Solarzellen auf dem eigenen Dach ohne Bürokratie

Ein Westschweizer Start-up finanziert Hausbesitzern die Solaranlage nicht nur, es räumt ihnen auch viele Hindernisse aus dem Weg.

Unkomplizierte Stromerzeugung: Solarpanels von Younergy. Foto: PD

Unkomplizierte Stromerzeugung: Solarpanels von Younergy. Foto: PD

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Die Idee ist einfach: Das Jungunternehmen Younergy baut Solaranlagen auf Hausdächer und verkauft den damit gewonnenen Strom an die Liegenschaftsbesitzer. Diese müssen für die Solarzellen kein Geld aufwerfen. Und auch sonst hält sich ihr Aufwand in Grenzen: Denn einerseits trägt Younergy alle Investitionskosten, anderseits kümmert sich die Firma auch um Planung, Baubewilligung, Montage und später den Unterhalt der Solaranlagen. Weder fehlendes Kapital noch die Scheu vor den technischen Abklärungen und dem Papierkram sind fortan also noch Gründe, die gegen die Solarzellen auf dem eigenen Dach sprechen. Die Hausbesitzer verpflichten sich einzig, während 20 Jahren den Strom der Solarpanels abzukaufen.

Oscar Ax, der bei Younergy derzeit den Deutschweizer Markt aufbaut, ist überzeugt davon, dass sein Angebot für Hausbesitzer auch preislich attraktiv ist. Younergy fixiert im Vertrag einen Kilowattstundenpreis, der auch davon abhängt, wie geeignet der Standort der Liegenschaft und das Dach für die Gewinnung von Solarenergie ist. «Meist ist unser Preis tiefer als der für Solarstrom bei einem örtlichen Elektrizitätswerk», sagt Ax. So beträgt etwa der Kilowattstundenpreis 20 Rappen. Er bewegt sich damit auf dem Niveau, das Privatkunden auch bei den Stromversorgern geboten wird. Jedoch fallen beim auf dem eigenen Dach produzierten Strom die Gebühren für dessen Transport weg. Werden diese Netzkosten miteinberechnet, ist unter dem Strich die Elektrizität der Younergy-Solarzellen preislich fast schon mit dem Normalstrom aus der Steckdose konkurrenzfähig.

Ax betont jedoch, dass die Preis­berechnungen für jede einzelne Solar­anlage neu durchgeführt werden müsse. Denn je nach Dachneigung, -ausrichtung und -standort produzieren Solarzellen mehr oder weniger Strom. Für die Preisfestlegung spielt das eine entscheidende Rolle, denn Younergy ist auf aus­reichende Erträge angewiesen, um auf ihrer Investition auch eine Rendite zu erwirtschaften. In die Preisberechnung fliessen zudem mögliche Fördergelder ein sowie der Preis, den die örtlichen Energieanbieter für die Einspeisung von Solarstrom zahlen. Schliesslich wird der Strom, den der Hausbesitzer nicht selbst nutzt, ins Stromnetz eingespeist und entsprechend vergütet.

Für Younergy ist das Geschäft kein grosses Risiko. Denn dank des vertraglich fixierten Strompreises und den berechenbaren technischen Werten lassen sich die zukünftigen Erträge der Solaranlagen gut abschätzen. Allerdings muss das Ganze schlank über die Bühne gehen – das heisst, Betrieb, Abrechnung und Wartung der Solaranlagen dürfen nicht zu hohe Kosten verursachen. Bis Younergy letzten Herbst in der Westschweiz an den Start gegangen ist, standen zwei Jahre Vorbereitungs- und vor allem Programmierarbeit an. Software, mit der die Solaranlagen überwacht und die Wirtschaftlichkeit neuer Anlagen berechnet werden können, bildet das Herzstück der Firma. Mittlerweile hat Younergy hauptsächlich in der Romandie 100 Verträge für Solaranlagen abgeschlossen. Ax hofft, dass im laufenden Jahr allein in der Deutschweiz 300 Kunden gewonnen werden können. Finanziert wird das im Umfeld der ETH Lausanne entstandene Start-up von privaten Investoren. Namen nennt das Unternehmen nicht, es seien aber Geldgeber, die Interesse an langfristigen risiko­armen Anlagen hätten.

Ohne Begeisterung geht es nicht

Ein Risiko für den Hausbesitzer ist der langfristig fixierte Preis für den Strom vom eigenen Dach. Denn die technologische Entwicklung dürfte dazu führen, dass Solarstrom in Zukunft noch günstiger wird. Dem Preiszerfall ausgesetzt ist aber auch, wer selbst in eine Solaranlage investiert. Denn aus rein finanziellen Gründen dürfte sich auch mit dem Geschäftsmodell von Younergy niemand für Solarstrom entscheiden. Damit rechnet Ax vorerst auch nicht. «Eine Begeisterung für Solarstrom braucht es trotz allem, Younergy vereinfacht einfach den Einstieg.»

In Expertenkreisen wird dem Modell von Younergy grosses Potenzial beigemessen. Ganz neu ist das Konzept nicht: So hat der bekannte Technologieunternehmer Elon Musk (Tesla) 2006 mit Cousins die Firma Solar City gegründet. Mit mittlerweile über 13'000 Mitarbeitern folgt die Firma einem ähnlichen ­Geschäftsmodell wie Younergy. «Wir ­haben das Angebot von Solar City quasi für die Schweiz massgeschneidert», gibt Ax unumwunden zu. Auf die gleiche Weise finanziert wurden in der Schweiz aber auch schon grössere Solarkraftwerksprojekte, so etwa eine Fotovoltaikanlage auf einer Fabrik in Fehraltorf.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.05.2016, 20:19 Uhr

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