So viel Steuern zahlen wir fürs Bier

Mit der Biersteuer verdient der Bund jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag. Was dahinter steckt.

Durst ist auch für die Staatskasse einträglich. Ein Mann bestellt während des Public Viewings eines WM-Spiels Bier. Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

Durst ist auch für die Staatskasse einträglich. Ein Mann bestellt während des Public Viewings eines WM-Spiels Bier. Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

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Fliesst das kühle Blonde an heissen Sommertagen in Strömen, beglückt das auch den Staat. Denn an jedem Schluck verdient er mit. Dabei ist nicht von der Mehrwertsteuer die Rede, sondern von der Biersteuer. Diese wird auf alkoholhaltigem Bier und Biermischgetränken erhoben.

Berechnet wird die Steuer pro Hektoliter, sie variiert je nach Grad der Stammwürze. Dies beeinflusst den späteren Alkoholgehalt des Bieres. Auf 330 Milliliter mit 5 Prozent Alkoholgehalt runtergebrochen, zahlt der Hersteller 8 Rappen die Flasche an den Bund.

Seit 2007 begünstigt die sogenannte Mengenstaffelung kleine Brauereien: Fliessen im Jahr weniger als 55'000 Hektoliter aus dem Betrieb, sinkt der Steuersatz. Das betrifft die meisten der über 1300 Brauereien. 2018 waren lediglich zehn Bierproduzenten für 92 Prozent der gesamten inländischen Produktion verantwortlich. Insgesamt sprudelten so im vergangenen Jahr über 115 Millionen Franken in die Staatskasse.

Historische Biersteuer

Im EU-Vergleich ist das nicht viel. Zahlen der amerikanischen Tax Foundation vom Januar zeigen, welches Land beim goldenen Gerstensaft die meisten Steuern draufschlägt.

Bekannt für teuren Alkohol ist Skandinavien. So liegt Finnland mit gut 65 Rappen auf die 330-Milliliter-Flasche mit 5 Prozent Alkoholgehalt im Vergleich auf dem ersten Platz. Irland (40 Rappen) und Grossbritannien (38 Rappen) folgen. Über besonders günstige Bedingungen freuen sich die Deutschen – nur 3 Rappen beträgt die Steuer auf besagte Flasche.

In der Schweiz ist die Biersteuer historisch gewachsen. Ab 1935 wurde eine allgemeine Getränkesteuer eingeführt, der neben Bier auch Wein, Mineralwasser und Süssgetränke unterlagen. 1937 wurde diese bereits wieder aufgehoben, nur die Steuer auf Bier blieb. Es hatte sich nämlich gezeigt, dass der Bierkonsum etwa drei Viertel der Einnahmen in die Bundeskasse spülte. So sei das Biersteuergesetz ein reines Steuergesetz. Es enthalte keine Vorschriften hinsichtlich des Jugendschutzes, sagt ein Branchenkenner.

Und obwohl die Brauer die Steuer an die Konsumenten weitergeben, treibt das den Bierpreis nicht in unerschwingliche Höhen. An der Biersteuer scheint sich niemand so wirklich zu stören. Vielleicht auch ein Grund, warum eine parlamentarische Initiative vom Zürcher SVP-Nationalrat Claudio Zanetti zur Abschaffung der Biersteuer im März vom Nationalrat abgelehnt wurde. Die Begründung: Die Abschaffung sei mit Blick auf die Prävention das falsche Signal.

100 Millionen im Jahr

Die Aufhebung der Biersteuer lehnt auch Marcel Kreber, Direktor des Schweizer Brauerei-Verbandes, ab. «Wir haben einen guten Schweizer Kompromiss gefunden, der von der Branche akzeptiert ist.» Zudem sei der Bierkonsum in den letzten Jahren nicht gestiegen. Bei einer Abschaffung wären dem Bund jährlich rund 100 Millionen Franken durch die Lappen gegangen.

Und auch die Brauereien würden an der Steuer festhalten wollen, heisst es aus der Branche. Denn würde diese fallen, sähen sich die Bierbrauer mit Sicherheit mit weiteren Auflagen von Präventionsseite konfrontiert.

Bereits jetzt kritisiert Sucht-Schweiz-Sprecher Markus Meury: «Die Biersteuer ist noch zu tief.» Dass Jugendliche Halbliterbüchsen Bier mancherorts schon für 45 Rappen kaufen können, fördere das Rauschtrinken. Er fordert einen Mindestpreis auf alkoholische Getränke. Diese Idee dürfte den Brauereien eher sauer aufstossen.

Erstellt: 23.08.2019, 12:19 Uhr

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