Swisscom hat sich verwählt

Die Kommunikation nach dem Datenverlust ist eine Panne in der Panne.

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Die Swisscom hat ein gigantisches Datenleck, 800'000 Kontaktdaten von Kunden wurden gestohlen. Das ist schlimm. Durch seine missglückte Kommunikation macht der halbstaat­liche Konzern die Affäre aber nur noch schlimmer.

Da ist zum einen das Timing: Das Datenleck trat im vergangenen Herbst auf, also bereits vor Monaten. Doch erst jetzt klärt die Swisscom die Öffentlichkeit über die Panne auf und nimmt damit Kunden die Möglichkeit, zeitnah auf das Ereignis zu reagieren, etwa indem sie eine andere Handynummer wählen.

Ferner gibt es keinen ersichtlichen Grund, die Datenpanne zeitgleich mit den Jahreszahlen und dem geplanten Stellenabbau zu kommunizieren. Das schürt den Verdacht, die Swisscom möchte den peinlichen Vorgang dem Publikum in einem grossen Nachrichtenstrom unterjubeln.

Drittens haben sich die Verantwortlichen bei ihrer Wortwahl schlichtweg verwählt. 800'000 Namen und Telefonnummern von Kunden sind futsch. Ja und? «Es handelt sich grösstenteils um Kontaktdaten, die öffentlich oder über Adresshändler verfügbar sind», heisst es in der Medienmitteilung. Zu Deutsch: Leute, regt euch bitte nicht so auf, alles halb so wild. Fehlt eigentlich nur noch der Hinweis, dass viele Nutzer auf Facebook & Co. sowieso viel mehr persönliche Daten preisgeben, als der Swisscom verloren gegangen sind.

Aber es macht eben einen Unterschied, ob jemand freiwillig überall Datenspuren hinterlässt oder ob er seine Daten einem Unternehmen anvertraut. Zumal die Swisscom als unangefochtene Marktführerin, bei der der Staat zudem noch bestimmender Aktionär ist, über einen Vertrauensbonus seitens der Kunden verfügt.

Sicher, es wurden keine E-Mail-Zugangsdaten oder Kreditkartendaten entwendet. Das wäre der Daten-GAU gewesen. Aber allein das Ausmass der Panne mit 800'000 gestohlenen Datensätzen hätte die Verantwortlichen zu einer angemesseneren Kommunikation anhalten sollen. Zumal die Swisscom in den vergangenen Wochen die Geduld ihrer Kunden mit einer Pannenserie bereits arg strapaziert hat. So geriet die Kommunikation zur Panne in der Panne.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.02.2018, 23:12 Uhr

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