unternehmen Spark Therapeutics kaufen, das im vergangenen Jahr nur 65 Millionen Dollar Umsatz erwirtschaftete und 79 Millionen Dollar Verlust machte.

Mit der Übernahme will sich Roche ein Stück Zukunft kaufen. Und die ist teuer. Spark entwickelt neue Gentherapien gegen erbliche Blindheit und die Bluterkrankheit. «Die Chance besteht darin, den Menschen mit Hämophilie (Bluterkrankheit, d. Red) eine noch bessere Gentherapie zur Verfügung zu stellen», sagt Roche-Chef Schwan zu dieser Zeitung.

Teuer und einmalig

Es geht um einen guten Startplatz im Rennen um diese neue Behandlungsform. Roche folgt hier Wettbewerber Novartis, welcher mit dem Zukauf von Avexis mit 8,7 Milliarden Dollar ebenfalls viel Geld in die Hand genommen hat.

Das Prinzip der Gentherapie klingt nach Science-Fiction, doch Spark hat mit Luxturna ein Mittel gegen erbliches Erblinden auf den Markt gebracht, das funktioniert. Hierbei wird ein Virus gentechnisch entkernt und ein neues Gen eingesetzt. Die Hülle des Virus wird dann als Träger genutzt, um das fehlende Gen im Körper einzubringen.

Der Vorteil: Die Behandlung ist einmalig. Nachteil: Sie ist teuer. Luxturna ist in den USA und Europa zugelassen. In den USA verlangt Spark für das Mittel 850 000 Dollar. Im vergangenen Jahr hat Spark in den USA 75 Behandlungen verkauft. Ausserhalb der USA liegen die Vermarktungsrechte bei Novartis, hier steht der Preis noch nicht fest.

Die Branche hofft, mit der neuen Technologie den Schlüssel zur Heilung einer ganzen Reihe von Krankheiten gefunden zu haben. Dank des Zukaufs «bekommt Roche eine führende Position in dem sich entwickelnden Feld der Gentherapien», loben zum Beispiel die Analysten der US-Bank Morgan Stanley. Laut Schwan war Roche nicht der einzige Bieter für Spark. Welcher Konzern mitgeboten hat, verrät er aber nicht.

Spark hat eine Reihe von Behandlungen in der Pipeline, die auf dem oben beschriebenen Ansatz beruhen. Für Roche ist der wichtigste der Kandidat SPK- 8011, eine Behandlung gegen die Bluterkrankheit. Hier hat Roche mit Hemlibra bereits ein erfolgreiches Mittel im Angebot. Kauft Roche mit Spark also einen Wettbewerber weg?

«Nein. Beide Therapien ergänzen sich», sagt Roche-Chef Schwan. «Die Gentherapie von Spark verspricht, dass Bluterpatienten nur eine einzige Behandlung brauchen.» Doch die Therapie spricht bei vielen Patienten nicht an, weil das Immunsystem die Behandlung blockiert. «Für diese Menschen bleibt Hemlibra die Alternative.»

Spark ist hier aber nicht allein und liegt im Rennen mit dem US-Biotech-Unternehmen Biomarin sogar hinten. Biomarin hatte im Sommer für seine Bluter-Gentherapie Valrox bessere Studiendaten als jene von Spark vorgelegt. Das führte dazu, dass der Kurs von Spark um 27 Prozent nach unten krachte.

Auch Roche kann sich irren

«Biomarin hat rund ein Jahr Vorsprung», räumt Schwan ein, denn Biomarin soll bereits in diesem Jahr Ergebnisse seiner Phase-III-Studie vorlegen. Spark dagegen wird erst 2019 die Phase-III-Studie für SPK-8011 beginnen. «Dennoch sind wir von den Chancen der Therapie von Spark überzeugt, denn laut den bisher vorliegenden Testergebnissen wirkt die Spark-Therapie länger, zudem lässt sich ihre Wirkung besser prognostizieren», sagt Schwan. «Es ist besser, Erster zu sein; bei dieser neuen Gentherapie halte ich den Zeitvorteil nicht für so entscheidend, da es alternative Behandlungsmöglichkeiten gibt», urteilt Stefan Schneider, Pharma-Experte bei Vontobel. Da bei der Gentherapie nur eine Behandlung nötig ist, sei entscheidend, wie das Sicherheitsprofil ist. «Wenn die Spark-Therapie hier gegenüber dem Produkt von Biomarin überzeugen kann, ist es zweitrangig, dass Spark als Zweites auf den Markt kommt.»

Doch auch Roche kann sich ­irren: wie bei Intermune. Über 8 Milliarden Franken kostete 2014 der Kauf. Doch die Absätze ihres Mittels gegen Lungenfibrose haben nie die Erwartungen erfüllt. Ein Milliardenabschreiber war die Folge.

Erstellt: 25.02.2019, 23:21 Uhr

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