Trumps Schatten über der Notenbank

Janet Yellen bremst, und Donald Trump gibt Gas. Das weckt böse Erinnerungen.

Der Kurs von US-Notenbankchefin Janet Yellen steht im Konflikt mit der neuen US-Regierung.

Der Kurs von US-Notenbankchefin Janet Yellen steht im Konflikt mit der neuen US-Regierung. Bild: Reuters

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Für Präsident Trump war der jüngste Bericht vom Arbeitsmarkt von letzter Woche ein Grund zum Feiern, und zum Eigenlob. «Great news», teilte der Präsident via Twitter zum erneuten Anstieg der Zahl der Erwerbstätigen mit, «und das ist erst der Anfang.» Notenbankchefin Yellen dagegen sah die Zahlen als Grund, mehr Gegensteuer zu geben. In einer unüblich klaren Stellungnahme kündete sie an, die Leitzinsen schneller anzuheben als bis vor kurzem geplant. Damit aber gerät sie in Konflikt mit einer Regierung, die das Wirtschaftswachstum stärker beschleunigen will, als es die Notenbank für verkraftbar hält.

Noch nie seit der Finanzkrise war das Resultat der Notenbanksitzung, die heute zu Ende geht, klarer: Das Team um Janet Yellen wird den Leitzins um einen Viertelpunkt anheben, womit die Marke von einem Prozent erreicht wird. Zum letzten Mal lag der Leitzins 2008 auf dieser Höhe. Seither hatte die Notenbank den Geldnachschub in einem Ausmass verbilligt wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg.

Endlich eine stetige und langfristige Zinspolitik

Selbst die grösste Skeptikerin in der Notenbank-Führung, Gouverneurin Lael Brainard, gibt sich geschlagen. «Wir stehen vor der Vollbeschäftigung, die In­flation nähert sich unserem Ziel, das Wachstum im Ausland ist fester verankert», sagte Brainard vergangene Woche. Kurz und gut: «Die Risiken sind so gut ausgewogen wie seit einiger Zeit nicht mehr.» Diese Konstellation erlaubt nun nach den Worten von Yellen, endlich eine stetige und langfristige Zinspolitik zu führen – nachdem diese in den letzten Jahren durch Wirtschaftsrückschläge jeweils im Winter verhindert worden war. Die Hüst-und-hott-Politik ist zu Ende, sagt der Chefökonom der ­Allianz, Mohamed El-Erian. «Wir erleben einen Wechsel weg von einem taktischen zu einem strategischen Denken. Die Notenbank wird nun die Märkte führen, statt wie bis anhin von den Märkten bestimmt zu werden.»

Wenn nichts schiefgeht, so dürfte die Notenbank die Zinsen dreimal pro Jahr anheben bis sie Ende 2019 bei drei ­Prozent liegen. Dies wäre aus heutiger Sicht ein Zinssatz, der die Wirtschaft ­weder übermässig aufheizt noch zu stark bremst.

Unsicherheitsfaktor Trump

Was aber kann dabei schiefgehen? Neben aussen- und sicherheitspolitischen Schocks ist die Regierung ein Unsicherheitsfaktor. Der Präsident will sich erklärtermassen nicht mit einem Wachstum von zwei Prozent zufrieden geben, wie es die Notenbank als angemessen betrachtet. Er will mit einer Kombination von Steuersenkungen und Impulsprogramm ein doppelt so starkes Wachstum erzwingen. Und zwar noch vor diesen Sommerferien. Der Plan erscheint anspruchsvoll, muss sich der zerstrittene Kongress doch über eine Reform der Krankenversicherung einigen, bevor er das ebenso heikle Steuer- und Wirtschaftsprojekt anpacken kann. Je länger aber die Verzögerung, desto grösser das Risiko einer Einflussnahme.

Trump kann das Terrain dazu vorbereiten, wenn er in den kommenden Monaten zwei oder drei neue Mitglieder der Notenbank ernennt. «Die Notenbank war gegenüber politischen Pressionen nicht immer immun», warnten diese Woche die Ökonomen von Goldman Sachs, «und im aktuellen Umfeld ist dies noch immer relevant.» Sie verweisen auf die bösen Erfahrungen mit den Präsidenten Johnson und Nixon. Beide übten so lange Druck aus, bis die Notenbank ihre Zinspläne abrupt änderte und damit prompt eine Rezession beziehungsweise eine Inflationsspirale auslöste. Im Fall Johnson war es der Vietnamkrieg, der auf die Zinspolitik durchschlug, im Fall Nixon der Erdölpreisschock. Eine Teuerungsexplosion erschien damals so unwahrscheinlich wie heute, warnt Gold­­man Sachs. «Gerade deshalb ist eine ­gewisse Aufmerksamkeit angebracht.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.03.2017, 22:03 Uhr

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