Schweizer arbeiten immer weniger

Kürzere Arbeitszeit, mehr Ferien – wie die Schweiz damit im internationalen Vergleich abschneidet.

Gehören zu den Branchen mit den längsten Arbeitszeiten: Angestellte von Banken und Versicherungen.

Gehören zu den Branchen mit den längsten Arbeitszeiten: Angestellte von Banken und Versicherungen. Bild: Keystone

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Die Bevölkerung der Schweiz wächst und damit auch die Zahl der Beschäftigten, die im vergangenen Jahr wieder um 0,7 Prozent zunahm. Dennoch ging das Arbeitsvolumen im Land zurück: 2017 kamen alle Erwerbstätigen zusammen auf 7,861 Milliarden Arbeitsstunden – 0,4 Prozent weniger als noch 2016. Wie ist das möglich? 2017 seien mehr Feiertage auf einen Werktag gefallen als im Vorjahr, begründet das Bundesamt für Statistik (BFS) den Rückgang.

Doch Fakt ist auch, dass die Schweizerinnen und Schweizer durchschnittlich immer weniger arbeiten. 2011 kamen Arbeitnehmende, die in Vollzeit angestellt waren, noch auf 41 Stunden und 28 Minuten pro Woche. Seither verringerte sich die tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit pro Stelle stetig. 2017 waren es noch 41 Stunden und 7 Minuten.

Gleichzeitig nehmen die Schweizer immer mehr Ferien. Gemäss neuen Angaben des BFS steigt die Anzahl der jährlichen Urlaubswochen konstant. 1996 hatten Vollzeitarbeitnehmende im Schnitt noch 4,6 Wochen, 2017 schon 5,14 Wochen Ferien pro Jahr.

Bei 15- bis 19-Jährigen und 50- bis 64-Jährigen sind es mit 5,31 beziehungsweise 5,62 Wochen sogar noch mehr. Gedrückt wird der Schnitt von den zahlreichen Arbeitnehmenden im Alter zwischen 20 und 49 Jahren, die pro Jahr nur 4,92 Wochen Ferien beziehen.

Daraus abzuleiten, dass die Schweizerinnen und Schweizer immer fauler werden, wäre dennoch übertrieben. Bauern und Förster beispielsweise arbeiten 45 Stunden und 35 Minuten pro Vollzeitstelle. Im Gastgewerbe (42 Stunden und 30 Minuten) und bei den Banken und Versicherungen (41 Stunden und 44 Minuten) wird vergleichsweise ebenfalls viel geschuftet.

Ausserdem gehören Schweizer Arbeitnehmende nach wie vor zu den fleissigsten in Europa. Vollzeit arbeiten nur die Isländer noch länger als sie, wie Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat zeigen. Diese werden zwar anders erhoben als die Zahlen des BFS und liegen deshalb höher, ermöglichen aber einen internationalen Vergleich.

Vollzeitarbeitnehmende in Island arbeiten demnach mit 42 Stunden und 54 Minuten am längsten. Nur 18 Minuten kürzer ist die Arbeitswoche in der Schweiz, die vor Grossbritannien und Rumänien europaweit den zweiten Platz belegt. Am Schluss der Rangliste liegen Frankreich und Finnland mit weniger als 38 Stunden wöchentlich.

Betrachtet man allerdings die Gesamtheit aller Erwerbstätigen, also nicht nur die Vollzeitarbeitnehmenden, zählt die Schweiz mit 35 Stunden und 54 Minuten zu den Ländern mit der niedrigsten tatsächlichen Arbeitszeit pro Woche. Grund hierfür ist der hohe Anteil von Personen, die nur Teilzeit arbeiten.

Im Schnitt arbeiten Erwerbstätige in EU-Ländern 36 Stunden und 24 Minuten, in Griechenland sogar noch gut 4 Stunden mehr. Es gibt aber auch Länder, die deutlich hinter der Schweiz liegen: Die Holländer beispielsweise finden sich mit wöchentlich nur 31 Stunden und 48 Minuten am Ende der internationalen Rangliste. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.05.2018, 15:23 Uhr

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