SNB dürfte erst bei 1.10 Franken pro Euro intervenieren

Warum die jüngste Aufwertung des Frankens vorerst kein Problem zu sein scheint.

Alles bleibt beim Alten, ergab die SNB-Lagebeurteilung. Foto: Urs Jaudas

Alles bleibt beim Alten, ergab die SNB-Lagebeurteilung. Foto: Urs Jaudas

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Noch am Mittwoch lieferten die jüngsten Daten der Ökonomen des Bundes das Bild einer auf Hochtouren brummenden Schweizer Konjunktur: Sie erwarten neu ein Wachstum von 2,9 Prozent in diesem Jahr. Dennoch hält die Schweizerische Nationalbank (SNB) weiter an ihrer expansiven Geldpolitik mit Negativzinsen von ­-0,75 Prozent und der Bereitschaft zu Interventionen auf den Devisenmärkten fest, um den Franken bei Bedarf zu schwächen. Das teilte sie gestern im Rahmen ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung mit.

Die meisten professionellen Beobachter sind von einem solchen Entscheid ausgegangen. Es herrscht weitgehend die Ansicht vor, dass die SNB die Zinsen erst nach oben bewegt, wenn die Europäische Zentralbank vorangeht. Und deren Chef Mario Draghi hat bereits mehrmals wiederholt, dass sein Institut das mindestens bis zum nächsten Sommer nicht zu tun gedenkt.

Die Vorsicht der Nationalbank dürfte dennoch auf wachsenden Widerstand stossen. Die Negativzinsen verursachen vor allem den Banken hohe Kosten. Gemäss einer Berechnung des «Wall Street Journal» belaufen sie sich bisher auf rund 5,2 Milliarden Franken. Die weiter anhaltende Tiefstzinsphase bringt zudem das Risiko von Fehlinvestitionen mit sich und massiven Anpassungsproblemen, wenn die Zinsen einst ansteigen – das gilt vor allem für den Immobilienmarkt.

Ein anderes Vorgehen als die SNB hat gestern die norwegische Notenbank bekannt gegeben: Erstmals seit sieben Jahren hat sie ihren Leitzins angehoben – von 0,5 auf 0,75 Prozent. Wie die Schweiz hat auch Norwegen eine unabhängige Währung und ist stark von Exporten in die Eurozone abhängig.

Der Grund für die Vorsicht der SNB ist die Sorge vor einer weiteren scharfen Aufwertung des Frankens. Die Schweizer Währung hat mehr als jene von Norwegen den Status eines sicheren Hafens in unsicheren Zeiten.

Anhaltende Risiken

Eine Reihe von Entwicklungen hat jüngst den Franken wieder verteuert: Da sind die Risiken im Zusammenhang mit dem vom US-Präsidenten Donald Trump losgetretenen Handelskrieg, die politischen Entwicklungen in Italien, die im schlimmsten Fall die Eurozone erneut in die Krise stürzen können, und die Krise um Schwellenländerwährungen wie den argentinischen Peso oder die türkische Lira. Zwischen April und September zeigte sich die Frankenaufwertung in einer Verbilligung des Euro von 1.20 Franken auf unter 1.12 Franken im September. Gestern Nachmittag notierte der Euro zwischen 1.122 und 1.132 Franken.

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Trotz der deutlichen erneuten Frankenaufwertung stellt diese für die Schweizer Wirtschaft aktuell kaum mehr ein Problem dar: «Das aktuelle Niveau ist erträglich, das zeigt auch die ausgezeichnete Konjunkturlage», sagt etwa Thomas Flury, Chef-Währungsstratege der UBS. Mit erneuten Interventionen rechnet er erst bei Kursen von weniger als 1.10 Franken pro Euro. Die SNB selbst schreibt nur noch von einem «hoch bewerteten» Franken, kein Wort mehr von einer deutlichen Überbewertung wie einst. Eine Überbewertung besteht zwar weiter – die UBS setzt den kaufkraftbereinigten Wert bei 1.20 Franken pro Euro an, damit kann die Schweizer Wirtschaft offenbar gut leben.

Dazu kommt, dass das Kursniveau dadurch relativiert wird, dass die Inflation in den Absatzländern höher ist als in der Schweiz und vor allem der Euro zur Schwäche neigt. Deshalb bewegt sich der Franken laut Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich kaufkraft­bereinigt und handelsgewichtet jetzt etwa auf dem gleichen Niveau wie zur Zeit der von der SNB eingeführten Untergrenze von 1.20 Franken pro Euro.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 20.09.2018, 23:01 Uhr

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