TGV Lyria greift die Swiss an

Die französisch-schweizerische Bahntochter lockt ab Dezember Geschäftskunden mit einer neuen Business Class.

Zu diesen herkömmlichen TGV-Abteilen kommen bald solche mit mehr Annehmlichkeiten. Foto: Denis Allard (Laif)

Zu diesen herkömmlichen TGV-Abteilen kommen bald solche mit mehr Annehmlichkeiten. Foto: Denis Allard (Laif)

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Die Idee, Geschäftsleute mit speziellen Abteilen in den Zug zu locken, ist nicht neu. Die SBB etwa bieten Businessabteile in den Neigezügen an. Und auch zwischen Zürich und Wien kann man im Railjet der ÖBB in entsprechenden Abteilen seinen geschäftlichen Aktivitäten nachgehen.

Diesen Service will TGV Lyria nun auch seiner Kundschaft zwischen Zürich und Paris sowie zwischen Genf und Paris ab 10. Dezember offerieren. «Business 1ère» heisst das Angebot von TGV Lyria, der von der SNCF und den SBB gemeinsam betriebenen Gesellschaft.

Andreas Bergmann, Chef von TGV Lyria, hat vor allem die fliegende Kundschaft im Visier: Mit der Bahn sei man schnell, fahre von Zentrum zu Zentrum, könne sich auf hohe Pünktlichkeit verlassen, müsse keine Gepäckzulage berappen, und der CO2 sei zehnmal tiefer als beim Fliegen, erklärt er auf Anfrage.

Für die einfache Hinfahrt zahlt der Kunde ab Zürich 260 Franken. Dafür erhält er nebst einem garantierten Sitzplatz Zeitungen und Zeitschriften und kann ein warmes Dreigangmenü ordern. Der Preis, so Bergmann, ist fix, wird also nicht je nach Nachfrage kurzfristig nach oben oder unten verändert, wie dies für «normal» reisende TGV-Passagiere längst der Fall ist. Einen kleinen Rabatt gibt es für GA- und Halbtax-Besitzer. Ab Zürich werden von Montag bis Freitag täglich 150 Businessplätze und ab Genf 240 angeboten.

Reisende sind offline

Mit einem gerade für Businesskunden zentralen Vorteil kann Lyria indessen nicht aufwarten: Das Wi-Fi funktioniert noch nicht. Grund: Zwischen Zürich und Paris gibt es laut Andreas Bergmann «ausgedehnte Zonen», welche von französischen Telecomanbietern erst ausgebaut werden müssten. Diese «Schwachstelle im Angebot» wolle man bei TGV Lyria jedoch bis 2020 «ausgemerzt» haben, weil die Bahngesellschaft auf diesen Zeitpunkt hin neues Rollmaterial einführen will.

Auch am anderen Preisende will der Bahnbetreiber mit einem neuen Angebot Passagiere holen. Es heisst «Standard 1ère» und ist praktisch eine Kopie der «Premium Economy Class», wie sie immer mehr Airlines im Angebot haben: Ein Zwischending zwischen «Holzklasse» und Business Class. Gegen einen Aufpreis können Kunden einen komfortableren Sitz und etwas mehr Service erhalten. Das Billett für die «Standard 1ère» soll ab 57 Franken kosten, wobei hier die Nachfrage den Preis bestimmt.

Den Klagen von Passagieren, dass es punkto Sauberkeit im TGV auch schon bessere Zeiten gab, will Lyria mit der Einführung eines Reinigungsservices in allen Zügen während der gesamten Reise begegnen.

Bald wieder schwarze Zahlen

Ob damit die Profitabilität – ein Dauerthema bei allen Bahnunternehmen – verbessert werden kann, lässt TGV-Lyria-Chef Bergmann offen. Er spricht von einer «riesigen Herausforderung». Man stehe vor allem unter Druck der Billig-Airlines.

Im Herbst 2016 wurde bekannt, dass TGV Lyria einen Verlust von 5 Millionen Franken erlitten hatte. Der Einbruch war die Folge des Terroranschlags im Frühjahr in Paris. Im ersten Halbjahr 2017 reisten auf der Achse Zürich/Basel– Paris 995'000 Passagiere, was einem Minus von 2 Prozent zur Vorjahresperiode entspricht. Bergmann nennt als Grund Bauarbeiten um Dijon und Mulhouse Seit Juli sei die Passagierzahl indessen wieder zweistellig gewachsen. «Wir werden 2017 schwarze Zahlen schreiben und nachhaltig Marktanteile gewinnen», so Bergmann. Gemessen werden die Marktanteile im Vergleich zur Flugbranche – aber publiziert werden sie nicht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.09.2017, 10:14 Uhr

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