Schweizer reisen wieder in die Türkei, nach Ägypten und Tunesien

Die muslimischen Badeferienländer sind nach Jahren der Krise erneut gefragt. Auch die Preise steigen teilweise wieder an.

Nur wenige Schweizer zieht es ins einst so beliebte Istanbul: Blick auf die blaue Moschee. (Archivbild)

Nur wenige Schweizer zieht es ins einst so beliebte Istanbul: Blick auf die blaue Moschee. (Archivbild) Bild: Keystone

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Politische Unsicherheit und Terroranschläge hielten die Schweizer in den vergangenen Jahren von Reisen nach Tunesien, Ägypten und in die Türkei ab. Stattdessen zog es viele nach Spanien und Griechenland.

Dieses Jahr stehen die nordafrikanischen Badeferiendestinationen und die Türkei aber wieder hoch im Kurs, wie eine Umfrage unter den Reiseveranstaltern zeigt. «Wir sehen, dass sich alle drei muslimischen Länder stark erholen», sagt Deniz Ugur, Chef des Türkei-Spezialisten Bentour, der die Länder im Angebot führt. Die Touristen schätzten die Bedrohung durch den Terrorismus als geringer ein als in den vergangenen Jahren. «Der Terror-Effekt klingt ab», sagt Ugur. Für die Badeferienorte der Türkei um Antalya habe Bentour bei den Buchungszahlen bereits wieder das Vorkrisenniveau von 2014/15 erreicht. Selbst die eher vorsichtigen Golfer buchten wieder Türkeiferien.

Touristen hatten das Land wegen des Putschversuchs und zahlreicher Inhaftierungen von Menschenrechtlern und Journalisten gemieden. Nun zeigen die Buchungszuwächse der grossen Reiseanbieter eine starke Erholung: So liegt das Buchungsplus für die Südtürkei von TUI Suisse in diesem Sommer gegenüber dem Vorjahr bei 160 Prozent; bei der Kuoni-Badeferienmarke Helvetic Tours stiegen die Buchungen fast um das Fünffache an. Hotelplan Suisse vermeldet einen Zuwachs von 66 Prozent.

Klar ist jedoch: Die Touristen unterscheiden zwischen Badeferien und Städtereisen. Wie schon in den vergangenen Jahren zieht es nur wenige Schweizer ins einst so beliebte Istanbul. Zudem erfolgen die hohen Buchungszuwächse von einem tiefen Niveau aus. Eine vollständige Erholung des Markts ist laut TUI Suisse noch nicht gegeben. Die Türkei sei zwar auf Platz vier der meistgebuchten Reiseziele vorgerückt. Um das Vorkrisenniveau zu erreichen, müssten sich die Buchungen nächstes Jahr aber nochmals verdoppeln.

Hurghada und Marsa Alam sind wieder gefragt

Ähnlich sieht es in Ägypten aus: Die Touristen blieben dem Land nach einem Anschlag auf ein russisches Passagierflugzeug 2015 fern. Das jeweils im Winterhalbjahr beliebte Ferienziel liegt bei TUI Suisse derzeit 120 Prozent im Plus und verzeichnet damit eine vollständige Erholung, wie eine Sprecherin sagt. Auch Kuoni und Hotelplan vermelden dreistelliges Wachstum. Die Reisenden zieht es vor allem nach Hurghada und Marsa Alam am Roten Meer.

In Tunesien hat die Erholung später als in Ägypten und der Türkei eingesetzt. Buchungen für das Land, das wegen einer brutalen Attacke auf Touristen am Strand von Sousse vor drei Jahren in den Schlagzeilen stand, sind bei Marktführer Hotelplan für den Sommer im Vergleich zum Vorjahr um 72 Prozent gestiegen.

Die Kehrseite der Medaille: Die Badeferienarrangements werden wieder etwas teurer. Für die Türkei, die in den vergangenen Jahren mit unschlagbaren Schnäppchenpreisen Touristen locken musste, habe man die Preise nun wieder etwas anheben können, sagt etwa Bentour-Chef Ugur. Günstiger als sonst sind weiterhin Reisen nach Tunesien und Ägypten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.06.2018, 16:13 Uhr

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