Rolex zwingt Berner Unternehmen zur Namensänderung

Tudor Scan Tech produziert im Berner Jura Hightechgeräte. Bei Rolex störte man sich am Firmennamen.

Teil des Rolex-Konzerns: Stand von Tudor an der Uhren- und Schmuckmesse Baselworld. Foto: Gianluca Colla (Bloomberg, Getty Images)

Teil des Rolex-Konzerns: Stand von Tudor an der Uhren- und Schmuckmesse Baselworld. Foto: Gianluca Colla (Bloomberg, Getty Images)

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Es war ein grosser Erfolg für die kantonale Wirtschaftsförderung: 2014 konnte sie bekannt geben, dass eine rumänische Firma in Saint-Imier eine Fabrik bauen wird. Das Uhrmacherstädtchen im Berner Jura solle mit 130 neuen Arbeitsplätzen und Investitionen von 45 Millionen Franken gesegnet werden. Im Sommer 2016 machte sogar die Landesregierung auf ihrem Bundesratsreisli halt beim Unternehmen in Saint-Imier.

In der nun fertig gebauten Fabrikhalle will das Unternehmen Tudor Scan Tech AG etwas herstellen, das Terroristen und Drogenbaronen das Leben schwer machen soll: ein Röntgengerät, das ganze Flugzeuge durchleuchten kann und Sprengstoff, Waffen, Munition sowie Drogen erkennt – ähnlich wie bei der ­Gepäckkontrolle. Der Scanner ist auf einen Lastwagen montiert und kann an einem Kran-Arm ausgefahren werden.

Wenn bei einem Flugzeug Verdachtsmomente auftauchen, soll es künftig am Flughafen am Scanner vorbeigezogen werden. Personen dürfen sich wegen der Röntgenstrahlung nicht darin befinden. «Die physische Durchsuchung dauert zwei Stunden und deckt nur 80 Prozent des Flugzeugs ab», sagt Firmen­inhaber Mircea Tudor. Mit seinem Scanner könne das gesamte Flugzeug innert Minuten durchsucht werden.

Tudor möchte jedem Flughafen auf der Welt einen Scanner verkaufen – «ein Milliardenmarkt». Die US-Behörde Transportation Security Administration habe das Unternehmen zu einem Test eingeladen. Und derzeit laufen laut Tudor Verhandlungen mit den ägyptischen Behörden. Das ist wohl kein Zufall, denn 2015 stürzte ein in Sharm al-Sheikh gestartetes russisches Flugzeug ab, vermutlich wegen der Explosion einer unentdeckten Bombe.

Bekannt als Uhr oder TV-Serie?

Im Februar soll die Produktion in der neuen Fabrik in Saint-Imier aufgenommen werden. Es ist nicht die einzige Herausforderung für das Unternehmen. Denn am bernischen Handelsgericht ist eine Klage der Montres Tudor SA eingegangen. Der zum Genfer Rolex-Konzern gehörende Uhrenhersteller wollte dem Scanner-Entwickler verbieten, den Namen Tudor zu verwenden. «Uhren und Sicherheitsscanner sind nicht so unterschiedlich», sagte die Kläger-Anwältin Muriel Künzi gestern im Gerichtssaal. «Beide Unternehmen stellen technische Waren im Bereich der Präzisionsmechanik und Mikrotechnik her.» Sie hielt zudem fest, dass es sich bei Tudor in der Schweiz nicht um einen gängigen Namen handle.

Das Unternehmen im Berner Jura hat sich seit der Gründung 2014 zwar bereits zweimal umbenannt: Zuerst von Tudor Tech SA in Tudor Scan Tech SA, und im Mai wurde aus dem SA ein AG. Die Rolex-Tochter hielt jedoch an ihrer Klage fest. Der rumänische Unternehmer Mircea Tudor wollte jedoch unter keinen Umständen auf seinen Familiennamen in der Firmenbezeichnung verzichten.

Sein Anwalt Bernard Volken sagte gestern vor Gericht, Tudor sei einem breiten Publikum als Familienname bekannt, unter anderem durch die Fernsehserie «Die Tudors», bei der es um das britische Adelshaus geht. Und er verwies darauf, dass der Rolex- und Tudor-Gründer nicht ­Tudor geheissen habe. Zudem seien die Geschäftsbereiche der Klägerin und der Beklagten «vollkommen unterschiedlich». Er warf der Uhrenherstellerin vor, «ausserordentlich aggressive» Forderungen gestellt zu haben.

Nach langen Verhandlungsrunden konnten die Richter die beiden Parteien dennoch zu einem Vergleich bewegen. Die Tudor Scan Tech AG muss ihrem Firmennamen noch den Vornamen des Inhabers voranstellen und heisst künftig also Mircea Tudor Scan Tech AG. Die ­Rolex-Tochter akzeptiert zähneknirschend den Namen Tudor. So muss die Firma in Saint-Imier weder ihre Internet­adresse noch ihre Markeneintragung ­ändern.

Rolex will Uhren-Ausschluss

Ob der Uhrenhersteller bei einem Gerichtsentscheid Erfolg gehabt hätte, ist offen. Denn er hat bisher auch die Existenz anderer Schweizer Firmen mit dem Wort Tudor im Namen akzeptiert. Der Uhrenhersteller konnte der Firma von Mircea Tudor jedoch nicht nur die Namensänderung abringen. Sie muss gemäss der gestern unterzeichneten Vereinbarung auch ihren Zweck im Handelsregister ändern. Rolex besteht nämlich darauf, dass der Bereich Uhren und besonders der Smartwatches explizit vom Geschäftszweck ausgeschlossen werden.

Da Mircea Tudor gemäss eigener Aussage nie vorhatte, in die Uhrenherstellung einzusteigen, sei diese Auflage für ihn auch kein Problem. Hauptsache, er kann sich nun wieder um die Vermarktung seiner Scanner kümmern.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.12.2017, 22:40 Uhr

Tudor Scan Tech

Von Rumänien in die Schweiz

Seit Mitte der Neunzigerjahre hat Mircea Tudor in Rumänien mit seinem Technologieunternehmen MB Telecom an der Entwicklung des Flugzeugscanners gearbeitet. Dass Tudor die Produktion in der Schweiz statt in Rumänien aufbaut, erstaunt. Oft ist es umgekehrt: Hierzulande wird geforscht und entwickelt, in Osteuropa fabriziert. Tudor wollte wegen des guten Rufs des Produktionsstandorts Schweiz hierhinziehen. Denn bei Sicherheitsprodukten spiele die Herkunft eine besondere Rolle. «Von der Schweiz aus können wir überallhin verkaufen: in die USA, nach Russland und so weiter», sagt Mircea Tudor – dies dank der Neutralität der Schweiz.

Der Unternehmer hat seinen eigenen Wohnsitz in die Schweiz verlegt, zudem ist die Tudor Scan Tech AG in St-Imier die Besitzerin seiner rumänischen Firmen, was steuerlich wohl attraktiv ist. Der Kanton Bern hat dem Unternehmen Steuererleichterungen gewährt, um sich in der Konkurrenz der potenziellen Fabrikstandorte durchzusetzen. Stossen die Scanner auf eine grosse Nachfrage, profitiert auch der Zulieferer Comet davon, ein Röntgenröhrenhersteller im freiburgischen Flamatt. (sul)

Mircea Tudor
Foto: PD

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