Zürich ist innovativer als New York oder San Francisco

Eine neue Studie zeigt, wie wettbewerbsfähig Zürich, Bern und Basel gemessen an anderen Metropolen sind.

Blick auf den Prime Tower und den Mobimo Tower in Zürich. Foto: Reto Oeschger

Blick auf den Prime Tower und den Mobimo Tower in Zürich. Foto: Reto Oeschger

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An London kommt niemand vorbei. Zum dritten Mal in Folge führt die britische Hauptstadt das Städteranking von PricewaterhouseCoopers (PWC) an. Die Unternehmensberatung ermittelt jedes Jahr, welche Städte weltweit für Firmen, Einwohner und Touristen am attraktivsten sind. Dieses Jahr wurden zum ersten Mal auch vier Schweizer Städte in das Ranking aufgenommen.

Trotz des anstehenden Brexit, der sich laut PWC erst langfristig auswirken würde, bleibt London die attraktivste Metropole. Die Schweizer Städte können im internationalen Vergleich aber durchaus mithalten. Zürich schafft es insgesamt auf den 5. Platz von 34, hinter Paris, Toronto und Singapur – und vor Metropolen wie New York, San Francisco oder Hongkong. Basel kommt auf Platz 13, Genf und Bern erreichen die Plätze 17 beziehungsweise 20. Untersucht wurden Kriterien wie Ökonomie, Wandlungsfähigkeit und Lebensqualität.

Schweiz ist gar nicht so teuer

Besonders gut schneiden die Schweizer Städte in Sachen Lebensqualität ab. Bei den Transportsystemen und der Infrastruktur gehören Basel und Zürich zu den Top 5. Bei Gesundheit und Sicherheit steht Bern sogar an der Spitze. Interessant: Auch in puncto Kosten sieht es gut aus für die Schweizer. Alle untersuchten Städte landen in den Top 10, wenn es um Steuersätze oder die Kaufkraft geht. Die Resultate decken sich mit einer diese Woche publizierten Studie der Unternehmensberatung Mercer: Demnach sei Zürich die Stadt mit der zweithöchsten Lebensqualität weltweit, nur Wien sei besser.

Überrascht habe ihn der zweite Platz von Zürich in der Kategorie Intellektuelles Kapital und Innovationskraft, sagt Moritz Oberli, Studienautor und Partner bei PWC Schweiz. «Zürich schneidet hier besser ab als Städte wie San Francisco oder New York. Das ist besonders erfreulich, weil es um zukunftsträchtige Faktoren wie Innovation, die Hochschulbildung oder das unternehmerische Umfeld geht.»

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Zu denken geben sollte den Städten laut Oberli ihr mittelmässiges Abschneiden bei der Technologiebereitschaft. Nur Basel und Zürich schaffen es hier in die Top 10. Vor allem bei der Softwareentwicklung – sie bemisst sich etwa an der Verfügbarkeit von IT-Fachkräften oder den Kapazitäten für Forschung & Entwicklung – und der digitalen Sicherheit habe die Schweiz Nachholbedarf.

Nachholbedarf bei der digitalen Sicherheit

«Digitale Gefahren werden verkannt. Vielleicht, weil wir in einem ansonsten sicheren Land leben», sagt Oberli. Weltweite Cyberangriffe auf Firmen- und Behördencomputer hätten gezeigt, wie gross die digitalen Risiken seien. Schweizer Städte müssten sich stärker damit befassen. «Sensible Daten der Steuerbehörden oder Grundbuchämter müssen unbedingt geschützt werden. Viele Behörden haben aber noch nicht einmal eine Fachstelle, die sich mit digitaler Sicherheit befasst.» Eine Ausnahme sei St. Gallen, das letzten Herbst einen Chief Digital Officer einstellte.

Auch die ETH Zürich hat ihre Strukturen angepasst: Vor einigen Monaten ernannte sie Lothar Thiele zum Delegierten für Digitale Transformation. Er ist Professor für Technische Informatik – also in dem Bereich tätig, in dem die Schweiz laut der PWC-Studie Nachholbedarf hat.

Thiele ist indes nicht von allen Resultaten überzeugt. So findet er es nicht plausibel, dass Zürich beim Indikator Softwareentwicklung auf dem drittletzten Platz landet – hinter Bern und dem nigerianischen Lagos. «Aufgrund der hervorragenden Infrastruktur und der sehr gut ausgebildeten Informatiker haben sich in Zürich und Umgebung das IBM Research Center, das Disney Research Lab, Google und Oracle niedergelassen», bemerkt Thiele. Für Google sei Zürich inzwischen der grösste Entwicklungsstandort ausserhalb der USA. «Liegen alle diese weltweit führenden Firmen falsch?»

Im Ländervergleich vorne

Im Unterschied zur PWC-Studie konzentrieren sich andere Wettbewerbsvergleiche meist auf Länder. Bekannt ist vor allem der «Global Competitiveness Report» des Weltwirtschaftsforums (WEF) oder das «World Competitiveness Yearbook» der Wirtschaftsschule und Kaderschmiede IMD. Laut dem jüngsten WEF-Bericht ist die Schweiz das wettbewerbsfähigste Land der Welt. Bei der letzten IMD-Studie landete sie nach Hongkong auf dem zweiten Platz.

Das IMD hat in einer gesonderten Auswertung auch die digitale Wettbewerbsfähigkeit untersucht. Dort sieht es für die Schweiz – ähnlich wie bei PWC – weniger gut aus: Sie schafft es nur auf den achten Rang. Angeführt wird die Liste von Singapur, Schweden und den USA.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.03.2018, 21:58 Uhr

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